„Die Baubranche blickt nach vorne“

Nach Jahren der Zurückhaltung hellt sich die Stimmung in der Baubranche spürbar auf.
Markus Tuider, Veranstalter der Baumesse Oberwart, spricht im Interview über volle Hallen, steigende Zuversicht bei den Aussteller:innen, warum Sanierung weiterhin boomt und weshalb Nachhaltigkeit und Fachkräfte die zentralen Themen der kommenden Jahre bleiben.

Nicole MÜHL / 27. Jänner 2026

Messeveranstalter Markus Tuider berichtet von vollen Hallen bei der Baumesse Oberwart im Messezentrum.

Nach mehreren schwierigen Jahren in der Baubranche zeichnen sich für 2026 erstmals wieder eine Erholung und ein moderates Wachstum ab. Spüren Sie dieses vorsichtige Aufbruchssignal auch bei den Aussteller:innen der Baumesse?

Markus Tuider: Für uns ist das zentrale Signal natürlich das Interesse der Bauwirtschaft an der Messe. Würde die Branche ausschließlich pessimistisch in die Zukunft blicken und keinen Sinn mehr in Investitionen sehen, würde man im Marketing zurückschalten – und wohl auch auf eine Messeteilnahme verzichten. Genau das passiert aber nicht.

Im Gegenteil: Die Baumesse ist ausgebucht. Wir erzielen flächenmäßig den höchsten Umsatz, den wir je erreicht haben. Das zeigt ganz klar, dass die Stimmung in der Branche deutlich positiver ist, als man vielleicht vermuten würde.

Ist die Baumesse Oberwart damit ein realistisches Stimmungsbarometer – und kein abgeschotteter Mikrokosmos, in dem Probleme ausgeblendet werden?

Tuider: Die Baumesse Oberwart ist definitiv ein Stimmungsbarometer. Wenn die Aussteller:innen optimistisch sind, überträgt sich das automatisch auf die Besucher:innen. Wir sprechen hier von mehr als 250 Aussteller:innen – mehr Kapazität lässt das Messezentrum derzeit schlicht nicht zu. Die Warteliste ist lang.

Die Baumesse ist sicherlich das Herzstück des Messezentrums – ich sage das sehr bewusst. Man darf auch ihre Bedeutung als regionalen Wirtschaftsmotor keinesfalls unterschätzen.

Angebot schafft Nachfrage. Das war immer so. Nach Phasen des Sparens entsteht oft der Wunsch, sich wieder etwas zu gönnen. Wenn Menschen auf der Messe konkrete Angebote sehen, entstehen Impulse – auch für Investitionen, die sonst vielleicht nicht getätigt worden wären.

Merken Sie Veränderungen bei der Investitionsbereitschaft der Kund:innen? Wo wird aktuell investiert und zeichnen sich Trends ab?

Tuider: In den vergangenen zwei Jahren haben wir deutlich gespürt, dass der Neubau stark zurückgegangen ist. Selbst im hochpreisigen Segment wurde gebremst.

Worin sehen Sie die Ursachen?

Tuider: Die Baupreise sind massiv gestiegen. Es gab Zeiten, in denen Angebote nur mehr wenige Wochen gültig waren, weil Materialkosten regelrecht explodiert sind. Das hat viele verunsichert. Und wenn Menschen einmal auf die Bremse steigen, braucht es Zeit, bis sie wieder bereit sind zu investieren.

Ich glaube jedoch, dass sich auch der Neubau langsam wieder erholen wird. Deutlich stabiler war hingegen immer schon der Bereich Renovierung und Sanierung – also alles, was das persönliche Wohnumfeld verschönert. Das ist auch eine regionale Besonderheit: In unserer Region sind rund 80 Prozent der Menschen Eigenheimbesitzer:innen. Da gibt es immer etwas zu erneuern oder zu verbessern. Ein gewisser Grundbedarf ist konstant vorhanden.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in der Baubranche?

Tuider: Eine sehr große. An Nachhaltigkeit führt kein Weg mehr vorbei. Sie ist im Bau- und Renovierungsverhalten längst zur Selbstverständlichkeit geworden – alles andere ergibt heute schlicht keinen Sinn mehr.

Ist der Fachkräftemangel weiterhin ein zentrales Thema?

Tuider: Absolut. Und ich bin überzeugt, dass uns dieses Thema noch sehr lange begleiten wird. Viele junge Menschen wurden über Jahre hinweg von ihren Eltern zum Studium gedrängt – oft in der Hoffnung, ihnen damit ein „besseres“ Leben zu ermöglichen. Dabei verdient ein qualifizierter Facharbeiter nicht selten deutlich mehr als jemand mit manchem Studienabschluss. Die Lehre bietet heute hervorragende Modelle, etwa die Lehre mit Matura: Man hat einen Beruf, steht finanziell auf eigenen Beinen und kann jederzeit weiterstudieren. Alle Wege stehen offen.

In der breiten Gesellschaft ist dieses Bewusstsein aber noch nicht ausreichend angekommen. Genau deshalb sehen wir als Messeveranstalter auch die Bildungs- und Berufsinformationsmesse BiBi als so wichtig an. Sie hilft unter vielen möglichen Ausbildungswegen, junge Menschen für Facharbeiterberufe zu begeistern – und das ist letztlich auch für die Zukunft der Baumesse und der gesamten Branche entscheidend. 

Es tut mir leid, ich kann nicht sagen, wer diese Person auf dem Bild ist.

Baumesse Oberwart Veranstalter Markus Tuider 
Foto © LMS Burgenland

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