Das Jahr des Klopapiers

2020, das Jahr des Klopapiers, ist vorüber und es war für keinen von uns – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ein leichtes.
Feri TSCHANK / 4. Jänner 2021

Der Frühling war schön, bis zu jenem Tag, an dem Corona begonnen hat, sich massiv in unser Leben einzumischen. Der erste Lockdown hatte beinahe etwas Beruhigendes. Keine Kondensstreifen am Himmel, fast kein Verkehr und auch das Homeschooling war soweit ok. Ist ja auch ganz schön, wenn man seine Kinder über längere Zeit den ganzen Tag über bei sich hat. Dann wollte man ja den Sommertourismus irgendwie mitnehmen und auch der Handel hat immer lauter gemurrt. Also Masken ab, Baumärkte und Schulen auf. Und sukzessive war alles wieder offen. Lange hat es nicht gedauert, bis sich die Infektionszahlen wieder erhöht haben. Die Urlauber waren es, hat es geheißen, die es im Auto wieder mit nach Hause gebracht haben. Es ist ja wahrscheinlich auch zu viel verlangt, einmal im Jahr Urlaub zuhause zu machen. Aber dann war ohnehin schon alles egal und man ließ es so lange schleifen, bis wir zehnmal so viele Tote wie Deutschland und fünfmal so viele Infizierte hatten – auf die Einwohnerzahl berechnet. Und da ist dann irgendwie das Chaos ausgebrochen, das noch bis dato anhält.

Was wirklich schön war im Jahr 2020, war die Abwahl von Donald Trump und ja, ein paar Kleinigkeiten, die unter „privat“ laufen. Weniger schön ist es, wie es bei den Massentests gelaufen ist. Eine kleine Umfrage unter Freunden hat ergeben, dass diejenigen, die sich ohnehin vorsichtig verhalten, Masken getragen, Abstand gehalten und Menschenmassen gemieden haben, testen waren. Und diejenigen, die nach dem Motto leben „wird scho nix sein“, nicht zu den Tests gegangen sind. Vor Weihnachten ist dann die Panik ausgebrochen und die Testkapazitäten waren plötzlich erschöpft. Die Angst, möglicherweise nirgendwo hin zu dürfen, war dann doch stärker als die Vorbehalte.

Weihnachten und Silvester sind vorbei. Wie vorbildlich wir wirklich waren, werden wohl erst die nächsten Tage und Wochen zeigen. Was die Disziplin rund um Supermärkte und Einkaufszentren betrifft, kann von vorbildlich kaum die Rede sein. Es brach, so wie jedes Jahr, auch heuer zu den Feiertagen die Hungersnot aus. Wozu hat man eigentlich die Tiefkühltruhe erfunden? Wir haben es wirklich geschafft mit drei Mal tanken durch das Jahr zu kommen. Ok, wir pendeln nicht, aber mit dem Fahrrad und zu Fuß kann man auch einiges erledigen und es ist kein Zeichen von Armut, wenn man mit dem Rad fährt. Das heißt nicht, dass man kein Auto, Moped oder Motorrad hat. Das heißt lediglich, ich bin in der Jetztzeit angekommen. Ich mache mir Sorgen um das Klima, versuche wenig Müll zu produzieren und werfe mein Fastfoodsackerl – sofern ich Fastfood esse – nicht beim Autofenster raus. Versuche beim Einkaufen möglichst auf heimische Produkte zu greifen, nicht Dinge zu kaufen, die um den halben Erdball gereist sind.

Das Jahr 2021 wird ein gutes Jahr werden. Es gibt Impfstoff! Wer wird sich da wohl wieder nicht impfen lassen? Angeblich sind ja Splitter von Hitlers Ufo darin gefunden worden. Wie man das allerdings einschätzen soll, dass eine eher klägliche Anzahl der Österreicher meint, wenn sich die anderen impfen lassen, muss ich es ja nicht mehr tun, möchte ich jetzt gar nicht näher ausführen. In einer von mir sehr geschätzten Wochenzeitung hat ein Redakteur gemeint: Er wünscht sich eine Zwangsimpfung gegen Verantwortungslosigkeit. Damit wären die meisten anderen Impfungen obsolet. Trotzdem will ich nicht glauben, dass es uns nicht gelingt, unsere Freiheit wieder zu erlangen. Wieder Tage ohne Angst vor Einschränkung und Ansteckung verbringen zu können, Freunde treffen, in Cafes und Gasthäusern sitzen, einkaufen wo und wann wir wollen, auf Urlaub fahren. Aber nur wenn alle mittun, denn nur dann kriegen wir unsere Freiheit wieder zurück. Sonst spielen wir das Spiel so lange, bis es keine Cafes und Wirtshäuser mehr gibt, keine Geschäfte und keine Arbeit. Nicht obergscheit sein, sondern auf das hören, was kluge Menschen raten! Und auch wenn man unseren Politikern viel vorwerfen kann, sie haben sicher nicht den Untergang Österreichs im Auge.

Ich glaube an uns,
Ihr Feri Tschank




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