Kein lustiger Fasching

Wie heißt es so schön in Abwandlung eines Liedes: „Herr Doktor, erinnern Sie sich noch ans 80er-Jahr, erinnern Sie sich, wie schön es damals war ...?”
Feri TSCHANK / 28. Jänner 2022

Schöner war es damals auch nicht unbedingt, aber es war irgendwie unbeschwerter – hab‘ ich so aus der Distanz der Jahre das Gefühl. Allein diese triste Jahreszeit nannte man früher einmal Fasching und da war auch wirklich was los. Egal wie gross oder klein die Ortschaft, es gab ein Wirtshaus mit einem Saal und da ging jedes Wochenende die Post ab. Jeder Verein, jede Partei hatte einen Ball und an den Sonntagen gab es Kindermaskenbälle. Ein paar Faschingsgilden nahmen bei ihren Aufführungen Politik und Gesellschaft zum Gaudium der Besucher aufs Korn. Es wurde geraucht und getrunken, als gäb‘ es kein Morgen. Und am Ende des Faschings – ein paar Kilo schwerer und erschöpft an Leib und Seele, wie es so schön heißt – hat man die Fastenzeit beinahe herbeigesehnt, nicht ohne es vorher noch einmal beim obligaten Heringsschmaus ordentlich krachen zu lassen. Fasching 2022 fühlt sich hingegen an wie ein immerwährender Aschermittwoch.

Die einzigen, die sich noch maskieren, sind die Besucher von Geschäften und Einkaufszentren und die Faschingsumzüge nennen sich Coronademonstrationen und sind alles andere als lustig. Dabei entblöden sich manche Protagonisten nicht einmal, das Vaterunser und die Bundeshymne zu bemühen.

Aber zurück zum Genuss und Verzicht: Der verstorbene Sepp Forcher hat leidenschaftlich gerne Bratlfettnbrot gegessen und als ein befreundeter Wirt zu ihm meinte, dass das wohl nicht so gesund wäre, ein Brot nach dem anderen zu schmausen und ob er denn keine Angst vor Cholesterin habe, hat der Sepp sinngemäß drauf gesagt: „Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind Hunderte wenn nicht Tausende Atomwaffen in Tschetschenien, Belarus, Usbekistan und wie auch immer diese Länder heißen mögen, verblieben, die zum Teil von größenwahnsinnigen Diktatoren regiert werden. Und da soll ich mich vor ein paar Bratlfettnbroten fürchten?“

Die Ukraine ist von uns nicht weiter entfernt als Bregenz. Haben Sie das gewusst und sich auch schon einmal vergegenwärtigt, was dort im Moment abläuft? Davor sollten wir uns fürchten. Wenn das eskaliert, wird das jeder Einzelne von uns spüren, denn welche großartigen Sanktionen wird denn der Westen schon verhängen?

Russland lebt von seinen Rohstoffen und wir leider auch, denn von einer Energiewende ohne Gas sind wir genauso weit entfernt wie Russland von der Demokratie. Wir reden und reden und bauen halbherzig ein paar Windräder dazu, die Photovoltaik ist noch viel zu teuer und viel zu wenig gefördert, die Stromgesellschaften und die Länder stehen auf der Bremse, weil sie um ihre satten Gewinne bangen und wir werden, wenn es in dieser Geschwindigkeit weiter geht, noch Jahre am russischen Gas hängen.

Wenn sich also Putin wirklich dazu entschließen würde, in die Ukraine einzumarschieren, wären die Folgen bis auf ein paar tausend Tote (schlimm genug) ähnlich wie die Einnahme der Krim. Was macht das offizielle Österreich? Schön brav das Maul halten und ja keine Wellen schlagen. Wir haben ja den Coronakrieg im eigenen Haus und für was anderes keine Zeit. Weil wir leider zu einem außenpolitschen Würstel verkommen sind.

So, aber jetzt setz‘ ich einen Germteig an und mach mir Faschingskrapfen und diese werden in Schweineschmalz herausgebacken. Siehe Sepp Forcher. Bleiben Sie trotz allem optimistisch und glauben Sie an das Gute im Menschen.

Bis bald,
Ihr Feri Tschank


Feri Tschank

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