Konfliktfall Flugplatz

Für nicht nur mediale Aufmerksamkeit sorgen Überlegungen, möglicherweise zwischen Oberwart und Riedlingsdorf einen Sportflugplatz zu errichten. Er könnte jenen in Pinkafeld ersetzen. Doch zurzeit wirken die Diskussionen eher wie ein Sturm im Wasserglas.
Peter Sitar / 24. Feber 2019
Foto prima!

Für helle Aufregung sorgen im Südburgenland Erstgespräche von Gemeindepolitikern, Vertretern der Wirtschaft und Flugbefürwortern über den möglichen Bau eines Sportflugplatzes (Pistenlänge rund 1.000 Meter) zwischen Riedlingsdorf und Oberwart. Strikt dagegen sind die Grünen, die gleich ganz tief in die Klassenkampf-Kiste greifen und mit Slogans wie „Züge statt Flüge“ und „kein Flugplatz für Superreiche und Promis“ agieren. Konkretes Projekt gibt es derzeit ebenso wenig, wie Betreiber, Finanzierung oder Grundstücke. Das Projekt, so es je eines werden soll, ist natürlich ein Geschenk für die um ihr politisches Überleben kämpfenden Grünen.

Doch zu den Fakten: Im Südburgenland gibt es zwei aktive Flugplätze. Einen in Pinkafeld (630 Meter Gras) und einen in Punitz (820 Meter Asphalt). In Pinkafeld setzt man vor allem auf den Segelflug, in Punitz, mit der festen Piste, auf die Motor-Piloten-Ausbildung. Die Platzverhältnisse in Pinkafeld sind überschaubar, eine Pistenverlängerung schwer realisierbar. Allerdings, so heißt es vom Pinkafelder Sportfliegerclub, bestehe derzeit absolut kein Handlungsbedarf. Langfristige Pachtverträge würden den Betrieb am derzeitigen Gelände auf Jahre hinaus garantieren. Sollte sich allerdings zwischen Oberwart und Riedlingsdorf eine interessante Alternative anbieten, könne man sich einen Standortwechsel überlegen, so die Pinkafelder.

Diskussionen über Flugprojekte gab es immer wieder: Ende der 1990er Jahre tauchte die Idee auf, bei Großpetersdorf einen internationalen Flughafen für Jets zu errichten. Ebenso schnell formierte sich massiver Widerstand dagegen. Es war fast schon ein Glaubenskrieg, der sich daraus entwickelte und in einer Volksabstimmung 1999 seinen Höhepunkt fand. Bei einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent endete diese mit einer Mehrheit von zwei Stimmen für die Befürworter des Flughafen-Projektes. Allerdings beschied noch am Abstimmungsabend die Landespolitik das endgültige „Aus“ für das Vorhaben. Kurzfristig wurde dieses Projekt Ende 2018 wieder zur Diskussion gestellt. Da aber der Ortschef dem Ganzen sofort eine Absage erteilte, war es ebenso schnell vom Tisch, wie es aufgetaucht war.

Nun also der Standort Oberwart für einen Sportflugplatz. Als mögliches Gebiet wird ein Bereich auf halber Strecke zwischen Oberwart und Riedlingsdorf genannt. Für Linienjets völlig ungeeignet und absolut kein Thema. Die Befürworter des Projektes Sportflugplatz sehen darin eine Verbesserung der Erreichbarkeit und der Infrastruktur sowie die Chance einer regionalen Aufwertung. Die Gegner wiederum beklagen Umweltbelastung, Lärm und eine Beeinträchtigung der Bevölkerung. Das Traurige dabei ist, dass erst gar nicht sachlich diskutiert wird. Stattdessen werden – mit fast schon religiösem Eifer – klischeehafte Argumente verbreitet. Siehe „Superreiche“. Auch wenn es keine gibt.

Aber Widerstand um jeden Preis scheint aktueller denn je zu sein. Das lässt wenig Gutes erwarten. So war es auch bei der geplanten Landesgartenschau in Hartberg, und man erinnere sich an das jahrzehntelange Verfahren zum Bau der 380-kV-Leitung vom Burgenland in die Steiermark. Vom geplanten Bau einer dritten Piste in Wien-Schwechat ganz zu schweigen. Ähnliches ist auch zu befürchten, falls die Pläne für einen zweiten Autobahnanschluss für Hartberg realistisch werden.

Natürlich ist es legitim, gegen ein Projekt zu sein, ebenso wie es legitim ist, Ideen für die Region zu entwickeln. Doch bevor hier etwas entstehen könnte, wird es Behördenverfahren geben, die Jahre dauern. Wie gesagt: derzeit scheint das Projekt eher ein Sturm im Wasserglas zu sein.


27. Feber 2019

Flugplatz/Flughafen Oberwart scheint vom Tisch!

„Ich steige jetzt aus dem Projekt aus. Offensichtlich ist es nicht erwünscht, ich nehme das zur Kenntnis“. Das sagt Reinhard Kremsner, Leiter der am Flugplatz Punitz beheimateten Flugschule Punitz Flugbetriebe. Zuerst war die Rede von der möglichen Verlegung des Sportflugplatzes nach Oberwart. Zuletzt die Vision und das Hirngespinst eines Flughafens im Südburgenland. Ausdrücklich nicht nur am Standort Oberwart, sondern irgendwo im Bereich der Bezirke Oberwart, Güssing oder Jennersdorf – mit einer Pistenlänge von rund 2000 Meter, wo auch Verkehrsflieger landen könnten. Die Idee dahinter: Das wäre ein Plus für den Tourismus und es könnten hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

Bislang war davon in den Vorgesprächen keine Rede. Seine Überlegungen für einen Flughafen in dieser Größenordnung tauchten erst in den letzten Stunden in den Medien auf. Doch Kremsner hat in der Zwischenzeit, wie eingangs erwähnt, von einem Flughafen Abstand genommen.

Die Vision vom Flughafen trifft auch Oberwarts Bürgermeister Georg Rosner völlig überraschend, denn mit ihm wurden auch nur Erstgespräche über die mögliche Errichtung eines Sportflugplatzes zwischen Oberwart und Riedlingsdorf geführt. Rosner: „Von einem Verkehrsflugplatz für große Passagiermaschinen kann keine Rede sein. Es ging lediglich um die Frage, ob der Pinkafelder Flugplatz hier einen neuen Standort finden könnte“. Aktuell gebe es zurzeit aber weder ein Projekt noch einen Betreiber oder Finanzierung, auch die Grundstücke sind zurzeit nicht gesichert. „Konkret kann ich dazu nichts sagen, da die Fakten fehlen“, so Rosner. Ein Verkehrsflugplatz bei Oberwart komme aber sicher nicht infrage!

Von Beginn an gegen das Projekt sind die Grünen aufgetreten. Aus jetziger Sicht ist die Errichtung eines Flugplatzes bzw. Flughafens in Oberwart unwahrscheinlicher denn je.


Peter Sitar
Der Oberwarter Peter Sitar arbeitete jahrzehntelang im Medienbereich. Vor allem für den KURIER im Burgenland. Er war Ressortleiter im Printbereich, sammelte aber auch viel Erfahrung beim Aufbau der Online-Berichterstattung. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Politik, Chronik und Wirtschaft. Er ist Preisträger des burgenländischen Journalistenpreises.

Einen Kommentar hinterlassen: