Und was haben wir jetzt daraus gelernt?

Vor einem Jahr um diese Zeit war die Welt noch in Ordnung. Doch dann kam Covid-19 und immer noch sind wir in Geiselhaft eines Virus, dessen Entstehung bis heute nicht ganz klar ist. Viele meinen ja, dass unsere Gier nach mehr, nach Geld und Profit dafür verantwortlich ist.
Feri TSCHANK / 1. Februar 2021

Den Tieren wird immer mehr Lebensraum genommen und sie kommen zusehends mit Menschen in Kontakt, die gegen ihre tierischen Viren keine Abwehrstoffe haben. Wir könnten ja diese weltweite Pandemie zum Anlass nehmen, unsere Lebensweise zu überdenken. Tun wir aber leider nicht. China verdient hervorragend an der Krise. Angeblich gibt es nicht genügend Frachtschiffe, um all die Bestellungen, die in China eingelaufen sind, überhaupt transportieren zu können. Wir brauchen zu viel, werfen zu viel weg und leben, als gäbe es kein Morgen.

Vor einem Jahr, als sich die Welt zum ersten Mal in den Lockdown begab, konnte man einen flüchtigen Eindruck von einem anderen Planeten erhaschen. Der Smog in den Großstädten hatte sich verzogen und gab einen blauen Himmel ohne Kondensstreifen frei. Diese sogenannte „Anthropause“ (*) ist vorüber und das Verschmutzungsniveau erreicht bereits wieder Werte wie vor der Pandemie. Wir hören nicht auf, unsere Böden mit immer mehr neuen Supermärkten, Einkaufszentren und dazugehörigen Parkplätzen zu versiegeln, haben auf unseren Straßen immer noch die Diktatur des Autos. In den Straßenbau wurden Milliarden gebuttert, in Fahrradwege gerade einmal ein paar Millionen. Fahrradwege sind ja was für Touristen. Aus diesem Grund findet man sie ja – wenn überhaupt – nur außerhalb von Orten und Städten und wo es sie gibt, werden sie oft und gern von Autofahrern zwecks Abkürzung genutzt. „Die kleinste Großstadt der Welt“ ist, zumindest was den Verkehr anlangt, anderen Großstädten nicht unterlegen. Die Topographie, so heißt es immer wieder, sei für den Radverkehr ungeeignet. In der Vor-E-Bike-Zeit hätte man das ja noch durchgehen lassen können. Jetzt ist es nur noch ein Beweis von Ratlosigkeit. Das Burgenland war übrigens schon in den 50er-Jahren das Land mit den wenigsten Fahrrädern und ist es auch heute noch. Schuld daran sind natürlich nicht die Politiker und die Kommunen, schuld daran sind wir, weil wir es selbst nicht leben und wegen ein paar hundert Meter ins Auto steigen müssen – weil es zu heiß oder zu kalt ist, man zu viel transportieren muss oder was auch immer. Wir machen uns selbst krank und suchen die Ursachen dafür bei Fledermäusen und Gürteltieren. Wir passen einfach nicht gut genug auf unsere Erde auf und die wird eines Tages ganz furchtbar zurückschlagen.

Wenigstens Trump ist weg. Ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont. Aber Biden alleine wird es nicht richten. Wir sollten beginnen, unser eigenes Leben zu überdenken und vielleicht das eine oder andere zu ändern. Gegen Coronamaßnahmen zu demons-trieren, bringt uns nicht weiter. Ohne Masken und Gehirn durch die Gegend zu stolpern und wirren Weltverschwörungstheorien zu lauschen, wird nichts bringen. Ein Virus hat keine Ohren und liebt Maskenlose ganz besonders. Disziplin und Verzicht wäre angesagt und man darf gar nicht dran denken, was los sein wird, wenn man im Sommer ohne Coronaimpfung in kein Flugzeug oder über keine Grenze darf, denn bis dahin ist mit viel Glück vielleicht ein Viertel der Bevölkerung geimpft.

Und bei alledem vergessen wir die Menschlichkeit. Da frieren und erfrieren in unserem reichen Erdteil Menschen. Haben Hunger und Angst vor Verfolgung und Tod und wir schaffen es nicht einmal, eine Handvoll Kinder aufzunehmen.

Zum Abschluss noch eine Bemerkung von Theodore Roosevelt, dem 26sten US-Präsident: „Der Staat verhält sich gut, wenn er die natürlichen Ressourcen als ein Vermögen behandelt, das er der nächsten Generation mit gesteigertem Wert übergeben muss, nicht mit gemindertem.“

Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf!
Ihr Feri Tschank

(*) Der Begriff Anthropause bezieht sich auf eine globale Verringerung der modernen menschlichen Aktivitäten, insbesondere des Reisens und wurde im Juni 2020 von einem Forscherteam in einem Artikel geprägt, in dem die möglichen Auswirkungen der COVID-19-Sperrung auf wild lebende Tiere erörtert wurden.



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