Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Wird es jetzt was mit dem Ausbau der Bahn im Bezirk Oberwart? Landesspitze, Infrastrukturminister und Bezirkschefs sagen ja. Nun müssen aber endlich Taten folgen, von leeren Versprechungen hat die Bevölkerung genug. Dabei geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Politik.
Peter SITAR / 28. August 2018

„Ziel ist die Wiederaufnahme des Personenverkehrs!“ Das sagte Landeshauptmann Hans Niessl im Juli, anlässlich des Kaufes der Bahnstrecke von Oberwart über Rotenturm bis Großpetersdorf, durch die landeseigene Gesellschaft, Verkehrsinfrastruktur Burgenland (VIB).

Worte, die durchaus als politischer Nachlass zu werten sind und die gelernten Südburgenländer in Erstaunen versetzen. Denn als zweiten Schwerpunkt nannte der Landeshauptmann die Wiederherstellung der Bahnverbindung von Oberwart ins ungarische Steinamanger, die Grenzbahn.

Nicht, dass diese Forderung etwas Neues wäre, darüber diskutiert man bereits seit 1989, dem Fall des Eisernen Vorhanges. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges bestand zwischen den beiden Metropolen eine direkte Bahnverbindung.

Wobei die Menschen des Bezirkes Oberwart immer wieder mit leeren Versprechungen hingehalten wurden. Niessl, der seit 2000 Landeshauptmann des Burgenlandes ist, hat sich zu Beginn seiner Amtszeit durchaus für die Bahn im Bezirk Oberwart eingesetzt. Die Verbindungen von Oberwart nach Wien wurden verstärkt und beschleunigt, über 7 Millionen Euro flossen in die Sanierung der Strecke bis Großpetersdorf. Bloß fand hier nie ein regelmäßiger Bahnverkehr statt.

2011 erfolgte dann aber ohne jegliche Not die Einstellung des Personenverkehrs zwischen Oberwart und Friedberg.
Jetzt rudert das Land Burgenland offensichtlich zurück. Mit Hilfe von EU-Millionen soll die Strecke nach Steinamanger realisiert werden. Fraglich ist, wie ernst das alles gemeint ist.

Ein großer Befürworter dieses Projektes ist Infrastrukturminister Norbert Hofer (FP), der darin einen ganz starken Impuls für den Bezirk, aber auch die angrenzenden Regionen in der Steiermark – Hartberg und Friedberg – sieht. Denn mit der „Grenzbahn“ wäre auch die Wechselbahn von Hartberg bis Fehring abgesichert. Zuvor müssen aber die Mühen der Ebene bewältigt werden. So ist immer noch nicht klar, wo künftig die Holzverladung, die bisher am Bahnhof Oberwart erfolgte, abgewickelt werden soll. Im Raum Rotenturm, heißt es seitens der VIB. Hier kommt die Regionalpolitik ins Spiel. Oberwarts Bürgermeister, VP-Landtagsabgeordneter und Bezirkschef Georg Rosner, lässt um 350.000 Euro die Bahnhofstraße generalsanieren. Er kann kein Interesse daran haben, dass dieser Straßenzug vom Schwerverkehr der Holztransporter wieder demoliert wird.

Auch sein politisches Gegenüber, SP-Bezirkschef, Landesrat und voraussichtlich künftiger Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sollte jedes Interesse haben, die Bahnverbindung im Bezirk zu reaktivieren und bis Steinamanger auszubauen. Verzweifelt wird auch an einem Nebenschauplatz gearbeitet, die Bahnstrecke von Oberwart über Bad Tatzmannsdorf bis Oberschützen zu erhalten. Hier wäre es notwendig, dass Oberwart, unter Bürgermeister Georg Rosner, Leadership übernimmt. Bad Tatzmannsdorf und Oberschützen wären dazu bereit. Anfragen im Landtag zu stellen, wird zu wenig sein. Die größte Tourismusgemeinde des Burgenlandes, ohne Bahnanschluss, wäre ein knallender Burgenländer-Witz.

Momentan gibt es ein Zeitfenster für den Bahnausbau im Bezirk Oberwart. Daher wäre es mehr als notwendig, dass Minister, Landesspitze und die Bezirkschefs, über alle Parteigrenzen hinweg, die Ärmel hochkrempeln und aktiv werden. Immerhin geht es um die Glaubwürdigkeit der Herrn Niessl, Hofer, Doskozil und Rosner.


Peter Sitar
Der Oberwarter Peter Sitar arbeitete jahrzehntelang im Medienbereich. Vor allem für den KURIER im Burgenland. Er war Ressortleiter im Printbereich, sammelte aber auch viel Erfahrung beim Aufbau der Online-Berichterstattung. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Politik, Chronik und Wirtschaft. Er ist Preisträger des burgenländischen Journalistenpreises.

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