Der Alltag kommt, der Sex geht

Am Anfang kann es nicht oft genug sein. Die Lust aufeinander scheint unerschöpflich. Der Sex beflügelt. Aber mit der Zeit verliert sich die Begierde und Leidenschaft im Alltag. Doch das kann man ändern!
Silvia Messenlehner
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Sex ist das Intimste, das man mit einem Menschen teilen und ihm geben kann. Sich zu zeigen in der Erregung, in der Lust und in der Leidenschaft ist sehr persönlich. Aber was umfasst der Begriff „Sex“ eigentlich? Betrifft es nur den Geschlechtsakt? Dazu ein klares Nein! Sex ist weit mehr als nur der Koitus! Er betrifft das Spüren, Riechen, Streicheln, Küssen, Schmecken, Berühren, Genießen, die Nähe und Wärme! Sex kann alles sein, das zur sexuellen Erregung führt. Allein oder mit anderen. Mit den Händen, dem Mund, mit Fantasien, Spielzeugen usw.

Zu Beginn einer Beziehung ist alles intensiv und wird meistens auch gut ausgelebt. In der stürmischen Verliebtheitsphase, gibt es ein Riesenbedürfnis nach Nähe, Berührung und Verschmelzung mit dem anderen. Man hat oft und gern Sex miteinander. Alles ist aufregend und neu und feuert die Lust auf die körperliche Begegnung an. Doch dieser wunderbare Zustand hat leider ein Ablaufdatum. Wenn nämlich der Hormonsturm der ersten Verliebtheit vorbei ist und die Beziehung in gefestigten Bahnen dahinplätschert, schwindet die Lust nach Nähe.

Andrea und Wolfgang sind ein langjähriges Paar. Im Alltag sind sie gut aufeinander eingespielt. Auf körperlicher Ebene passiert aber leider schon lange nichts mehr. Kein Sex, keine Zeit füreinander. Statt Zärtlichkeiten gibt es Streit und Abwertungen. Noch haben beide den Wunsch nach Zweisamkeit – und nach sexueller, körperlicher Nähe. Aber sie spüren auch eine Distanz und Hemmschwelle, sich wieder einander anzunähern.

Wie können Andrea und Wolfgang nun wieder mehr Lust aufeinander bekommen?
Ein Allgemeinrezept dafür gibt es leider nicht. Jeder Mensch und jedes Paar braucht eine individuelle Vorgehensweise. Aber eines ist uns allen gemeinsam: Man kann davon ausgehen, dass die Gefühle und Wahrnehmungen, die man selber hat, auch der Partner ähnlich empfindet. Doch man schweigt und erwartet, dass der andere aktiv wird und etwas gegen die Distanz unternimmt. Doch auch der Partner wartet ab und die Missverständnisse und die Distanz zueinander werden nicht weniger, sondern leider immer größer.

Wie kann man die Hemmschwelle überwinden?
Am Miteinander-Reden führt kein Weg vorbei! Sex ist in eine Paarbeziehung eingebunden und steht nie allein für sich. Seien Sie offen Ihrem Partner gegenüber! Das ist ein erster Schritt einander zu sagen und zu zeigen, wie und was man braucht. Reden Sie über die Distanz, die sie wahrnehmen. Sagen Sie, wie Sie sich dabei fühlen.

Um sich dem Partner wieder anzunähern, ist es wichtig, aufmerksam zu sein: Mit einem Kuss oder einer bewussten Umarmung. Kleine Aufmerksamkeiten im Alltag erhalten die körperliche Anziehung.

Erinnern Sie sich mit Ihrem Partner, wie und was zu Beginn der Beziehung gut funktioniert hat. Welche Gemeinsamkeiten gab es? Damit die Lust auf Sex auch wieder kommt, muss sie auf andere Weise neu angefeuert werden. Doch machen Sie nichts nur dem Partner zuliebe, sondern bleiben Sie bei ihren eigenen Bedürfnissen. Zeigen Sie Ihrem Partner, was Sie brauchen, um in Stimmung für Sex zu kommen? Sagen Sie, was Sie sich beim Sex wünschen! Formulieren Sie – egal mit wem Sie reden – Ihre Anliegen immer in „Ich“-Sätzen. Das ist ohnehin eine Grundregel in der täglichen Kommunikation.

Aber stellen Sie sich dann auch folgende Frage: Wissen Sie, was Ihr Partner braucht, um in Stimmung zu kommen, oder was sie/er beim Sex will? Nein? Dann fragen Sie nach! Reden über Sex kann oft Wunder bewirken. Je früher Sie das üben, desto besser.

Kolumne aus Ausgabe 06/2017


Silvia Messenlehner
Silvia Messenlehner ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

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