Die Sache mit den Blumen und Bienen – Teil 2

Sexualität ist Normalität. Es liegt an den Eltern, ihren Kindern eine gesunde sexuelle Entwicklung zu ermöglichen. Kinder fragen nicht, wenn sie im Umfeld keine Anregung erhalten. Kinder fragen nicht, wenn sie sich nicht ausdrücken können. Kinder fragen nicht, wenn sie keine Sprache zu Sexualität erhalten haben.
Silvia MESSENLEHNER / 1. März 2019
Foto: Shutterstock | WAYHOME studio

 

Über Sexualität zu reden, ist für viele Menschen schwierig. Noch schwieriger ist es, wenn es um die kindliche Sexualität geht, denn Kinder sollen „unkörperlich“ sein. Der gesellschaftliche Rahmen ist eng in dieser Hinsicht. Werte und Moralvorstellungen entwickeln sich bei Kindern durch Beobachten der Erwachsenen in der näheren Umgebung. Dabei sind es weniger Worte, eher die Handlungen, die den sexuellen Entwicklungsprozess prägen.

Sexualität ist eine Lebensenergie, ein Bedürfnis, das den Menschen von der Geburt bis zum Tod begleitet. Die Sexualität des Erwachsenen ist eher auf Orgasmus und Befriedigung ausgerichtet. Kindliche Sexualität hat aber nichts mit der Sexualität der Erwachsenen zu tun! Kinder erleben sich ganzheitlicher. Eine Berührung an der Nase ist wie eine Berührung am Penis. Kinder werten noch nicht. Aber es gibt für das Kind sehr wohl einen Unterschied: Am Penis gibt es eine angenehmere Wahrnehmung. Kinder müssen ihren Körper erst entdecken, und dazu gehören auch die Geschlechtsteile.

Wo machen Eltern denn nun die meisten Fehler?

Eltern wollen immer das Beste für ihr Kind, und sie agieren aus ihren eigenen Erfahrungen heraus. Aber sobald sich das Kind bei seinem Geschlecht berührt (ein normaler Entwicklungsprozess!), ermahnen sie es mit erhobenem Zeigefinger und blockieren es in seinem Entwicklungsprozess. Ein Beispiel: Die Großeltern sind zu Besuch, und der Sprössling berührt sich an seinem Geschlecht oder beginnt daran zu reiben. Verbieten Sie dem Kind nicht, seinen Körper zu erforschen, sondern bieten Sie ihm einen anderen Rahmen dafür an – z.B. das Kinderzimmer. Es lernt dabei auch, sich selber zu schützen und dass es einen Schatz hat, den es nicht jedem zeigt. Kinder, die übermäßig explorieren, weisen meist eine hohe Anspannung auf. Tipp: Bringen Sie ihr Kind in Bewegung – durch Trampolin springen, hüpfen, schaukeln, klatschen, etc.

Oftmals werden Kinder auch mit Information überfordert, wenn sie Fragen zum Thema Sex stellen. Die Eltern meinen es damit einfach zu gut.
Eine grundsätzliche Formel, die Sie in allen Bereichen anwenden können: Fragen Sie zurück, was Ihr Kind denn genau wissen will und geben Sie konkret darauf Antwort – nicht mehr.

Wichtig ist auch, dass Sie als Elternteil Ihre eigenen Grenzen achten und setzen. Ihr Körper gehört Ihnen und nicht Ihrem 6-jährigen Sprössling, der den Busen der Mama grapschen will. Eine Frage, die bei vielen Eltern auftritt ist: Was soll ich tun, wenn mich mein Kind an meinen Geschlechtsteilen berührt? Ein Beispiel: Das Kleinkind berührt beim Baden den Penis des Papas, er bekommt eine Erektion, die ihm äußerst unangenehm ist. Er vermeidet zukünftig das Baden mit seinem Kind, aus Angst wieder eine Erektion zu bekommen. Dabei gibt es dafür eine einfache Erklärung: Der Erregungsreflex wird nämlich unwillkürlich auch durch eine Berührung ausgelöst. Sagen Sie dem Kind ganz klar, dass es Ihr Penis ist und Sie nicht möchten, dass es Sie berührt. Somit zeigen Sie Grenzen auf. Dabei können Sie auch gleich darauf hinweisen, dass Ihr Kind selber auch darauf achten soll, wer es wo berührt. Einem gemeinsamen Bad steht nichts im Weg.

Eltern dürfen Sex haben

Der Elternsex geht Kinder nichts an. Viele Paare, die Eltern werden, vergessen auf ihre eigenen Bedürfnisse oder haben auch Angst, Sex zu haben, da der Sprössling das mitbekommen könnte.

Hier ein paar Tipps:

• Sex „gehört“ den Eltern – Sie dürfen Sex haben, auch wenn das Kind im Nebenzimmer schläft.
• Das Kind darf nicht in den Sex der Eltern integriert werden. Das bedeutet auch, dass keine sexuellen Handlungen vor dem Kind stattfinden dürfen!
• Ihr Kind überrascht Sie beim Sex oder hört Sie: Keine Panik – meistens bekommen Kinder das gar nicht mit, weil sie auf sich selbst sehr bezogen sind.
• Antworten Sie nur bei aufkommenden Fragen.
• Bleiben Sie locker und authentisch.

Ein paar wichtige Grundlagen:

• Kennen Sie Ihren Körper oder gibt es Grenzen, die Sie sich nicht erlauben?
• Gibt es einen inneren erhobenen Zeigefinger? Haben Sie Kenntnisse über Ihren Körper?
• Sind Sie sich Ihrer eigenen Weiblichkeit /Männlichkeit bewusst?
• Haben Sie eine stabile Haltung in Bezug auf Ihren Körper und Ihre Sexualität? Ihr Kind beobachtet Sie und lernt von Ihrem Verhalten.
• Nackt sein dürfen – den Körper spüren und wahrnehmen, ist für das Kind wichtig. Also, so oft wie möglich die Windelhose weglassen!
• Benennen Sie beim Wickeln die Geschlechtsteile des Kindes.
• Wenn Ihr Kind etwas fragt, schütten Sie es nicht mit Antworten zu, sondern fragen Sie konkret, was es wissen will.
• Setzen Sie eigene Grenzen und achten und respektieren Sie die Ihres Kindes.
• Akzeptieren Sie Ihr Kind als sexuelles Wesen, das sich entdecken darf.

Es liegt in der Verantwortung der Eltern, für ausreichenden Schutz und die Wahrung der Grenzen zu sorgen und auch genügend Freiraum zu schaffen, um kindliche und sinnliche-körperliche Entwicklung möglich zu machen.

beratung@silviamessenlehner.at
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