Eltern werden – ein Liebespaar bleiben – Teil 1

Die Nachricht, Eltern zu werden, stürzt ein Liebespaar meist in ein Gefühlschaos. Nichts bleibt wie es ist. Auch nicht der Sex. Definieren Sie sich als Paar neu, das fördert Freude statt Frust.
Silvia MESSENLEHNER / 28. Oktober 2021

Eltern werden verändert alles, vor allem die Partnerschaft. Die bestehende Liebesbeziehung wird erweitert auf eine zusätzliche Ebene – der Elternbeziehung. Da ist auf einmal ein kleiner Mensch, dem man jederzeit gerecht werden will und der im Mittelpunkt steht. Die Ansprüche ans Elternsein sind in der heutigen Zeit sehr hoch. Eltern sind bemüht, alles richtig zu machen und gehen in der neuen Rolle komplett auf. Hier liegt die große Gefahr, sich als Liebespaar aus den Augen zu verlieren. Bei manchen Paaren schleicht sich das unbemerkt ein und kann Jahre andauern. Sex wird unbewusst zur Nebensache.

Sex in der Schwangerschaft

So manche Paare hören in der Schwangerschaft auf, sexuell aktiv zu sein. ,,Das Baby soll den Penis nicht sehen.“ Oder: ,,Ich stoße mit dem Penis das Baby an“, das alles höre ich immer wieder von werdenden Eltern. Fakt ist: Der Uterus ist durch den Muttermund verschlossen, somit kann das Baby den Penis nicht „sehen“ – es liegt wohlig und warm in der Plazenta und weiß noch von nichts.

Immer wieder höre ich auch, dass Sex in der Schwangerschaft ungesund sei. Das Gegenteil ist der Fall! Sex dient auch der Entspannung. Der Orgasmus setzt Glückshormone frei. Und der Orgasmus kann, wenn es so weit ist, die Wehen auslösen.

Manche Schwangere fühlt sich unattraktiv oder der Partner entwickelt Hemmungen gegenüber dem sich verändernden Körper der Frau. Katrin erlebte es. Ab Beginn der Schwangerschaft vermied ihr Partner jeglichen körperlichen Kontakt. Er fand sie nicht mehr begehrenswert. Auch nach der Schwangerschaft und noch Monate später wollte er sie noch immer nicht berühren. Das tut weh. Anstatt sich über das Elternglück und den Nachwuchs zu freuen, befinden sich die beiden in einer Beziehungskrise. Zu erkennen: „Ja, wir stecken fest”, ist ein erster Schritt in Richtung Lösung. Vom Nichthinschauen wird es nicht besser. Hier brauchte es professionelle Unterstützung.
Zum besseren Verständnis ein kurzer Blick auf die Vorgänge bei der Schwangeren:

Das Mutterhormon

Die Mutter ist für ein Kind die erste und wichtigste Bezugsperson. Sie gibt ihm Zuwendung, Schutz, Nahrung und sichert sein Überleben, aber auch seine geistige Entwicklung. Mütter kümmern sich selbstlos um ihre Kinder. Mutterliebe entwickelt eine enorme Kraft. Den Anstoß für die Entstehung der Mutterliebe gibt ein Hormoncocktail, der ziemlich berauschend wirkt  – und zwar schon während der Schwangerschaft. Während der Geburt schüttet der Körper der Mutter dann einerseits Endorphine aus, die ähnlich wie Morphin schmerzlindernd wirken und eine Art Rausch auslösen, weshalb die Wehenschmerzen oft sofort nach der Geburt vergessen sind. Andererseits werden bei der Geburt und beim Stillen verstärkt „Liebeshormone“ wie das Wehenhormon Oxytocin – das gleichzeitig als Bindungshormon fungiert – und das Milchbildungshormon Prolaktin produziert. Sie fördern den Wunsch, sich einem geliebten Mensch gegenüber selbstlos zu verhalten und vermitteln Glück und Geborgenheit, wenn wir mit ihm zusammen sind.
Babys verfügen von Anfang an über angeborene, instinktive „Fähigkeiten“, die das Fürsorgeverhalten ihrer Betreuungspersonen verstärken: ihr herziges Aussehen, ihr Lächeln – aber auch ihr Schreien.
Babys brauchen viel Nähe und Wärme und das sollen sie auch bekommen. Insbesondere von der Mutter. Da bleibt für den Partner oft wenig übrig. Aber wenn sich Eltern das bewusst machen, schafft das Frieden. Bedenken Sie, diese Zeit geht vorbei und es ist schade, sie nicht gemeinsam zu genießen. Beide sind gefragt, Mutter und Vater.

Wie Sie als Liebespaar gut durch die Elternzeit kommen, lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


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