Erregung durch Berührung

Was ist Erregung? Wie kommt es dazu? Und können wir sie beeinflussen? Die Erregung ist ein solch umfangreiches und breites Thema, das viele Fragen, aber auch viele Möglichkeiten aufwirft. Wer sich darauf einlässt, beginnt eine Reise mit allen Sinnen.
Silvia MESSENLEHNER / 28. November 2019

 

Als Sexualtherapeutin stelle ich immer wieder fest, dass ein Großteil meiner Klientinnen und Klienten mit Fragen rund um die Erregung konfrontiert ist. Die Probleme, die dabei auftreten, können umfassend sein und reichen von Orgasmus- und Erektionsstörungen bis hin zu Schmerzen beim Sex.

Im Zuge dieser Serie will ich versuchen, Bewusstsein für den Erregungszustand zu schaffen, denn sexuelle Erregung kann gesteigert werden. Dazu muss man allerdings wissen, dass die Erregung auf einer körperlichen und einer emotionalen Ebene basiert. Um sie zu steigern, können auf der körperlichen Ebene verschiedene Techniken eingesetzt werden. Es geht dabei um den Einsatz von Fantasien, der Berührung an allen möglichen Körperstellen, die Bewegung, die Muskelspannung, den Rhythmus bis hin zur Atmung.

Fünf solcher Erregungs-Modi gibt es, bei denen Körperstellen auf unterschiedliche Weise stimuliert werden, wodurch der Erregungs-Reflex ausgelöst wird. Und meine Botschaft gleich vorweg: Wer über diese Techniken Bescheid weiß, hat die Möglichkeit, seinen Erregungs-Spielraum zu vergrößern. Sehen wir uns diesmal also den „mechanischen Modus“ etwas genauer an.

Durch steigernde Berührung zum Orgasmus

Kurz zusammengefasst, geht es darum, dass es durch eine bestimmte Art der Berührung zum Orgasmus kommt. Bei diesem technischen Modus geht es vor allem um ein rhythmisches Reiben direkt am Penis bzw. der Klitoris. Diese Bewegung passiert schnell und mechanisch. Je höher die Erregung, umso rascher wird das Reiben beschleunigt. Der Körper hält dabei meist still und geht auch oft in einen hohen Anspannungsmodus. Die Atmung ist eingeengt, und der Fokus liegt auf der Entladung.

Die Vorteile dieser Technik

Die Wahrnehmung ist am Geschlecht. Der Körper meist eher unbewegt und angespannt. Die Bewegungen sind schnell und automatisch. Jeder weiß ganz genau, wie er den Erregungszustand schnell aufbauen und auch schnell entladen kann. Die Wahrnehmung beruht auf Oberflächenrezeptoren, aber wenige werden tatsächlich genutzt. Dieser Modus führt sehr schnell zum Orgasmus.

Grenzen und mögliche Probleme

Durch die muskuläre Anspannung im Becken und Rücken entstehen die typischen Rein-Raus-Bewegungen, welche für die Frau oft wenig stimulierend sind. Die sexuelle Lust ist begrenzt. Wenn die Frau diesen mechanischen Modus gewohnt ist und regelmäßig anwendet (meist in der Selbstbefriedigung), erlebt sie den Geschlechtsverkehr mit dem Partner dann oft wenig lustvoll und benötigt meist zusätzlich eine Stimulation der Klitoris, die der Partner aber selten beherrscht.
Beim Mann wiederum führt die hohe Muskelspannung im Beckenboden dazu, dass er rasch zur Entladung kommt, diese aber auch nicht steuern kann (auch Erektionsstörungen möglich).

Jeder hat sich seit Kindheit weg seine eigene Technik bzw. seinen eigenen Erregungs-Modus angeeignet. Es geht nicht um besser oder schlechter, sondern vielmehr darum, wie man seinen Körper einsetzen kann, um ans Ziel zu kommen. Ich möchte Sie dazu ermutigen, neue Techniken auszuprobieren und kennenzulernen, um Ihre Möglichkeiten der sexuellen Erregung zu erweitern.

Die einfache punktuelle Stimulierung des Geschlechts, wie sie hier beschrieben wurde, ohne Einsatz des Körpers ist sicherlich ein lustvolles Erleben, das zur Entladung führt. Aber die Aktivierung anderer Rezeptoren des Körpers, der Einsatz der Atmung, der Bewegung des Körpers führt im Sex mit dem Partner zu einer erfüllenden lustvollen Reise. Dazu mehr in der nächsten Ausgabe.


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