Reden fördert guten Sex

Es ist nie leicht zu sagen, was man sich wünscht. Schon gar nicht, wenn es um Sex geht. Die Scheu, über die eigenen Bedürfnisse zu reden, führt oft zu ungestillten Sehnsüchten und enttäuschten Erwartungen. Dabei lohnt es sich, sich zu öffnen - Sie können nur gewinnen!
Silvia Messenlehner
Foto: Vadim Guzhua/fotolia.com

Ja, es gibt sie – die glücklichen, zufriedenen Paare. Die sich nach vielen Beziehungsjahren noch immer anziehend und begehrlich erleben und immer lustvollen Sex haben. Ich habe viele von ihnen dazu befragt, was denn ihr Geheimnis ist und wie es ihnen gelingt, so viele Jahre miteinander zu verbringen. Es kommt fast immer dieselbe Antwort:
In erster Linie sind es Respekt, Liebe und Wertschätzung, Vertrauen und Anerkennung. Sie verbringen Zeit gemeinsam, aber auch jeder für sich. Und sie sind einander gegenüber aufmerksam und hilfsbereit. Und natürlich spielt auch die Kommunikation eine große Rolle. Das Reden über die eigene Befindlichkeit, die Bedürfnisse und Wünsche. Für die meisten ist das einer der wichtigsten Aspekte. Leider ist die Kommunikation aber auch gleichzeitig das größte Hindernis bei vielen Paaren. Es ist so, als würden beide eine Fremdsprache sprechen. Botschaften werden ausgesendet – aber leider viel zu oft missverstanden. Und genau diese Missverständnisse bringen die Beziehung in ein Dilemma.
Oft wird gar nicht miteinander gesprochen. Dinge werden ignoriert oder verdrängt, bis sich eine tiefe Sprachlosigkeit breitmacht. Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte werden meistens nicht ausgesprochen. Und der Sex? Der ist meistens auch nicht mehr vorhanden. Oder es gibt Pflichtsex, der irgendwann zur Frustration führt. Unausgesprochene Erwartungen führen oft auch zum Verweigern von Sex. Man bestraft den Partner, indem man ihm den Sex entzieht. Die Folge sind verbale Abwertungen – oft auch in der Öffentlichkeit.

Reden führt zur Lust
Egon und Margit sind ein liebevolles Paar, das sehr respektvoll miteinander umgeht. Sie sind sehr innig miteinander, es gibt Umarmungen und Streicheleinheiten. Aber Margit hat keine Lust auf Sex – und das, obwohl sie eigentlich eine leicht erregbare Frau ist. Sie würde gerne über ihre Bedürfnisse reden. Egon versteht jedoch nicht, warum das Reden so wichtig ist. Er umgeht die Kommunikation geschickt und die beiden kommen immer wieder an einen Punkt, wo sich Sprachlosigkeit breitmacht.

Was Egon nicht weiß: Seine Sprachlosigkeit wirkt sich auf die sexuelle Anziehung aus. Niemand kann wissen, was der Partner erwartet. Was er sich beim Sex wünscht. Das ist aber wichtig, denn wenn die Erwartung nicht erfüllt wird, macht sich die Enttäuschung breit. Die Fragen, die Sie sich stellen sollten, sind: Was wünsche ich mir und sage ich das auch meinem Partner? Kenne ich im Gegenzug seine Wünsche und gebe ich ihm das, was er sich erwartet?
Reden Sie miteinander! Dadurch entsteht Vertrauen und Intimität und dadurch steigt auch die Lust. Erst, wenn man ein Thema an- und ausspricht, ist Entwicklung möglich.
Eine gute Liebes- und Sexbeziehung braucht die Aktivität beider Partner und Sie beide sind für eine gute Beziehung verantwortlich.

Mein Tipp
Nehmen Sie sich bewusst Zeit für ein Gespräch. Schaffen Sie einen eigenen Kommunikationsraum dafür – nicht im Bett!
Reden Sie respektvoll und wertschätzend und in der ICH-Form miteinander.
Beachten Sie folgende Regel: Einer spricht, der andere hört zu. Fragen stellen Sie erst anschließend.

Und vergessen Sie nicht: Beziehung passiert nicht von alleine. Sie müssen sie gestalten!

Kolumne aus Ausgabe 04/2018


Silvia Messenlehner
Silvia Messenlehner ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

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