„Schatz, wir brauchen eine Therapie“

Beziehungskrisen sind für beide Partner belastend. Jeder leidet still vor sich hin. Die gegenseitigen Anfeindungen und Vorwürfe werden immer schlimmer. Der Gedanke an eine Paartherapie kommt auf. Doch viele scheuen sich davor, sich einem Fremden zu öffnen und haben auch falsche Vorstellungen. Damit räumen wir auf.
Silvia MESSENLEHNER / 02. Jänner 2019
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Wann ist es ratsam, eine Paartherapie zu machen?

Vereinfacht gesagt: Meistens dann, wenn die eigenen Lösungsstrategien nicht wirksam sind. Wenn die Probleme überhand nehmen und sich ein Gefühl der Hilflosigkeit und Lähmung breitmacht. Wenn Kränkungen an der Tagesordnung stehen und man sich die Frage stellt: Wie soll es weitergehen?

In solchen Situationen kann eine Paarberatung helfen, den eigentlichen Ursachen auf den Grund zu gehen und einen Blick auf die Gesamtheit der Beziehung zu werfen.

Bringt es etwas, wenn ein Partner eine Therapie will, der andere aber nicht?

Das ist sicher sinnvoll. Es bietet die Möglichkeit einmal alleine darüber zu reden und zu reflektieren und Lösungen zu definieren. Diese nimmt man nämlich in die Beziehung mit hinein. Wenn man sich oder eine Situation verändert, wirkt sich das auch auf den Menschen an seiner Seite aus.

Der Partner wird die Veränderung auch merken! Und es gibt immer die Möglichkeit, dass er ab einem späteren Zeitpunkt zu den Sitzungen dazukommt.

Viele kommen ja mit dem Wunsch, dass sich der Partner bzw. die Partnerin ändern muss. Was raten Sie diesen Klienten?

Eine Paarberatung ist keine Reparaturwerkstätte, in der man seine alte Beziehung abgibt und eine neue bekommt.

Sie ist auch keine Reparaturwerkstätte für den jeweils anderen Partner. Es geht niemals darum, den Partner zu verändern. Beide Beteiligten sollten aktiv an dem Beziehungsproblem arbeiten, um die Beziehung so zu verändern, wie BEIDE es wollen. Wichtig ist auch, aus der Schuldfrage auszusteigen.

Niemand hat Schuld, beide haben zur Situation beigetragen. Das Problem des einen ist auch das Problem des anderen!

Was ist das Ziel einer Paartherapie?

In Sitzungen von eineinhalb Stunden haben beide Partner – unter Anleitung des Therapeuten bzw. der Therapeutin – genügend Zeit und Raum, ihre Anliegen in Ruhe zu formulieren. Dies passiert unter anderem durch Kommunikationsregeln, die für einen geschützten und wertschätzenden Rahmen sorgen.

Es geht um das ICH, das DU und das WIR. Es geht in der Paartherapie nie um die Wiederherstellung eines früheren Zustandes, auch wenn sich viele Paare das wünschen. Es geht um Weiterentwicklung.

So können Beziehungskrisen bewältigt werden. Das öffnet den Weg zu einem neuen Miteinander. Das Ziel ist immer auch, ein gemeinsames Ziel zu definieren.

Wie oft sollte man zum Therapeuten gehen?

Eine erfolgreiche Paarberatung braucht einmal als Grundvoraussetzung die Bereitschaft und den Willen BEIDER Parteien. Nur dann kann das gemeinsam Definierte erreicht werden! Ablauf und Intensität richten sich nach dem Anliegen der Beteiligten und dem gemeinsam definierten Ziel. Es geht auch darum, dass das Paar sich unter Anleitung und mit Unterstützung eines Therapeuten auf einen gemeinsamen Suchprozess einlässt.

Das Problem muss erfasst und verstanden werden, um dann angemessene Lösungsschritte zu erarbeiten. Da gibt es keine konkrete Zeitangabe.

Was ist der erste wichtige Schritt, den man setzen kann, um aus der Beziehungskrise zu kommen?

Der Mensch hat ein unheimliches Sicherheitsbedürfnis. Es braucht Mut und Kraft, ehrlich hinzusehen und Gefühle auch an- und auszusprechen. Seien Sie mutig und sprechen Sie bewusst und ehrlich mit Ihrem Partner über Ihre Ängste und über die Probleme, die Sie in der Beziehung haben. Aber machen Sie keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen!

Die Auseinandersetzung mit dem Beziehungsproblem führt zu einem Wandlungsprozess. Die Beziehung entwickelt sich weiter und kann verschiedene Ebenen erreichen. Sie wird zwar nicht mehr „die alte“. Ihre Beziehung wird anders – und vielleicht auch besser, tiefer und inniger werden, als sie war. Das ist die Chance auf ein erfülltes Leben zu zweit. Und wenn noch ein Funken an Liebe da ist, zahlt es sich immer aus zu investieren.


Silvia Messenlehner
ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

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