Seitensprung! Ende oder Chance

Fremdgehen! Männer tun es - Frauen ebenso. Natürlich spielt der Sex dabei eine große Rolle. Aber nicht immer geht es nur darum. Die Gründe sind oft komplexer und erfordern Mut von den Betroffenen, genauer hinzusehen. Und nicht immer muss es das Ende einer Ehe bedeuten.
Silvia MESSENLEHNER / 31. Oktober 2018
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Fritz ist ein notorischer Fremdgeher. Er meint, mit seiner Ehe hat es nichts zu tun. Er liebe seine fleißige Frau, die es nicht verdient, verlassen zu werden. Sie haben sich ein gemeinsames Leben mit Kindern aufgebaut. Er arbeitet viel und belohnt sich mit Sex mit anderen Frauen. Da diese selbst in festen Beziehungen leben, gibt es auch keine Ansprüche. Gleich vorweg: Fremdgehen ist nicht gleich Fremdgehen. Nicht immer steht der Sex – wie bei Fritz – im Vordergrund. Die Gründe sind viel komplexer und tiefgründiger.

Fremdgehen als Ausdruck einer Beziehungskrise?

Elfriede lebte in einem gesicherten sozialen Umfeld. Aber trotzdem war sie unglücklich. Sie konnte es aber nicht benennen. Der Sex, das Begehren und die Aufmerksamkeit in der Ehe waren für sie unbefriedigend. Sie hatte wechselnde Sexpartner. Vor sich selber rechtfertigte sie die außerehelichen Beziehungen als Ausgleich zu dem, was sie Zuhause nicht bekam: Lust, Leidenschaft und das Gefühl der Verliebtheit. Sie war unglücklich und suchte deshalb Trost im Sex mit anderen Männern. Ein Seitensprung ist oft Medizin für die Seele und befriedigt unbewusst die Sehnsucht und Bedürfnisse.
Aber Elfriede musste sich schließlich eingestehen, dass diese Kontakte unbefriedigend waren und ihr Problem nicht lösten. Erst als sie genauer hinsah, erkannte sie, wie belastend ihre Ehe für sie war und dass es enorme Schieflagen gab. Für sie und ihren Mann gab es keine Gesprächsbasis mehr und auch keine Bereitschaft, daran zu arbeiten. In diesem Fall war die Trennung die Chance für beide auf etwas Neues.

Feuer und Flamme

Der Mensch sucht das Gefühl des Begehrens, der Verliebtheit, das Liebesgeflüster, das Geheime, den neuen Anreiz. Das verliert sich in einer längeren Beziehung leider. Deshalb muss daran immer wieder bewusst und aktiv investiert werden. Bedenken Sie, dass auch eine neue Beziehung irgendwann die Spannung verliert.
So wie bei Gerhard. Er trennte sich von seiner Frau, stellte die neue Partnerin in den Vordergrund – auch vor seine Kinder. Aber nach zwei Jahren war auch das zu Ende. Eine süße Pille mit bitterem Ende. Gerhard ist ein ewig Suchender nach der Spannung und dem Knistern in seinem Leben. Würde er in seine aktuelle Beziehung investieren, könnte er diese Suche aufgeben und eine erfüllende Beziehung führen – sofern es noch ein Fundament gibt, auf das man aufbauen kann. Elfriede und Gerhard zeigen nur zwei Beispiele der unendlich vielen Gründe für das Fremdgehen auf.

Nicht gleich trennen

Ist ein Seitensprung gleich das Ende einer Beziehung? Bei vielen Paaren ist es ein unverzeihlicher Fehltritt. Besonders dann, wenn es nicht nur um Sex geht, sondern wenn daraus eine Beziehung entstanden ist.
Aber es muss nicht immer das Ende einer Ehe oder Lebensgemeinschaft bedeuten. Viele Paare kommen in die Paarberatung und wollen, dass es wieder so wird wie früher. Meine Antwort: Wie früher wird es nicht, aber es kann anders werden – vielleicht sogar besser als vorher. In jedem Fall kann es eine Chance sein, sich als Paar neu zu definieren. Das braucht aber eine klare Entscheidung für den anderen – und das Schließen aller anderen Türen.

Beziehung bedeutet Investieren und das kann auch mitunter mühevoll sein, denn das Hinsehen löst Angst und Unsicherheit aus. Aber es bedeutet auch, die Chance zu haben, etwas aktiv verändern zu können. Denken Sie immer daran: Wenn Sie sich in der Beziehung schlecht fühlen, können Sie davon ausgehen, dass es Ihrem Partner/Ihrer Partnerin nicht besser geht. Die Lösung kann also nur lauten: Reden Sie miteinander und nehmen Sie sich dafür bewusst Zeit!

Anregungen für ein Gespräch miteinander

Stellen Sie sich und Ihrem Partner/Ihrer Partnerin folgende Fragen:
Wie fühlen Sie sich in Ihrer Paarbeziehung?
Was finden Sie anziehend, erotisch an dem Menschen an Ihrer Seite – und vor allem: weiß er/sie das auch?
Sprechen Sie über Ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse?
Reden Sie überhaupt über Sex und über Ihre Beziehung?
Was wünschen Sie sich ?
Hören Sie Ihrem Partner zu und kennen Sie seine/ihre Wünsche und Bedürfnisse?
Fragen Sie danach?

Eine Beziehung muss leben! Paare müssen miteinander „spielen“, und es braucht das aktive Miteinander von beiden.
Seien Sie mutig und reden Sie mit Ihrem Partner, wenn Sie sich unzufrieden in der Beziehung fühlen. Jede Reaktion ist besser als Schweigen.


Silvia Messenlehner
ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

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