Sex beginnt auch im Kopf

Erektionsstörungen, Orgasmusschwierigkeiten, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr - der Grund dafür liegt oftmals in unserer Einstellung zur Sexualität. Doch das kann man ändern.
Silvia Messenlehner
Foto: deagreez/fotolia.com

Leopold und Kerstin (50) haben sexuelle Probleme. Organisch ist bei beiden alles in Ordnung. Die Ursache liegt auf einer anderen Ebene. Er meint, sie ist in einem Familiensystem aufgewachsen, in dem Sex ein Tabuthema war. Gespräche darüber blockiert sie. Leopold ist davon überzeugt, dass sich ihr Problem im Kopf abspielt. Damit hat er zum Teil recht. Aber was genau passiert da im Kopf?
Alles was wir glauben und denken, steuert automatisch unsere Handlungen und Einstellungen. Sie können förderlich, aber auch hinderlich sein.

Die ersten Prägungen passieren in der Familie. Für die sexuelle Entwicklung ist entscheidend, welche Werte, Bilder und Normen in puncto Sexualität vermittelt wurden. Überlegen Sie mal: War „das da unten“, ein Tabubereich und ist vielleicht auch noch als „schmutzig und unrein“ bezeichnet worden? Diese Einstellung kann auch Ihren weiteren Umgang mit der Sexualität beeinflussen – auch noch mit 50.

Kehren wir zurück zu Kerstin. Ihre Anorgasmie (kein Orgasmuserleben) ist das Symptom. Würden wir bei ihr die Ursachen evaluieren, um eine Lösung zu finden, müssten wir uns ihren sexuellen Entwicklungsprozess ansehen.
Was denkt sie über Sex? Hat sie Ängste und innere Verbote im Zusammenhang mit dem Erleben und Genießen der Sexualität? Was weiß sie über ihren Körper?
Für die Lösung ihrer sexuellen Probleme sind neben körperlichen Komponenten auch ihre Ideologien, Werte, Normen und Glaubenssysteme entscheidend. Würde sich Kerstin diese ansehen, gäbe es für sie einen Entwicklungsschritt. Auch auf der Beziehungsebene wäre dann vieles möglich.

Und die Moral von der G‘schicht…
Erektionsstörungen, Orgasmusschwierigkeiten und andere Symptome nur durch Potenzmittel zu lösen, löst die Ursache des Problems nicht.
Die Lösung liegt in der Erforschung der Ursache. Wer diese erkennt, kann daran arbeiten. Stellen Sie sich Ihrem moralischen Zeigefinger, dann können Sie auch einen Zugang zu Ihrem Körper und somit zu einem lustvollen Sex finden.

Wie sieht es denn mit Ihren eigenen Wertvorstellungen, Bildern und Normen aus? Schreiben Sie mir über Ihre Erfahrungen.

Kolumne aus Ausgabe 08/2017


Silvia Messenlehner
Silvia Messenlehner ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

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