Viele Wege zur Erregung

Sie erinnern sich? In der letzten Ausgabe habe ich die unterschiedlichen Erregungs-Modi kurz aufgezählt. Auf diese wollen wir nun ab dieser Ausgabe etwas genauer eingehen. Fünf Techniken gibt es. Der volle Körpereinsatz gilt als besonders intensives Erlebnis. Wer auch immer seine Technik dorthin erweitern will, kann es.
Silvia MESSENLEHNER / 30. Oktober 2019
Foto: Shutterstock 654826063

 

Es gibt also ganz typische Techniken, die eingesetzt werden, um die sexuelle Erregung zu steigern. Sexuelle Erregung findet auf zwei Ebenen statt: der emotionalen und der körperlichen. Die körperliche ist eigentlich ein Reflex und kann bis zu einem Höhepunkt gesteigert werden.

Ausgelöst wird sexuelle Erregung durch Erregungsquellen – alle Arten von Berührungen an allen möglichen Körperstellen. Dazu gehört das Spiel mit den Muskeln, mit der Bewegung und mit der Atmung, mit variablen Rhythmen. Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten dazu entwickelt. Dadurch steigert sich die sexuelle Erregung bis zu einem Höhepunkt. Der Orgasmus-Reflex wird ausgelöst.

Übrigens: Manche Menschen sind erstaunt über ihre sexuellen Fantasien und meinen, dass sie diese in der Realität gar nicht ausleben wollen. Ich kann Sie beruhigen. Die sexuellen Fantasien sind meistens keine Bedürfnisse. Insbesondere in den ersten beiden Erregungs-Techniken entstehen diese durch die hohe Anspannung im Körper. Sehen wir uns nun also die erste Technik etwas genauer an:

Der Anspannungs-Modus

Das ist eine sehr schnelle Methode der sexuellen Erregung. Der Körper bewegt sich dabei nicht. Oft wird großer Druck auf das Geschlecht punktuell mit einem Kissen zwischen den Beinen oder durch Reiben auf einem Gegenstand, kreuzen der Beine uvm. ausgeübt. Durch diesen hohen Tonus werden die Tiefenrezeptoren des Gewebes angesprochen, die auf Druck reagieren, und eine Entladung wird ausgelöst. Dieser Erregungs-Modus wird in der Selbstbefriedigung gerne praktiziert, da er schnell sexuelle Befriedigung verschafft.

Helene kommt sehr schnell zum Höhepunkt. Sie holt sich gedanklich eine Fantasie herbei. Meistens wird dieser Modus von Fantasien unterstützt, in denen es hart und heftig zugeht. Dann kreuzt sie ihre Beine übereinander, spannt sie fest an, presst sie zusammen. Mit der Hand drückt sie auch manchmal auf den Unterbauch oder das Geschlecht, aber es geht auch nur mit der hohen Anspannung. Auch hält sie unbewusst die Atmung an, wenn sie dem Höhepunkt zusteuert. Durch diese hohe Muskelspannung und den Druck aktiviert sie ihre inneren Rezeptoren zur Erregungssteigerung und kann dadurch einen Orgasmus erlangen.

Das ist eine typische Technik, die eher Frauen einsetzen. Männer klemmen meist den Penis zwischen die Oberschenkel oder gegen einen anderen Gegenstand. Es ist immer ein intensives Pressen und Drücken.

Die Vorteile dieser Technik

Muskelspannung, Beckenbodenanspannung sind sehr erregend. Dadurch kann die Erregung sehr rasch bis zu einem Höhepunkt gesteigert werden. Das ist unkompliziert. Man muss sich dafür nicht einmal ausziehen und kann es sogar überall machen. Durch Muskelspannung und Druck werden Nervenendigungen in den Muskeln im Beckenbodenbereich stimuliert. Je öfter sie stimuliert werden, desto besser lernt das Gehirn, das als erregend zu erleben. Und wenn dies immer praktiziert wird, ist es im sensomotorischen Gehirn gut abgespeichert.

Die Grenzen und mögliche Probleme dieser Technik

Dieser Erregungs-Modus hat seine Grenzen in dem PartnerSex. Wenn nur diese Art der Erregungs-Steigerung bekannt ist, ist er nicht besonders Partner-kompatibel, da es kein lustvolles Erleben des Geschlechtsverkehrs gibt. Es kann sein, dass die Erregung bis zum Orgasmus wegen der Muskelarbeit als anstrengend erlebt wird und nur eine bestimmte Stellung – ein Reiben der Klitoris am Penis – möglich ist. Der Partner-Sex (Penetration) ist nicht befriedigend. Hohe Muskelspannung bedient auch eine hohe Beckenbodenspannung und kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und anderen Problemen in der Paarsexualität führen.

Beim Mann können Ejakulationsprobleme bestehen und Erektionsprobleme beim Geschlechtsverkehr. Die sexuelle Lust ist bei beiden eingeschränkt.

In meiner Praxis empfehle ich KlientInnen, die sich in diesem Anspannungs-Modus selbstbefriedigen, auch andere Körper-Stimulationen (Berührung anderer Körperteile, Bewegung, usw.) auszuprobieren. Damit erweitern sie ihr sexuelles Repertoire.


Silvia Messenlehner
ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin.

beratung@silviamessenlehner.at
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