Was Ihr Beckenboden und Ihr Kiefer mit Sex zu tun haben

Lust auf besseren Sex? Dazu braucht es einen flexiblen Beckenboden. Aber auch der Kiefer spielt eine wichtige Rolle beim Lustempfinden.
Silvia Messenlehner
Foto: Andriy Bezuglov/fotolia.com

Die Beckenbodenmuskulatur ist an der sexuellen Erregung beteiligt!
Jeder Mensch hat ihn – den Beckenbodenmuskel – und trotzdem wissen die wenigsten, wozu er gut ist und wie man ihn bewusst einsetzt.

Welche Aufgaben erfüllt nun der Beckenboden?
Er verschließt das Becken nach unten, stützt die inneren Organe und ermöglicht so unsere aufrechte Haltung. Er sorgt unwillkürlich dafür, dass die Schließmuskeln von Blase und Darm funktionieren – und trägt zu einer lustvollen Sexualität bei.
Durch bewusstes Training hält er vielen Belastungen stand und bleibt ein Leben lang stabil.

In der Sexualität spielt die Beckenbodenmuskulatur eine wichtige Rolle. Gut durchblutete, aktive Muskeln steigern die Empfindsamkeit.
Bei der Frau regulieren die Beckenbodenmuskeln die Weite der Scheide. Durch bewusstes Anspannen und Lockerlassen lässt sie sich während des Geschlechtsverkehrs verengen oder entspannen. Eine zu hohe Anspannung kann bei der Frau der Grund für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sein oder auch dafür, dass der Penis nicht eindringen kann.
Beim Mann ist der Beckenboden besonders für das Zustandekommen und Halten einer Erektion wichtig. Wenn ein Mann seine Beckenbodenmuskeln gut spürt und sie gezielt anspannen und entspannen kann, dann kann er seinen Penis sozusagen von innen massieren. Denn ein recht großer Teil des Penis verläuft ja innerhalb des Körpers. Die Beckenbodenmuskeln sind sozusagen seine dritte Hand, mit der er den Penis innerhalb des Körpers erregen kann.
Ein gut trainierter Beckenboden kann also auch bei Erektionsproblemen die Lösung sein.
Beim Orgasmus ziehen sich die Muskeln unwillkürlich in kurzen Abständen zusammen. Eine funktionierende Beckenbodenmuskulatur trägt dazu bei, dass diese rhythmischen Kontraktionen leichter ausgelöst werden. Ein Beckenboden sollte flexibel sein und anspannen und entspannen können. Er trägt dazu bei, zum Orgasmus zu kommen und ist genau genommen der Sex-Muskel schlechthin.

Achten Sie auf Ihre Atmung
Auch die Atmung wirkt sich auf den Bauchraum und den Beckenboden aus.
Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell. Dabei entspannen sich die Bauchmuskeln. Dies ist auch am Beckenboden spürbar. Das Becken wird weit. Beim Ausatmen hebt sich das Zwerchfell, der Bauchraum wird wieder etwas enger, und die Beckenbodenmuskeln bewegen sich ein wenig in den Bauchraum hinauf. Das Zusammenspiel des Beckenbodens und der Atmung wirkt sich positiv auf das Orgasmuserleben aus.

Und was hat unser Kiefer damit zu tun?
Ja, Sie haben richtig gehört. Auch zwischen Kiefer und Beckenboden besteht eine direkte Verbindung. Ist der Kiefer fest geschlossen, ist das Becken geschlossen. Wenn Sie gestresst sind, pressen Sie die Lippen zusammen und die Kiefermuskulatur verspannt sich. Sie haben dann das Gefühl, sich durch etwas „durchbeißen“ zu müssen. Die Wahrnehmung wird eng, die Atmung stockt oder ist meistens oben im Brustkorb angesiedelt. Das setzt sich im Körper fort – bis in den Beckenboden. Der Körper ist angespannt.
Für eine lustvolle Empfindung braucht es aber genau das Gegenteil. Sie sehen, alles ist miteinander verbunden und ein komplexes Geschehen.

Wie finden und trainieren Sie nun Ihren Beckenboden:
Stellen Sie sich vor, Sie würden den Harnfluss durch Anspannen der Muskeln unterbrechen – jetzt haben Sie ihn. Das ist er!
Da wir bis ins hohe Alter sexuell aktiv sein und lernen können, ist das Training in jedem Alter möglich und fördert nebenbei auch noch die Gesundheit allgemein.
Die Übung ist ganz einfach: Anspannen – kurz halten – entspannen. Das ganze zehn Mal hintereinander, jeden Tag. Es ist ganz simpel, aber kräftigt die Muskulatur effektiv. Und das Beste: Man kann es überall machen, beim Einkaufen, vorm Fernseher und im Büro.

Kolumne aus Ausgabe 09/2017


Silvia Messenlehner
Silvia Messenlehner ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

Einen Kommentar hinterlassen: