Wie viel Sex ist normal?

Wer schreibt uns vor, was „normal“ ist? Sollten wir täglich Sex haben? Wöchentlich? Oder reicht einmal im Monat? Sie haben sich sicher auch schon oft in Ihrem Leben von dem leiten lassen, was „der Norm“ entspricht. Aber bedenken Sie, dass Sie Ihre Norm selbst bestimmen!
Silvia Messenlehner
Foto: rdnzl/fotolia.com

Die Frage nach der Normalität beschäftigt uns in vielen Lebensbereichen. Insbesondere in der Sexualität taucht sie sehr oft auf. Und ganz ehrlich, wer ist denn bei diesem Thema schon ehrlich? Es wird gemogelt und geschummelt. Bei Frauen genauso wie bei Männern. Viel eher sollten wir uns die Frage stellen, wie viel Sex braucht man, um glücklich und gesund zu sein?

Bei der Überlegung zu diesem Beitrag kam mir plötzlich Gerda (Namen zu den Themen sind frei erfunden und haben nichts mit den tatsächlichen Klienten zu tun) in den Sinn. Sie wollte wissen, wie viel Sex in der Beziehung nun „normal“ sei. Sie selbst und ihr Partner haben wenig Sex und sie haben auch darüber gesprochen. Beide seien zufrieden mit dem wie und was sie haben. Aber dennoch beschäftigt sie diese eine Frage: Ist ihre Häufigkeit normal?

Beate beginnt eine Beziehung üblicherweise mit Sex. Meistens war der Geschlechtsakt zum Ende der Beziehung auch die einzige Gemeinsamkeit.
Nun hat sie eine neue Beziehung und die hat über aktive Gemeinsamkeiten begonnen. Ihrem neuen Partner geht es nicht nur um Sex. Er will nicht jeden Tag mit ihr schlafen. Aber wenn, dann ist es innig und sehr schön, ganz anders als in ihren bisherigen Beziehungen.
Beate ist irritiert und meint, so wenig Sex in einer Beziehung hatte sie noch nie. Sie zweifelt, ob das „normal“ sei.
Sind Sie auch schon mal in die Normalitäts-Falle getappt?
Richten Sie sich auch nach dem, was „normal“ ist?
Ist es „normal“ seine Pflicht zu erfüllen und regelmäßig Sex haben, obwohl Sie müde sind und keine Lust haben? Ist es „normal“ keinen Orgasmus als Frau zu haben oder einen haben zu müssen? Und ist es auch „normal“ in einer langjährigen Beziehung keine Lust zu haben? (Frauen haben ja angeblich weniger Lust auf Sex! Obwohl meistens ist es nicht die Lustlosigkeit, sondern die Art und Weise wie der Sex praktiziert wird.)

Es gibt viele Statistiken darüber, was der Norm entspricht.
8,7 Prozent der Österreicher haben laut Statistik täglich Sex. Und der Rest?

Einmal pro Woche macht glücklich
Eine Studie von Psychologen der York Universität in Kanada hat zu diesem Thema ziemlich unspektakuläre und daher recht beruhigende Ergebnisse veröffentlicht: Einmal Sex pro Woche sei für Menschen in einer Beziehung optimal für ein glückliches Leben.
Paare, die häufiger miteinander schlafen, seien nicht glücklicher – wer aber weniger Sex hat, sei unglücklicher. Für die Studie wurden die Daten von 30.000 Amerikanern über einen Zeitraum von 40 Jahren gesammelt. Wer sich also alle sieben Tage mit seinem Partner im Bett trifft, ist glücklich.
Aber Fakt ist auch: Sexuell aktive Menschen sind zufriedener, gesünder und bleiben auch in der Lust. Die Beziehungen sind stabiler. Die Wahrnehmungen verkümmern, wenn wir sie nicht fördern.

Die Normalität bestimmen Sie!
Normen sind soziale Regeln und Werte der Gesellschaft in Bezug auf das Verhalten der Menschen. Es sind Richtwerte. Sie geben Halt und Orientierung.
Doch bedenken Sie: Sie bestimmen, was für Sie „normal“ ist – und auch, wie viel Sex Sie brauchen, um sich glücklich und zufrieden zu fühlen. Alles was Sie angenehm und stimmig empfinden, ist „normal“.
Sie bestimmen nach Ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen, was in Ihrem Sexleben passiert oder auch nicht passiert. Erst, wenn sich etwas belastend anfühlt, sollten Sie sich darüber Gedanken machen, mutig die Dinge ansprechen und ändern.
Und Sie wissen ja, die Sexualität ist ein ständiger Lern- und Entwicklungsprozess! Sie können in jedem Alter Ihre Fähigkeiten erweitern.

Kolumne aus Ausgabe 10/2017


Silvia Messenlehner
Silvia Messenlehner ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin

www.silviamessenlehner.at
beratung@silviamessenlehner.at

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