Klimawandel erschwert österreichische Kartoffelernte

Die Kartoffel wird ganzjährig in Österreich angebaut. Klimawandel und Schädlingsbefall führen heuer zu extremen Ernteeinbußen.
Jessica GEYER / 21. September 2022
(c) Land schafft Leben

 

Kartoffeln findet man in nahezu allen Gebieten der Erde. Der heimischen Knolle macht der Klimawandel jedoch zu schaffen. Im Hauptanbaugebiet Weinviertel forderten Hitze und lange Trockenperioden im Sommer die Widerstandsfähigkeit der Pflanze heraus. Ein Dominoeffekt, der sich auf die heurigen Ernteerträge ausgewirkt hat. Jedoch erschweren nicht nur die Witterungsverhältnisse den Anbau und die Ernte der Kartoffel, sondern auch der Schädlingsbefall. In Jahren mit geringem Niederschlag tritt der Drahtwurm verstärk auf. Befallene Knollen werden für den Handel unbrauchbar, denn der Schädling hinterlässt nicht nur Löcher, sondern auch seine Exkremente in der Kartoffel. Immer mehr Betriebe berichten von Verlusten zwischen 40 und 50 Prozent der heurigen Ernte. Die Kartoffeln sind ungenießbar und werden entweder an die Stärkefabrik weiterverkauft oder über Biogasanlagen entsorgt. Mit einer geschätzten Menge von 112.500 Tonnen „Verlustware“ hätte man etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung ein Jahr lang versorgen können. Eine vorbeugende Bekämpfung von Drahtwürmern ist nur bedingt möglich. Diese haben kaum natürliche Feinde und lassen sich auch mit Bodenbearbeitung und Fruchtfolge-Maßnahmen nicht eindämmen. Wirksame Pflanzenschutzmittel werden seit einigen Jahren wegen nicht mehr zugelassener Inhaltsstoffe nicht mehr angeboten.

Herr und Frau Österreicher essen pro Jahr ungefähr 55 Kilogramm Kartoffeln pro Kopf. Österreich kann sich zu 90 Prozent selbst mit Gemüse versorgen. Laut Lorenz Mayr, Kartoffelbauer und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, werde das mit der heurigen Ernte kaum möglich sein: „Wir werden die Lager heuer aller Voraussicht nach nicht vollbekommen. Das bedeutet, dass die heimischen Kartoffeln den Bedarf bis zur Heurigenernte im kommenden Mai nicht ausreichend decken werden.“


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