Was wird aus Schloss Hartberg?

Gerüchte über einen Verkauf des Hartberger Schlosses an den Naturkosmetikhersteller Ringana haben in der Bezirkshauptstadt in den vergangenen Wochen die Runde gemacht. prima! auf Faktensuche.
Olga SEUS / 20. Oktober 2020
Foto Olga Seus

Bisher hat Ringana schon einen Teil des Schlosses gemietet, diesen Vertrag jedoch zum Jahresende gekündigt. Nun möchte der Naturkosmetikhersteller das Schloss kaufen und beabsichtigt, hier ein Schulungs- und Veranstaltungszentrum zu errichten. Ob ein Kauf überhaupt möglich ist, wird am Freitag, 23. Oktober 2020 im Zuge einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung entschieden

 

Ein Blick auf die Geschichte erklärt die Brisanz des Themas: Das erstmals 1147 urkundlich erwähnte Hartberger Schloss diente zunächst als Wehrbau. Durch Erweiterung der Siedlung, die sich um die Burganlage herum bildete, entstand Hartberg. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass viele Bürger das Schloss untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden sehen. Dr. Reinhold Glehr vom Historischen Verein stellt überdies auch die regionale Bedeutung heraus: „Das Schloss stellt ein Baudenkmal von überörtlicher Bedeutung und Einzigartigkeit dar. Als Keimzelle der Stadt, erste markgräfliche Pfalz, hat es auch zum Land Steiermark eine besondere Beziehung.“ 1981 erwarb die Stadt das damals sehr verfallene Bauwerk, das „von der öffentlichen Hand mit sehr viel Aufwand, sehr viel Geld und viel Tatkraft aller Bürger renoviert und revitalisiert wurde“, wie der dritte Bürgermeister Hartbergs, Ludwig Robitschko von der Hartberger Bürgerliste (HBL) zu berichten weiß.

Ringana plant Veranstaltungs- und Schulungszentrum im Schloss

Seit 2007 ist die Firma Ringana im Schloss eingemietet. Wie von allen Seiten bestätigt wurde, hat die Firma den bestehenden Mietvertrag mit Ende des Jahres gekündigt. (UPDATE am 21. Oktober 2020: Ringana hat den Mietvertrag um ein halbes Jahr bis Mitte 2021 verlängert). Jedoch nicht, weil es „theoretisch geschickter wäre für Ringana, seinen Hauptsitz in Wien zu errichten“, wie der Ringana Sprecher Florian Gigler berichtet, sondern um „als Bekenntnis zur Region“ die Tätigkeit im Schloss zu erweitern. Zu einem Veranstaltungs- und Schulungszentrum mit dementsprechender Infrastruktur soll es ausgebaut werden. Der Rittersaal, jetzt schon Veranstaltungsraum, soll mit Multimedia ausgestattet werden, um sog. Hybridevents (mit Personen vor Ort, und gleichzeitig als gestreamte Veranstaltung mit Mitwirkungsmöglichkeiten übers Internet) gestalten zu können. Solche Umbauten könnten den Hartberger selbst auch zugute kommen, wie Bürgermeister Marcus Martschitsch hofft: „Wenn wir eine Art Fernsehstudio haben, könnten dort auch mal große Sendungen mit Reichweite über ganz Österreich zu Gast sein.“ Fest steht, dass der Rittersaal, auch wenn er von Ringana adaptiert wäre, weiterhin für Veranstaltungen buchbar bleiben solle. Auch der Schlosspark soll weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Einigkeit der Parteien bezüglich Pachtoption, Uneinigkeit über Verkauf

Nachdem die Pläne des ortsansässigen Kosmetikkonzerns bekannt geworden sind, herrscht insgesamt Diskussionsbereitschaft auf allen Seiten. Schließlich will Ringana nicht allein das Schloss beleben, sondern auch einen Flagshipstore in der Innenstadt errichten; verspricht mit seinem Konzept zudem mindestens 6.000 Nächtigungen pro Jahr. Für die Gewerbetreibenden ist dies ein „konkretes Projekt“, das als „Initialzündung“ gelten kann, um die Innenstadt wieder zu beleben, und auch der Bürgermeister spricht von einem „Leitprojekt“, welches bereits jetzt 12 weitere Firmen in die Innenstadt locken könnte; für die Grünen und Unabhängigen „könnte und sollte die historische Altstadt von Hartberg zum wirtschaftlichen Aushängeschild der Region werden“, die Wirtschaftsregion Hartberg spricht davon, dass das Schloss Hartberg „Markenbotschafter einer ganzen Region weit in die internationale Welt hinaus“ werden könne. Sind sich nun also doch alle einig? Wenn es darum geht, wie alle Seiten betonen, „partnerschaftlich“ mit Ringana zu kooperieren und einen langfristigen Miet- oder Pachtvertrag auszuhandeln, schon. Martschitsch stellt auch einen Optionsvertrag oder ein Baurechtsverfahren in Aussicht. Wenn das bedeuten sollte, dass das Schloss letztendlich an den Frischekonzern verkauft werden sollte, herrscht keine Einigkeit. Für die Grünen und die HBL käme das nicht in Frage, die Gewerbetreibenden hingegen sehen in dem heimischen Investor kein Problem. Der Bürgermeister verspricht, weder in diesem noch im nächsten Jahr werde es einen Verkauf geben. Immerhin, so Martschitsch, muss es rein rechtlich eine Art öffentlichen Ideenwettbewerb für ein Konzept für die Innenstadt und eine Nachnutzung für das Schlosses geben und laut Robitschko sollen sich auch noch andere Interessenten gemeldet haben.

Dreh und Wendepunkt ob ein Verkauf möglich ist oder ob das Schloss im Besitz der Gemeinde bleibt und als Mietobjekt zur Verfügung steht, ist das Ausschreibungsverfahren, das im Zuge einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung am 23. Oktober 2020 festgelegt wird.

 


Kommentare

Die Bausubstanz im Schloss Hartberg ist gut; auch die Heizkosten kann sich die Stadt Hartberg leisten; in der Diskussion geht es vielmehr um die Erhaltung einer kulturell bedeutenden Liegenschaft mitten im historischen Stadtkern von Hartberg; die Hartberger*innen haben das Schloss gekauft, saniert und bisher bestens erhalten; davon kann sich jeder bei einem Besuch in Hartberg überzeugen. Die Hartberger*innen identifizieren mit ihrer Geschichte und damit mit ihrem Schloss Hartberg; daher ist ein Verkauf ausgeschlossen; das wird jeder, der die Stadt und ihre Menschen schätzt, verstehen;

Bin ja neugierig, was passieren wird, wenn Hartberg Ringana – wie damals beim ersten „Schloss-Projekt“ vor einigen Jahren (da gab es damals übrigens auch ein Konzept über den Umbau hinaus, mit blühenden Lavendel-Feldern, Pachtflächen für den Anbau von Rohstoffen/Pflanzen usw.) – noch einmal „anpisst“. Ich denke nicht, dass es sich eine Kleinstadt mit totem Stadtkern und wenig großen Arbeitgebern leisten kann noch einmal „Zicken zu machen“. Noch dazu wo jedem klar sein sollte, dass das Schloss letztlich ein „teurer Spass“ für die Stadt ist und keine Cash-Cow. Wer selber ein größeres altes Haus (vielleicht noch unter Denkmalschutz) sein Eigen nennt, der kann die gewaltigen Kosten für die Erhaltung und den Betrieb (vor allem Heizung im Winter) ungefähr abschätzen. Somit hoffe ich mal, dass letztlich – im Fall des Falles – auch einem Verkauf zugestimmt wird, sollte Ringana sich darauf versteifen (natürlich nur unter der Vorgabe, dass der Schlosspark weiterhin öffentlich zugänglich bleibt und es auch weiterhin möglich ist gewisse Räumlichkeiten im Schloss hin und wieder für Veranstaltungen zu nutzen und andere Mieter, wie das neue Restaurant weiterhin im Schloss bleiben können, wenn sie das möchten).

Schloss Hartberg im Gespräch

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