Der Klang von Fernweh

Das ganze Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist mit der Zeit zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.
Laura WEINGRILL / 28. März 2019
Foto: Olga Baczynska

Musikjournalistin Laura Weingrill über „Beirut“ mit Frontmann Zach Condon

 

 

Vier Jahre sind seit dem letzten Longplayer der Band Beirut vergangen, aber sie bleiben – beruhigend und bestürzend – noch immer ganz nah an ihrem originalen Sound, der manchmal stolz, manchmal wackelig, aber immer unbearbeitet daherkommt, um die gebrechliche Menschlichkeit ihrer Musik und ihrer Kunst zu unterstreichen. So auch bei ihrem neuesten Album mit dem Titel „Gallipolli“, welches diesen Februar veröffentlicht wurde und nach der italienischen Stadt benannt ist, in der es geschrieben wurde.

Und genau diese Exotik, die schon im Namen des Albums steckt, zeigt sich auch immer wieder in den eigentlichen Stücken des Werks. Es „liest“ sich wie ein Atlas, mit Liedern, die ihre Hörer musikalisch an Orte wie Bratislava, Berlin und die französische Provence reisen lassen.

Hinter der ganzen Magie steckt so wie schon seit dem Jahr 2006 Frontmann und Mastermind der Band, Zach Condon, der ursprünglich aus Santa Fe, New Mexiko, stammt und im Alter von 17 Jahren das erste Mal nach Europa reiste und von den Klängen der Welt so inspiriert war, dass er sie kurzerhand selbst wiedergeben musste. Porzellane Haut, gewelltes Haar, mit offenem Hemd und einem Musikinstrument aus einer anderen Zeit unter seinem Arm – eine Trompete oder ein Waldhorn oder eine Ukulele – seit damals hat sich nicht viel verändert.

Und auch die Stimme von Condon bleibt so unverkennbar wie immer: Ohne Angst vor skurrilem, wortlosem Jodeln und herzlichem Vibrato verleiht sie der Band ihr besonderes Gewicht. Mit seiner besonderen Art, Musik verschiedener Kulturen mit melancholischen Indie-Sounds zu kombinieren, hat Zach Condon von Beirut einer ganzen Generation Balkanklänge und französische Chansons nähergebracht.

Und so hat auch Beiruts neuestes Werk Gallipolli immer wieder schöne Momente. Songs wie Family Curse und We Never Lived Here erzählen dank Condons herzzerreißender Stimmeinlagen Geschichten von echter Traurigkeit, trotz der Melodien, die oft in wiederholten Mustern eingelegt werden. Und Stücke wie der Title-Track Gallipolli oder Varieties of Exile entführen einen mit ihren Indie-Fanfare-Melodien und typischen Ukulele-Sounds an die Küsten Italiens. Manchmal mag ja sogar schon ein Album gegen Fernweh helfen – hier auf jeden Fall.


Einen Kommentar hinterlassen: