Herzschmerz auf Schottisch

Das ganze Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist mit der Zeit zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.
Laura Weingrill / 29. November 2018
Foto: Laura Weingrill

Für Laura Weingrill dreht sich die ganze Welt um Musik. Wohin sie auch geht, egal ob nach Wien oder London, die Kopfhörer sind immer dabei. Wer Teil ihrer musikalischen Reise sein möchte, der ist hier genau richtig.

 

Der mollige Sänger mit den traurigen Liedern – so stellt sich der Singer-Songwriter Lewis Capaldi immer wieder gegenüber seinen Fans im Internet vor. Eine Beschreibung von sich selbst, dich nicht jeder sofort freiwillig übernehmen würde. Und auch bei dem Sänger, der gebürtig aus dem schottischen Whitburn stammt, steckt viel mehr hinter der Fassade, als man zuerst zu ahnen vermag.

Denn der Typ mit den traurigen Liedern und der umwerfend rauen Stimme bringt alles zu einem Mix, wonach heute bei Künstlern gesucht wird – Sympathie, eine gute Portion Humor und jede Menge Talent. Eine Mischung, die Capaldi innerhalb der letzten zwei Jahre zu einer Karriere als Musiker verhalf, die man sonst nur von Filmen oder Märchenbüchern kennen würde. Schon im Alter von 12 Jahren schlich sich der Sänger in Pubs und Bars, um bei Open Mic Nights aufzutreten, bis er dann Ende März 2017 seine erste Herzschmerz-Single „Bruises“ veröffentlichte, und das ganz alleine, ohne Manager oder ein Label. Von da an ging es steil bergauf. Seither veröffentlichte der 22-Jährige zwei EPs, mehrere Singles, ging unter anderem mit Sam Smith und Rag N Bone Man auf Tour und konnte den einen oder anderen Newcomer-Award mit nach Hause nehmen.

Doch Zahlen und Auszeichnungen sind nicht alles und Capaldi wäre nicht der erste Künstler, der auf dem Papier besser ankommen könnte, als live. Wie also macht sich der Sänger nun auf der Bühne? Zurzeit tourt der sympathische Schotte mit seiner beinahe ausverkauften Tour durch die Städte Europas, was einem zuerst verrückt vorkommen mag, da Capaldi bis heute noch kein einziges Album veröffentlicht hat. Ein Umstand, dem er sich selbst sehr bewusst ist und auch immer wieder gerne darüber scherzt, wie ich bei einer seiner ausverkauften Shows persönlich erleben durfte: „Ich habe ja eigentlich erst sieben Songs oder so, aber okay.“ Und es blieb nicht nur bei diesem einem Witz, denn über das ganze Set hinweg gaben sich Songs über Herzschmerz, qualvolle Trennungen und vergangene Lieben, bei denen man sich die einen oder andere Tränen verdrücken musste, und schelmenhafte Scherze über die eigene Person und die Musikindustrie die Hand.

Aber wie steht es um die musikalische Zukunft des Sängers, der ja im Grunde erst am Beginn seiner Karriere steht? Wie bei vielen Dingen will er sich auch hier zu hundert Prozent treu bleiben und plant daher sich zuerst auf das Touren zu konzentrieren und nicht einfach ein Album nach dem anderen in die Welt zu stoßen. Eine Einstellung, die schnell eines zeigt – auch wenn der junge Künstler erst seit kurzem im Geschäft ist, man merkt sofort, er weiß genau was er tut und ist definitiv gekommen um zu bleiben. Und am Ende bleibt sein bilderbbuchartiger Aufstieg auch keine Überraschung, denn Capaldis Songs, bei denen es sich zumeist um wunderschöne Balladen handelt, glänzen mit emotionalen Texten und seiner unglaublich kraftvollen Stimme. Sie brechen einem das Herz und lassen einen kurz den Atem anhalten, aber auf die bestmögliche Art und Weise.

 


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