Sonnengetränkte Melancholie aus Kalifornien

Das Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.
Laura Weingrill / 02. Jänner 2019
Foto: Laura Weingrill

Wenn der Aufstieg der amerikanischen Band Wallows bisher sehr stressfrei erschien, dann wohl deswegen, weil er genau das war – stressfrei. Sie mögen vielleicht ein wenig so klingen, als hätten die Mitglieder von The Strokes ein bisschen zu lange unter der kalifornischen Sonne gelegen, aber inzwischen haben es die Indie-Rocker aus Los Angeles geschafft, sich einen eigenen Sound und Namen zu schaffen. Denn was einst aus einer Sandkastenfreundschaft zwischen Braeden Lemasters (Gitarre und Gesang), Cole Preston (Schlagzeug) und Dylan Minnette (Gitarre und Gesang) als musikalisches Experiment begann, konnte sich inzwischen zu einer eigenen ausgefeilten Variante von mal sonnengetränktem, mal melancholisch gefärbtem, mal Post-Punk angehauchtem Alternative Rock entwickeln. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn hinter den Kaliforniern liegt ein Jahr, das man sonst nur aus Märchenerzählungen kennt.

So wie viele andere Bands begannen auch Wallows ihre Karriere damit, ihre Musik zuallererst einmal selbst zu veröffentlichen. Doch damit endet schon wieder die Gewöhnlichkeit, denn im Gegensatz zu vielen anderen Songs dieser Welt raste „Pleaser“ innerhalb weniger Wochen an die Spitze der Charts und verhalf der Musikgruppe zu einem Vertrag bei Atlantic Records. Kurze Zeit später, im April 2017, veröffentlichte das junge Trio dann ihre Debüt-EP „Spring“, auf der sie nicht nur Anekdoten des Erwachsenwerdens und idyllische musikalische Portraits von Aufrichtigkeit malen, sondern alles auch immer wieder mit einer Prise ihres unverkennbaren Witzes ergänzen. Und wenn sich nun jemand fragt, wie es sein kann, dass Musiker im Alter von gerade Anfang 20 einen Ohrwurm nach dem anderen produzieren, dann liegt das daran, dass die Jungs seit über einem Jahrzehnt an ihrem Handwerk arbeiten.

Vor der Kamera

Doch abgesehen vom quirligen Indie-Pop mit Hang zum Tropischem, haben Wallows auch noch eine ganz andere Schiene für sich entdeckt, denn während sie sich auf ihre musikalische Karriere und das vorbereiten, das im Jahr 2019 auf sie wartet, genießen Frontman Dylan Minnette und Co darüber hinaus noch ihren Crossover-Erfolg, den sie durch die Schauspielerei für sich gewinnen konnten (Minnette war etwa Teil der beliebten Netflix-Serie „13 Reasons Why“). Wer jetzt aber denkt, dass es sich bei Wallows um eine Band handelt, bei der ein Schauspieler zum Spaß eine Popband gegründet hat, liegt falsch. Die Frage vom Ei und dem Huhn stellt sich hier also nicht, die Band kam definitiv zuerst. Ein Fakt, bei dem es auch bleiben soll, denn neben der baldigen Veröffentlichung ihres Debüt-Albums, möchte die Indiegruppe ebenfalls ihre eigene Bandbreite immer weiter verstärken und einen Hörer nach dem anderen für sich einnehmen. Und nach getaner Arbeit bleibt dann zuletzt laut eigenen Aussagen der Jungs nur noch ein Ziel – die musikalische Weltherrschaft. Das nenne ich mal eine Band mit Ambitionen.


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