Soundnerd

Das Leben ist ein Soundtrack – so sieht es Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist mit der Zeit zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.
Laura WEINGRILL / 31. Oktober 2018
Foto: Laura Weingrill

Für Laura Weingrill dreht sich die ganze Welt um Musik. Wohin sie auch geht, egal ob nach Wien oder London, die Kopfhörer sind immer dabei.

 

Auf der dunklen Seite des Campus

Wohl jeder Musiker kennt die Crux des zweiten Albums. Das Debüt war ein voller Erfolg und brachte genau den Anstoß, den man brauchte. Aber wie nimmt man diesen Schwung nun auch mit zum nächsten Album? Genau diese Frage stellte sich auch die fünfköpfige Indieband Hippo Campus, die 2013 in Minnesota, USA, gegründet wurde. Denn mit ihrer ersten LP „Landmark“ schaffte das Quintett nicht nur den Durchbruch, sondern legte ebenfalls ihren Signature-Sound fest: packende Beats, leichte Melodien, sonnige Texte und fröhliche Gitarren-Riffs.

Mit ihrem neuen, am 28. September veröffentlichten Album entschied sich die Indiegruppe jedoch dazu, einen etwas neueren Weg einzuschlagen. So klingt „Bambi“ an manchen Stellen dunkler, beinahe eindringlich und vor allem die Texte scheinen realer und bedeutungsvoller. Hippo Campus scheut nicht davor zurück, den Ängsten und Emotionen dieser Generation zu begegnen und nutzt ihr Album dazu, diese zu verarbeiten. Tracks wie „Why Even Try“ und „Think It Over“ verleihen dem Album ein Gefühl von Zärtlichkeit, während die Songs „Bubbles“ und „Golden“ zwar sanft beginnen, dann aber starke Rhythmen aufbauen. Das Element der Überraschung ist dabei immer vorhanden.

Dennoch kam die Trennung von ihrem alten Sound nicht von allein. In erster Linie bedeutete es eine Änderung der Arbeitsmethoden für die Indierocker. Denn während in der Vergangenheit alle ihre Tracks gemeinsam im Studio geschrieben wurden, sollte Bambi eine neue Facette ans Tageslicht bringen. Kurzerhand entscheid man sich für einen neuen Prozess. So wurden über die Zeit der Produktion hinweg vielfach Songs von einzelnen Mitgliedern geschaffen, wodurch sich am Ende eine bunte Zusammenstellung aus mehreren Stücken fand, aus der die Gruppe dann nur noch ihre Favoriten auswählen mussten. Ein Hang zur Perfektion, der sich schon ab dem ersten Titel „Mistakes“ hören lässt.

Doch warum dieser Umbruch? Laut Frontmann und Sänger Jake Luppen hätte die Band zwar genau erkannt, dass ihre Fangemeinde überwiegend aus weiblichen Personen bestand, sie aber genau dies noch mehr dazu motiviert hätte, als nächsten Schritt ein Album zu produzieren, dass näher auf die Emotionen und Unsicherheiten junger Männer eingehe, wie auch auf die Frage der toxischen Männlichkeit. Ein Umstand, der sich deutlich beim Hören des Records bemerkbar macht. Das lyrische Unbehagen passt zu den unangenehmen, sozial unsicheren Zeiten, über die die Band während der Produktion nachdachte. Das Album schwankt zwischen glückseliger Ruhe und überschwänglichem Chaos, ähnlich wie unsere sich ständig verändernde Welt.

Getragen von dem Wunsch, tiefer in sich selbst zu blicken, ist „Bambi“ ein ehrlicher Spiegel des Hippo Campus. Älter, klüger, aber nicht weniger aufregend, sind sie eine Band, die die heutige Zeit repräsentieren will.


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