Wirtschaft auf historischem Boden

November 1989: Was für ein Ereignis das damals war, als die sogenannte Alag-Passage mit 10 Geschäften in der Oberwarter Innenstadt eröffnete. Dabei war die Geschichte, die sich auf diesem Boden zuvor abspielte, nicht immer einfach. Aber man kann mit einem kleinen Augenzwinkern doch behaupten, dass da wohl eine höhere Macht letztlich alles zum Guten wendete, denn immerhin steht die Einkaufspassage sozusagen auf kirchlichem Grund. Mit der Kirche beginnt somit die Geschichte über die „Urahnen“ dieser Passage, die heute den Namen Helvetia-Passage trägt.
Ing. Wilhelm HODITS / 31. Oktober 2018
Foto: Wilhelm Hodits

1989 wurde die Alag-Passage von der Österreichischen Leasing GmbH eröffnet. Heute ist sie im Besitz der Janisch und Koch OG und trägt den Namen Helvetia-Passage.

 

Die Überlieferung der Geschäfts-Passage reicht sogar bis ins 12. Jahrhundert zurück. Wo heute die katholische Kirche steht, konnte eine arpadenzeitliche (ungar. Fürstengeschlecht) Siedlung nachgewiesen werden. In der Nähe der Kirche muss auch ein Pfarrhaus gewesen sein und im 16. Jahrhundert wird auch eine Schule erwähnt.

Ein Katasterplan des Jahres 1857 zeigt dann bereits deutlich das Pfarrhaus mit einem anschließenden Wirtschaftsgebäude und einem weiteren Gebäude – dem späteren Jugendhaus. Was dieser Plan aber noch verrät, ist eine kleine Kapelle. Sie muss sich in etwa auf der rechten Seite des heutigen Eingangsbereiches befunden haben – mit der Statue des Heiligen Nepomuk. Da diese Kapelle durch dicht gepflanzte Sträucher einen guten Sichtschutz bot und in Oberwart erst im Februar 1968 eine öffentliche WC-Anlage errichtet wurde, kamen vor allem an Markttagen die Besucher hierher – nicht um zu beten, sondern in einer anderen „Not“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war auf dem Areal angeblich sogar die neue Bezirkshauptmannschaft vorgesehen. Dieses Vorhaben wurde aber – wie bekannt – nie realisiert. Für das gesellige Leben in Oberwart war dieses Areal schon immer ein wichtiger Knotenpunkt. Im Jugendhaus wurden die Jungscharstunden abgehalten, nach der Erstkommunionsfeier fand hier immer ein gemeinsames Frühstück statt, es gab Vorträge, Theatervorführungen – und sogar Tanzkurse. Mitte der 1970-er Jahre brannte das Jugendhaus teilweise ab. Es wurde dann nur mehr provisorisch renoviert und schließlich wenig später ganz weggerissen.

Der WBO-Plan

Etliche Jahre war es ruhig um das Grundstück neben der Kirche. 1981 trat die Wohnbaugenossenschaft Ost (WBO) auf die Bühne und plante auf dem Grund der heutigen Helvetia-Passage eine sechsgeschoßige Wohnhausanlage, bestehend aus 46 Wohnungen, acht Geschäftslokalen und zwei Büros. Am 11. Juni 1981 wurde diese Anlage von der Baubehörde bewilligt. Angedacht war hier sogar eine kleine Wohngemeinschaft für pensionierte Pfarrer. Alles schien auf Schiene und etliche Oberwarter hatten bereits die Anzahlung für eine Wohnung getätigt. Doch dann passierte, womit damals keiner gerechnet hatte: Die WBO ging in den Konkurs – und die geplante Wohnhausanlage war somit Geschichte. Bis zum Jahr 1987. Es war die Geburtsstunde der heutigen Einkaufspassage.

Aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht

Die Österreichische Leasing GmbH war Bauherr und sollte dieses Projekt nach den Plänen des Mattersburger Architekten Herwig Graf verwirklichen. Und tatsächlich: Im November 1989 war es soweit: Die Alag-Passage wurde eröffnet. 2.000 m2 vermietbare Fläche für Geschäftslokale sowie ein Parkdeck mit 125 Parkplätzen (22 Parkplätze stehen unterhalb des katholischen Friedhofes ebenfalls zur Verfügung).

Unter die damaligen Geschäfte reihten sich Namen wie die Modehäuser Balaskovics und Kastner, es gab den Brautmodesalon Paul und natürlich – die legendäre Apple Box mit Kaffeehaus. Doch die Alag-Passage musste bereits in den 90-er Jahren harte Zeiten überstehen. Immer mehr Mieter wanderten ab und schließlich wurde die gesamte Passage im Jahr 2002 von Werner Knopf gepachtet. Als dieser 2013 in Pension ging, war das Ende der Passage quasi eingeleitet.

Die Österreichische Leasing GmbH hatte den Abriss des Gebäudes für 2017 bereits ins Auge gefasst – doch soweit sollte es nicht kommen. Es war quasi Rettung in letzter Minute, als im Dezember 2016 die Janisch und Koch OG nach langen Verhandlungen die Passage erwarb. Die motivierten Unternehmer unterzogen das Gebäude einer Generalsanierung und hauchten ihm neues Leben ein. Ende Juni 2017 wurde die Passage von den Eigentümern Norbert Janisch und Heinz Koch als Helvetia Passage (die namensgebende Versicherung ist bereits seit nunmehr 14 Jahren treuer Mieter in dem Gebäude) offiziell eröffnet. Sukzessive füllt sich das Gebäude nun wieder mit Geschäften. 2019 möchten die Eigentümer die Fassade neu gestalten. Ein weiterer wesentlicher Schritt, umdiese Passage und damit auch die Oberwarter Innenstadt zu beleben und um wertvolle Fachgeschäfte zu bereichern.


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.

Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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