Aus vier wird eins – die Volksschule Oberwart

Seit 1961 besteht eine zentrale Volksschule am Standort Schulgasse. Als Institution gab es die Volksschule in Oberwart natürlich schon viel länger, und eigentlich waren es früher deren vier.
Ing. Wilhelm HODITS / 29. Jänner 2019
Foto: Archiv-Mohat

Dass eine Kleinstadt wie Oberwart jahrhundertelang über drei, später dann sogar vier Volksschulen verfügte, ist schon etwas Besonderes und der Tatsache geschuldet, dass in dem Ort drei Konfessionen nebeneinander bestehen. Jede Pfarrgemeinde achtete auf die schulische Bildung ihrer „Schäfchen“, da es in früheren Zeiten kein staatlich organisiertes Schulwesen gab.

Die Anfänge

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts existierte in Oberwart eine katholische Schule, die im Zuge der Reformation in eine reformierte Schule (HB) umgewandelt wurde und für etwa 100 Jahre bestand. Natürlich sehr zum Missmut der Katholiken, die schließlich mit der Gegenreformation den reformierten Pfarrer samt Lehrer vertrieben und den Pfarrhof sowie die Schule der reformierten Gemeinde zerstörten. Letztlich führte der Konflikt dazu, dass es für einige Jahre gar keine Schule in Oberwart gab. Die reformierte Gemeinde war erst ab 1681 wieder in der Lage, eine eigene Schule zu errichten. Die katholische Schule ist erst ab 1757 wieder belegt.

Die evangelische Gemeinde AB war damals sehr klein und verfügte über keine eigene Schule, weshalb die wenigen Kinder die reformierte Schule besuchten. Keine leichte Aufgabe für die reformierten Lehrer, die sich dadurch mit der Schulbehörde oft Zores einhandelten.

Schwierige Verhältnisse

Die erste evangelische Schule AB wurde 1792 aus Holz errichtet, 1830 übersiedelte man in jenes Gebäude, an dessen Platz heute das Alten-und Pflegeheim der Diakonie steht.

Die reformierte Gemeinde baute im 19. Jahrhundert sukzessive ihre Schulstandorte im Umfeld der Kirche sowie eine „Notschule“ in der Grazerstraße aus. Davon sind heute nur noch ein Gebäude – mittlerweile ein Wohnhaus – und drei Nussbäume übrig. Unterrichtet wurde damals unter schwierigsten Bedingungen. So gab es 1865 in der katholischen Schule nur einen Unterrichtsraum für 114 Kinder.

Die vierte Volksschule in Oberwart war die sogenannte Staatsschule, die – gegründet um 1910 – in erster Linie der Magyarisierung von Beamtenkindern sowie der Einschulung der Romakinder diente. Als 1921 das Burgenland zu Österreich kam, wurde diese Schule aufgelassen.

Auch dunkle Zeiten gab es in der Volksschule Oberwart: 1932 ordnete der Bezirksschulinspektor die Zwangseinschulung der sogenannten „Zigeuenerkinder“ in die katholische Volksschule an. Der Schulstuhl (Schulleitung) wehrte sich dagegen massiv mit dem Hinweis auf gesundheitliche Rücksichtnahme in Hinblick auf die anderen Kinder. Man schlug vor, die zuvor aufgelassene Staatsschule dafür wieder zu installieren. Zustande gekommen ist dies aber nie. Damit war der Analphabetismus der „Zigeunerkinder“ in der Ersten Republik endgültig besiegelt.

Die israelitische Kultusgemeinde unterhielt übrigens keine eigene Volksschule. Die jüdischen Kinder besuchten ausnahmslos die evangelische Volksschule. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden alle konfessionellen Schulen aufgelöst. An ihre Stelle trat die allgemeine öffentliche Schule. Unterrichtet wurde aber weiterhin in den ehemals konfessionellen Schul-Gebäuden. Dieser Umstand sorgte auch noch nach 1945 dafür, dass sich viele Oberwarter Kinder erst in der Hauptschule das erste Mal begegnet waren. Die allgemeine Armut nach dem Krieg traf auch die Schulkinder, die mit Brennholz unter dem Arm in die Schule gingen.

Zentrale Volksschule

1957 wurde der Neubau einer zentralen Volksschule am heutigen Standort beschlossen. Diese nahm 1961 ihren Betrieb auf. 1984 wurde hier die erste „integrierte Klasse“ Österreichs installiert. Um den hohen pädagogischen Ansprüchen durch eine zeitgemäße Schularchitektur gerecht zu werden, wird seitens der Gemeinde über einen Neubau der Zentralschule nachgedacht. Vielleicht ein weiteres, wichtiges Kapitel in der langen Geschichte der Volksschule Oberwart.

 

Stadtführungen mit
Ing. Wilhelm Hodits
unter 0664/50 44 554


Die Volksschule Oberwart

In der Volksschule Oberwart werden derzeit 320 Schülerinnen und Schüler in 18 Klassen von 30 Lehrerinnen und Lehrer unterrichtet. Die Oberwarter Volksschule ist eine der größte Volksschulen im Burgenland.

Der Schwerpunkt der Volksschule liegt in der sprachlichen Vielfalt (ungarisch, kroatisch englisch) sowie im musikalischen und digitalen Bereich – und im Bewusstsein, dass man nur gemeinsam stark ist. Die Förderung der Kinder erfolgt unter dem Motto: „Nicht für alle das Gleiche, sondern für jeden das Beste.“

Das soziale Lernen und das Zusammenleben in der Schule (wertschätzender Umgang, Respekt, gegenseitiges Helfen, Freude und Vertrauen) sind Grundprinzipien, die in der Schule vermittelt werden.

Die VS Oberwart ist auch MINT-Schule (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und hat dafür das Gütesiegel.

Seit 1995-1996 gibt es Ungarisch-Klassen, die zweisprachig geführt werden.
Von 1995-2004 gab es auch Romanes-Sprachübungen.
Seit 2009 wird eine Englischklasse geführt.
Seit 2005 gibt es eine Kroatischklasse.
Seit 2006 gibt es in Kooperation mit der Musikschule auch Musikklassen.

Neben der digitalen Bildung wird täglich eine Turnstunde angeboten. Es gibt Talenteförderung und Leseförderung in Kooperation mit Bücherwurm und der Bücherei.

Seit 27 Jahren gibt es die Schulpartnerschaft mit einer Schule in Szombathely. Auch die Neuen Medien sind ein großes Thema in der Volksschule Oberwart.

Der Hort ist von Montag bis Freitag bis 17 Uhr geöffnet. 138 Schülerinnen und Schüler werden hier betreut und verköstigt, wobei großer Wert auf gesunde Ernährung gelegt wird.



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