Das Jubiläums-Fest!

2018 ist ein Jubiläumsjahr. Die Republik Österreich wird 100 Jahre alt. Die Handelsschule (HAS) und Handelsakademie (HAK) in Oberwart haben zusätzlich ein Jubiläum: Vor 90 bzw. 60 Jahren wurden sie gegründet. Und das wird mit dem größten Klassentreffen weit und breit gefeiert!
Es wird ein Fest in Oberwart, das es in dieser Form noch nicht gab: Am 13. April findet das große Jubiläums-Klassentreffen der HAK und HAS Oberwart statt, zu dem alle Absolventen eingeladen sind. Grund ist das Jubiläum „90 Jahre Handelsschule und 60 Jahre Handelsakademie Oberwart“, das Direktor Andreas Lonyai in dieser speziellen Form feiern möchte.
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: Aus dem Buch „Die Entwicklung des mittleren Schulwesens im Burgenland seit dem Wiederanschluss dieses Gebietes an Österreich im Jahre 1921“

Kindergarten, Hauptschule und Handelsschule in Oberwart um das Jahr 1930 in der Evangelischen Kirchengasse (gegenüber der Kirche). Heute steht hier ein Wohnbau der OSG.

 

Am Anfang waren zwei Klassen
Was würde wohl Hans Donawell sagen, wenn er heute vor dem Schulgebäude stehen würde! Er war im Jahr 1928 der erste Schulleiter der Kaufmännischen Wirtschaftsschule Oberwart, die vom Bezirksverband der Gewerbegenossenschaften gegründet und am 15. Oktober 1928 feierlich eröffnet wurde. Die HAS war geboren!
Die ersten Vorläufer dieser Schule gab es schon seit dem Jahr 1896 in Form einer Gewerbelehrlingsschule. Man wollte den Wirtschaftstreibenden dadurch Bürofachkräfte zur Verfügung stellen. Dieser kaufmännische Schwerpunkt war auch die Grundlage eben jener neuen Wirtschaftsschule in der Zwischenkriegszeit, die wir heute als HAS kennen.
Die ersten Klassenräume waren im damaligen Kindergarten, in der heutigen Evangelischen Kirchengasse (heute steht hier ein Wohnbau der OSG) untergebracht. Zwei Klassen hat es damals gegeben. Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass für einen weiteren Bestand dieser Wirtschaftsschule schlichtweg zu wenig Schüler vorhanden und somit die Absolventen einer Hauptschule notwendig waren. Und diese hat es 1928 in Oberwart noch nicht gegeben. Noch nicht. Aufzeichnungen bezeugen, dass sich der damalige Bürgermeister, Alexander Sisko, sehr für die Gründung einer sogenannten Knabenbürgerschule (später Hauptschule) eingesetzt habe. Mit Erfolg. Denn schon im Jahr 1929 hatte Oberwart seine Haupt- bzw. Bürgerschule. Das war vor allem dem Umstand zu verdanken, dass diese in Rechnitz aufgelassen wurde und Oberwart die Chance ergriff.

Die harten Jahre
Im Jahr 1938 fiel die Wirtschaftsschule in den Verantwortungsbereich der Gemeinde. Aus der „Kaufmännischen Wirtschaftsschule“ wurde die „Städtische Handelsschule“. Während der Kriegsjahre waren die Klassenzimmer zeitweise auch in der ehemaligen Synagoge untergebracht. Ende des zweiten Weltkrieges, im Jahr 1945, brach für die Handelsschule eine bittere Zeit an. Die Klassenzimmer wurden von den russischen Besatzungstruppen belegt, Bücher und Schullehrmaterial zum Großteil vernichtet, Sessel und Tische von den Besatzungstruppen beschlagnahmt. Dass der Unterricht nach den verheerenden Plünderungen am 12. September 1945 wieder aufgenommen werden konnte, war dem damaligen Vizebürgermeister Ferdinand Luif zu verdanken. Er stellte seinen stillgelegten Gasthof samt Tische und Sessel für den Unterricht zur Verfügung.
Interessantes Detail am Rande:
In den Jahren 1946 und 1947 wurden in der Städtischen Handelsschule betriebswirtschaftliche Grundkurse für sogenannte „Kriegsbeschädigte“ durchgeführt. Damit waren jene Männer gemeint, die aufgrund der Einberufung zur Wehrmacht ihre Schulausbildung abbrechen mussten. In einem 5-monatigen Kurs konnten sie in der Handelsschule ihren Abschluss nachholen.

Die Akademie
Den ersten Anstoß zur Errichtung einer Handelsakademie in Oberwart machte der damalige Landeshauptmann Johann Wagner bei seiner Antrittsrede im Jahr 1956. Der Antrag, den die Gemeinde an das Bundesministerium stellte, wurde allerdings abgelehnt. Doch die Oberwarter blieben hartnäckig. Man erzählt, dass sich vor allem der damalige Finanzreferent und spätere Bürgermeister, Ferdinand Hatvagner, sehr für die Errichtung einer Handelsakademie eingesetzt habe.

Mit Beginn des Schuljahres 1957/58 war es schließlich soweit: Die HAK Oberwart wurde eröffnet. Der Direktor der Handelsschule war Johann Faßl. Er wurde gleichzeitig Direktor der Akademie. Diese Doppelfunktion ist den Direktoren bis heute geblieben. Die Klassenräume waren in der Hauptschule. Doch nicht lange, denn im Jahr 1958 entschloss sich die Gemeinde Oberwart für den Bau eines eigenen Schulgebäudes in der Schulgasse (damals war an dieser Stelle die Gärtnerei Pirner beheimatet). Bereits am 9. Jänner 1960 wurde die neue Schule eröffnet. Die Anzahl der Schüler stieg stetig und 1969 erfolgte bereits ein Zubau, im Zuge dessen auch das angrenzende Gefängnis abgetragen wurde.

Die fünfjährige Ausbildung gibt es an der HAK übrigens seit dem Schuljahr 1962/63. 1973 wurde die HAK/HAS vom Bund übernommen. Das Gemeindebudget war dadurch entlastet und es entfiel nun auch das Schulgeld von 150 Schilling pro Monat. Eine enorme Erleichterung für viele Familien.

Die HAK/HAS Oberwart ist in den letzten Jahrzehnten – vor allem unter Erich Werderits, der nahezu 30 Jahre Direktor war – weitergewachsen – baulich und inhaltlich. Ab Herbst wird auch das 1. Burgenländische Business Kolleg an der HAK geboten – ein kostenloses 4-semestriges Kurzstudium für Berufstätige inklusive Unternehmerprüfung.
5.000 Absolventen hat die Schule seit ihrem Bestehen hervorgebracht.
Es wird das „COMEBACK of the YEARs“, wenn sich hoffentlich möglichst viele von ihnen am 13. April in der Messehalle Oberwart treffen, um dieses große Stück Oberwarter Schulgeschichte zu feiern.

Beitrag aus Ausgabe 03/2018


Ing. Willhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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