Das letzte Tennis-Match

60 Jahre Tennisgeschichte hat der Tennisplatz Seper in Oberwart geschrieben. In der laufenden Saison werden die letzten Matches ausgetragen. Dann ist er Geschichte. Ab November errichtet die OSG hier ein neues Wohnprojekt.
Ing. Wilhelm HODITS / 28. August 2018

60 Jahre lang wurde hier Tennis gespielt. Mit Ende der Saison ist der Tennisplatz Seper in Oberwart Geschichte

 

An der Ecke Badgasse / Hyrtlgasse in Oberwart führt ein schmaler Weg zu einem gut versteckten Tennisplatz. Der Spaziergänger würde diesen Platz wohl kaum bemerken, so gut geschützt ist er durch die hohen Sträucher und Bäume, die sich im Laufe der Jahre hier entwickelt haben. Es ist der 3. August 2018. Und genau vor 60 Jahren begann die Tennisära in Oberwart. 25 Oberwarter Akademiker und Geschäftsleute haben am 3. August 1958 diese kleine private Tennisanlage mit zwei Plätzen eröffnet. Das Grundstück gehörte damals Gisela Margarethe Nicka, der Mutter der heutigen Miteigentümerin Astrid Seper. Sie war von der Idee eines Tennisplatzes sehr angetan und verpachtete das Grundstück an die 25 tennisbegeisterten Oberwarter, die darauf die besagte Sportanlage errichteten. Auch ein neun Meter tiefer Brunnen und zwei Kühlschächte wurden damals gleich mitgebaut. Die Sportler wussten diese Schächte besonders zu schätzen, denn sie dienten zum Kühlen der Getränke.

Diese Tennisanlage war die erste des Südburgenlandes und in diesem Zuge wurde der Tennisclub Oberwart geboren. „Es war die Zeit, in der die 2. Republik in Österreich zu wachsen begonnen hat. Tennis war in den beginnenden 60-er Jahren eine völlig neue Sportart und auch nicht gerade billig. Somit waren es vor allem Akademiker und Unternehmer, die ihn sich leisten konnten“, erinnert sich Johann Hadek zurück. Er war Gründungsmitglied und gilt als einer der Pioniere im Oberwarter Tennis- und Basketballsport.
Allein der Gründungsbeitrag machte damals pro Mitglied 1.500 Schilling aus.

Heute noch wird erzählt, dass Heinrich Kiss, Primar des damals angrenzenden alten Krankenhauses, ein begeisterter Tennisspieler war und jede freie Minute am Platz verbrachte. Es soll sogar öfters vorgekommen sein, dass er während eines Matches wegen eines Notfalls vom Platz geholt wurde, da er ja viele Jahre der einzige Chirurg im Krankenhaus war.

Die Tennisanlage war nicht nur eine Sportstätte, sondern auch ein Kommunikationsplatz, an dem viele Veranstaltungen stattfanden. In dieser Zeit erzielte der Tennisclub auch einen großen sportlichen Erfolg. Im Jahr 1975 holten die Mitglieder den Titel „Burgenländischer Vizemeister“ nach Oberwart.

Mehr Möglichkeiten für den Tennis-Sport

Im Laufe der Zeit zeigten immer mehr junge Menschen Interesse an diesem Sport. Die steigende Nachfrage führte dazu, dass die Stadtgemeinde Oberwart im Jahr 1967 im Schulhof der neu errichteten Volksschule den Platz für einen Asphalt-Tennisplatz zur Verfügung stellte. Finanziert wurde dieser vom Tennisclub, also der Union Oberwart. So konnten auch viele Jugendliche Tennis spielen.

1976/77 wurde für den Oberwarter Sport ein geschichtsträchtiges Ereignis Realität. Die Gemeinde errichtete das heutige Sportareal neben der Hauptschule. Oberwart bekam unter anderem ein Fußballgelände – und eine Tennisanlage. Diese wurde von der Union Oberwart gemietet und öffentlich betreut.

Daneben gab es außerdem einige weitere private Möglichkeiten Tennis zu spielen: An der Ecke Semmelweisgasse-Badgasse gab es den sogenannten „Krankenhaus Tennisplatz“, später gab es zwei private Tennisplätze von Dr. Matthias Vitsich und vom Gasthof Zambo und schließlich den sogenannten Bewag Tennisplatz.

Der Tennisplatz in der Badgasse/Hyrtlgasse (Seper Tennisplatz) bekam dieses Angebot deutlich zu spüren, denn die Mitgliederzahl ging beträchtlich zurück. Auch der neu aufkommende Trendsport Golf trug einiges zur sinkenden Mitgliederzahl beim Tennissport bei. Das führte dazu, dass der Tennisclub Oberwart die Anlage an Familie Seper übergab. Ab diesem Zeitpunkt führten Thomas und Astrid Seper die Tennisanlage. 1991 wurde der Name schließlich auf „ASKÖ Tennisclub Seper Oberwart“ geändert.

In dieser Ära durfte der Verein nochmals eine Hochblüte erleben. Grund dafür waren mitunter die Erfolge von Österreichs Profi Tennissportler Thomas Muster, der die Sportart wieder populär machte. Auch der Tennisclub Seper konnte beachtliche Erfolge erzielen. So holten sich etwa Daniel Seper und Florian Hotwagner in den Jahren 2002 und 2004 den Meistertitel im Nachwuchswettbewerb bei den Burgenländischen Landesmeisterschaften.

Das Ende einer Ära

Die Begeisterung währte aber nicht ewig. Heute, im Jahr 2018, zählt der Verein der Tennisanlage Seper nur mehr zehn Mitglieder, was eine Aufrechterhaltung der Anlage immer schwieriger macht. Aus diesem Grund hat sich die Familie Seper nun dazu entschlossen, den Tennisplatz an die OSG zu verkaufen. Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft wird hier unter dem Projekt „Die neue Welle“ im November ein Wohnprojekt starten. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2020 18 Wohnungen und vier Dachterrassenwohnungen auf diesem Areal entstehen.


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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