Der Haydnhof in Oberwart

Was das mächtige Gebäude im Stadtzentrum mit einer gewissen Familie Löwy zu tun hat, wie der „Urahne“ des Haydnhof ausgesehen hat und welche Unternehmer es hier schon immer gegeben hat.
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: Ansichtskarten zVg Alexander Mohat

Ein Blick zum Löwygebäude in den Kriegsjahren. Im oberen Stockwerk gab es Wohnungen. Im Erdgeschoss waren der „Konsum“, die Südburg und ein Fahrradgeschäft angesiedelt. Der Zugang erfolgte auch über die damalige Raffelgasse (heute Ganghofergasse). Erst mit dem Haydnhof entstand die Schulgasse.

 

Es ist eines jener Gebäude, die Oberwart am stärksten prägen: Der Haydnhof am Hauptplatz. 1962 wurde er fertiggestellt, doch wo sich heute das Wohn- und Geschäftsgebäude entlang der Schulgasse erstreckt, stand bereits im Jahr 1857 an seiner Stelle ein ebensolches Objekt – wenn auch etwas kleiner. Besitzer dieses Gebäudes mit der Straßennummer 143 war die jüdische Familie Löwy, deren Geschichte eine höchst dramatische ist. Familie Löwy war äußerst wohlhabend und besaß in Oberwart einige wichtige Immobilien (unter anderem das Vorgängergebäude des heutigen Hochhauses, prima! berichtete).
Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurde der Besitz der Familie Löwy arisiert. Es gab einige Oberwarter, die Interesse an diesem Löwygebäude hatten und es von den Nazis erwerben wollten. Zeitzeugen berichten jedoch, dass der damalige Gauleiter-Stv. Tobias Portschy den „Verkauf“ verhindert hatte. Nach dem Krieg schien laut Grundbuch die Familie Löwy bis 1951 wieder als Eigentümer auf.
Bekannt ist, dass ein Teil der Familie Löwy im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Dem Großteil gelang die Flucht nach Argentinien und in die USA. Außer Samuel Löwy, der nach dem 2. Weltkrieg als Einziger nach Oberwart kam, hat angeblich kein Familienmitglied jemals wieder Oberwarter Boden betreten.

Historisch für den Haydnhof ist das Jahr 1957. Zu diesem Zeitpunkt waren die Eigentümer Samuel Löwy und das Ehepaar Gustav und Gisela Steurer.
In besagtem Jahr 1957 erwarb der „Verein der Freunde des Wohnungseigentums“ das Objekt und erhielt schließlich die Bewilligung für die Errichtung eines neuen Wohn- und Geschäftshauses. Der Weg für den heutigen Haydnhof war geebnet.
Im Jahr 1962 wurde das imposante Gebäude eröffnet – mit 13 Geschäften, 43 Wohnungen und drei Ordinationen. Im Zuge dieses gewaltigen Bauprojektes wurde auch die Schulgasse errichtet. Heute ist sie eine der meist frequentierten Straßen der Bezirkshauptstadt.

Urgesteine im Haydnhof
Bereits das „Löwygebäude“ war Heimat legendärer Geschäfte. Wo im heutigen Haydnhof das Eisgeschäft Tropicale beheimatet ist, war im Jahr 1920 im Gebäude Nr. 143 der Verbrauchermarkt „Konsum“ angesiedelt. Man nannte ihn damals „Hangya“, was aus dem Ungarischen übersetzt „Ameise“ bedeutet. Beim Erwerb eines Genossenschaftsanteils bekam man Begünstigungen und konnte den Einkauf auch anschreiben lassen.
Auch das Busunternehmen Südburg ist seit 1929 mit dem Haydnhof (vormals Löwygebäude) untrennbar verbunden. Vor dem Gebäude waren auch die Busse des Unternehmens geparkt und es gab auch ein Wartehäuschen.
Ein Urgestein im Haydnhof hat Ende des Jahres 2017 eine lange Unternehmergeschichte beendet. Im Löwygebäude war ein Fahrrad-, Nähmaschinen und Motorradgeschäft mit einer Reparaturwerkstätte angesiedelt. Besitzer war ein gewisser Karl Eichmann. Bei ihm konnte man unter anderem um 50 Groschen ein Fahrrad für eine Stunde mieten. Auch im späteren Haydnhof wurde an dieser Stelle unter verschiedenen Betreibern immer ein Fahrradgeschäft geführt. Ende des Vorjahrs endete mit der Schließung des Geschäftes Serenyi aufgrund der Pensionierung des Besitzers diese Ära.

Nach wie vor prägt der Haydnhof das Bild der Bezirkshauptstadt Oberwart. Das Wohn- und Geschäftsgebäude hat allein durch seine besondere Lage im Herzen Oberwarts enormes Potenzial – ein immenser Vorteil, den man durch einen neuen Anstrich entsprechend hervorheben könnte.

Beitrag aus Ausgabe 02/2018


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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