Der reformierte Friedhof in Oberwart

Der reformierte Friedhof in Oberwart
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: Ing. Willi Hodits

Das Wappen der Reformierten in Oberwart am Tor des Friedhofes.

 

1517 ist wohl das bedeutendste Jahr in der Geschichte der Kirche. Es ist das Jahr, in dem Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformbewegung der Kirche eingeleitet hat. Rund 70 Jahre später, also 1591, sollten sich die Calvinisten von den Lutheranern abspalten und die reformierte Glaubensbewegung ins Leben rufen. In Oberwart waren die Anhänger Calvins und Zwinglis etwa 100 Jahre lang Eigentümer der alten katholischen Kirche und des Friedhofes um die Kirche. Nach der Vertreibung aus der katholischen Kirche (1673) hatten die Calvinisten einen langen steinigen Weg vor sich, bis sie überhaupt eine eigene gemauerte Kirche bekamen. (prima! März 2016 Ausgabe). Erst 1773 bekamen die Reformierten ihr eigenes Gotteshaus – ein Kreuz wurde ihnen von der Komitatsbehörde dafür jedoch nicht genehmigt. Auch heute haben sie weder in der Kirche noch auf ihren Grabsteinen dieses christliche Symbol. Darauf verzichten sie bewusst, weil sie der Meinung sind, dass sie das Kreuz ohnehin in ihren Herzen tragen.
Wie die Glaubensgemeinschaft zu ihrem Friedhof kam, ist eine andere Geschichte. In ihren Anfängen wurden die Katholiken und Reformierten neben der alten katholischen Kirche in Oberwart begraben. Dies bot jedoch ein gehöriges Konfliktpotenzial, denn schon alleine bei der Bestattung haben beide Glaubensrichtungen entgegengesetzte Anschauungen. „Gott weiß ohnehin, was er mit den Verstorbenen vorhat“, heißt es bei den Reformierten. Das Gebet beim Begräbnis sehen sie eher als Trost und Stütze für die Hinterbliebenen. Bei den Katholiken steht aber das Gebet für die Verstorbenen im Vordergrund. Um die Spannungen im alten Friedhof zu beenden, hat die Komitatsbehörde 1778 die Errichtung eines eigenen reformierten Friedhofes in der Dornburggasse angeordnet. Seither ruhen hier die Verstorbenen der Reformierten und der Blick von hier über Oberwart vermittelt fast den Eindruck, als würden sie über die Stadt wachen.

Viele alte Grabsteine sind am Fuße des Hanges zu finden. Darunter auch jener des legendären Bürgermeisters Alexander Sisko. Drei Gräber gibt es auf diesem Friedhof, die das Bekenntniszeichen der Hugenotten – das Malteserkreuz mit der herabhängenden Taube als Sinnbild für den Heiligen Geist – tragen. Es ist ein Erkennungszeichen der reformierten Christen.

Eine Aufbahrungshalle ist am reformierten Friedhof nicht zu finden. Sie befindet sich neben der reformierten Kirche. Es mag am Traditionsbewusstsein der Glaubensgemeinschaft liegen, dass die Verstorbenen seit jeher von der Kirche in den Friedhof geleitet werden. Auch heute noch nehmen die Oberwarter Reformierten diesen Fußmarsch auf sich – so wie es bereits ihre Vorfahren getan haben.

Einen besonderen Schatz hat Willi Hodits auf dem Dachboden des alten reformierten Pfarrhauses gefunden. Es sind alte Grabmäler aus Eichenholz. In einem Kasten aus Blech wurden die Namen der Verstorbenen festgehalten. Wie alt sie sind, ist kaum feststellbar, aber sie waren bis in die 1970-er Jahre am Westhang des Friedhofes zu finden.

Beitrag aus Ausgabe 04/2017


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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