Die Geschichte der Humanität – Teil 1

Es war im Jahr 1859, als der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant bei der Schlacht von Solferino sah, dass die verwundeten Soldaten einfach auf dem Schlachtfeld zurückgelassen wurden. Dieses Erlebnis war die Geburtsstunde des Roten Kreuzes. Heute sind österreichweit über 74.000 freiwillige Helfer und über 8.300 Angestellte beim Roten Kreuz beschäftigt.
Willhem HODITS / 27. November 2020
Foto: zVg

In einem solchen Rettungswagen für einen Pferdezug wurden Kranke um 1910 transportiert.

 

Henry Dunant gilt also als der Vater des Roten Kreuzes. Das Österreichische Rote Kreuz wurde 1880 in Cisleithanien gegründet. Der Grundgedanke dabei war, eine internationale Organisation zu schaffen, die neutral und überparteilich koordiniert ist und im Kriegsfall unter rechtlichem Schutz, aber auch zu Friedenszeiten Hilfe leisten kann. Diverse Hilfsvereine der Österreichischen Donaumonarchie wurden ab 1880 somit unter eine Schirmherrschaft gebracht. 1881 wurde das Ungarische Rote Kreuz ins Leben gerufen, was ja auch unser heutiges Burgenland betraf. Auf einer Karte des Kriegsministeriums von 1887 ist verzeichnet, dass auch Oberwart – Felsöör – eine Rotkreuz-Stelle hatte.

Als das Burgenland 1921 zu Österreich kam, hatte es als eigenständiges Bundesland keine Rotkreuz-Organisation mehr. Die lokalen Rotkreuz-Vereine hatten zumindest offiziell ihre Tätigkeit eingestellt. Bei öffentlichen Veranstaltungen trugen manche ehemaligen Mitglieder aber immer noch Rotkreuz-Armbinden, was jedoch von vielen sehr kritisch betrachtet wurde, wie in einem Bericht der Oberwarter Sonntagszeitung aus dem Jahr 1923 hervorgeht. Darin wurde darauf verwiesen, dass das Tragen solcher Abzeichen laut einem Gesetz vom 23. August 1912 nur bestimmten Körperschaften erlaubt war. Erst nach und nach wurde im Burgenland eine eigene Organisation wieder aufgebaut.

Krankentransporte

Nachdem das Krankenhaus Oberwart erst 1911 fertiggestellt wurde, mussten die Patienten bis dahin in die Spitäler nach Wien, Hartberg oder Steinamanger transportiert werden. Auf den schlechten Straßen verschlimmerte sich der Gesundheitszustand der Patienten dabei sehr oft. In manchen Fällen trat unterwegs auch der Tod ein. So kann man verstehen, dass Graf Erdödy von Rotenturm großes Interesse am Bau des Krankenhauses in Oberwart hatte. Doch auch als dieses eröffnet war, wurde der Krankentransport von Privatpersonen und der Feuerwehr mit einfachsten Transportmitteln durchgeführt wie etwa Pferdegespann und Holzkastenwägen. 1924 schilderte der burgenländische Abgeordnete Friedrich Reiß einen solchen Krankentransport in einer Landtagssitzung: „Man kann sich keinen traurigeren Anblick denken, als wenn man auf der holprigen Landstraße einem Fuhrwerk begegnet, auf welchem einem ein bleicher, schmerzverzerrter Kranker entgegenblickt.“

Das erste Auto

Erst 1930 bekam das Rote Kreuz Oberwart das erste Rettungsauto. Ein Meilenstein in seiner Geschichte!

Am 5. Juli 1931 fand das Gründungsfest der Rettungsabteilung des Roten Kreuzes statt. Eingegliedert war diese Abteilung in die Feuerwehr Oberwart. Das Rote Kreuz rüstete die Feuerwehren mit einer Rettungskiste voller Medikamente und Verbandsmaterial aus. Erst 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, kam es zur strikten Trennung des Rettungswesen von der Feuerwehr.

Am 13. März 1938 wurde das gesamte Österreichische Rote Kreuz inklusive dem Jugend Rotkreuz, die Frauenhilfe zur Bekämpfung der Tuberkulose sowie alle Landes- und Zweckverbände dem Deutschen Roten Kreuz eingegliedert. Damit war vorläufig das Österreichische Rote Kreuz Geschichte. Oberwart war im August 1938 ein beliebter Standort, um Mitglieder für das Deutsche Rote Kreuz anzuwerben.

Nach dem Kriegsende 1945 wurden die letzen 17 vorhandenen Rettungswägen samt Hilfsmaterialien teils von den abziehenden deutschen Truppen verschleppt. Den Rest nahmen im April 1945 die Besatzungstruppen mit. Das Rote Kreuz stand vor dem Nichts.
Doch das sollte natürlich nicht so bleiben.

Der Wiederaufbau der Bezirksstelle Oberwart war einigen engagierten Bürgern zu verdanken. Doch das lesen Sie in der prima! Jänner Ausgabe 2021.



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