Die Rotunde in Oberwart

Einst war das Rotunden-Areal im Herzen Oberwarts direkt am Puls der Wirtschaft. Heute weiß niemand so genau, was damit passieren soll.
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: zVg

Die Rotunde wurde bereits zu Zeiten der Viehversteigerungen auch als Veranstaltungsraum benutzt. Hier hat auch der bekannte Musiker und Komponist Christian Kolonovits seine ersten Auftritte absolviert. In den Jahren 1971-76 fand auf dem Areal die Inform statt. Dafür wurden die Stallungen gereinigt und desinfiziert.

 

Eine enge Zufahrt in der Nähe des Hauptplatzes führt zur Rotunde, die auf einem Areal steht, das diesem architektonisch wertvollen Objekt nicht ganz würdig ist. Heute wird diese Fläche als Parkplatz verwendet. Einst war aber genau hier ein wichtiges Wirtschaftszentrum Oberwarts. Ausgegangen ist dies vom Burgenländischen Fleckviehzuchtverband, der um das Jahr 1924 gegründet wurde. Auf diesem gemeindeeigenen Areal mit der Markthalle hat der Verband sechsmal jährlich eine Versteigerung von Schweinen und achtmal eine Versteigerung von Rindern abgehalten, zu der die Bauern von nah und fern kamen. Außerdem wurde in Verbindung mit dem Wochenmarkt jeden Mittwoch ein Viehmarkt veranstaltet.

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg entflammte eine rege Diskussion über einen neuen Standort für die Viehversteigerungen. Im Gespräch war der gemeindeeigene Grund auf dem heutigen Areal der Firma MMM (in der Nähe der Stahlbau Unger Gruppe). Aber auch die Gemeinde Großpetersdorf bemühte sich sehr, dem Burgenländischen Fleckviehzuchtverband einen attraktiven Standort anzubieten. Die Oberwarter Geschäftstreibenden liefen jedoch gegen beide Vorschläge Sturm – sorgten die Veranstaltungen des Verbandes doch für die Belebung der Wirtschaft in der Innenstadt.
Daraufhin beschloss der Gemeinderat von Oberwart, die bis dato benutzte Marktfläche dem Burgenländischen Fleckviehzuchtverband um einen Schilling pro Jahr auf 99 Jahre zu vermieten. Das Angebot wurde von den Verbandsmitgliedern natürlich angenommen und bereits wenig später wurde die oberösterreichische Holzkonstruktionsfirma Obermayr aus Schwanenstadt mit der Planung und Errichtung einer Rinderhalle beauftragt. Die Bauarbeiten wurden von der Oberwarter Baufirma Gustav Steurer durchgeführt. Die Rotunde war geboren! (siehe dazu rechte Spalte). Sie ist heute das einzige, im Originalzustand erhaltene Holzbauwerk dieser Art in Österreich.
Nach Fertigstellung der Rotunde wurden zwischen den Jahren 1957 bis 1978 die notwendigen Einstellungshallen, die Verladerampe, die Messhalle, die Wohnung für den Platzwart und die Schweineversteigerungshalle gebaut.

Versteigerungstage waren wie Feiertage
Was war das für ein Treiben am Rotundenplatz, wenn es zu Viehversteigerungen kam!
Die Schweine und Rinder wurden besichtigt, begutachtet und dann wurde eifrig unter den Landwirten und Viehhändlern gefeilscht und gezetert. Schließlich wurde der Verkauf mit Handschlag besiegelt. Würstel und ein Glas Bier in der Kantine der Rotunde, (die von 1982 bis zum Jahr 2000 von der Familie Neubauer und davor von der Familie Freiszlinger betrieben wurde) oder im legendären Gasthaus Wagner am Hauptplatz gehörten dazu. Es war ein Schauspiel, wenn dann die Bauern und Viehhändler die Tiere über den Hauptplatz zum Bahnhof trieben.

Ein Oberwarter „Original“ von dem heute noch berichtet wird, war Sàndor Holics. Er war der sogenannte „Viehzutreiber“ und ohne ihn konnte in der Rotunde angeblich keine Versteigerung stattfinden.
Im Jahr 2000 beschloss die Gemeinde, die Versteigerungen an den Stadtrand (Industriegebiet Nord, wo ein Rinderkompetenzzentrum errichtet wurde) zu verlegen. Das Ende der Rotunde war eingeleitet. Ein Investor, der auf dem Rotunden-Areal und Teilen des Hauptplatzes ein Einkaufszentrum errichten wollte, zog sich aus den Verträgen zurück. 2004 wurden die Gebäude abgetragen – bis auf die Rotunde, die heute noch auf ihr weiteres Schicksal wartet.

Beitrag aus Ausgabe 07/2017


Die Rotunde
Bei der Rotunde handelt es sich um einen achteckigen zweigeschossigen Holzfertigteilbau, der auf einem gemauerten Fundament errichtet ist. Das Oktagon ist wie eine Manege angelegt. Vier ansteigende Sitzreihen sind durch eine Holzverschalung von der eigentlichen Arena, in die die Tiere hereingeführt wurden, abgetrennt. An der Südostseite über den Rängen befindet sich das Podium mit dem Pult des Auktionators. Die Rotunde ist seit 2016 unter Denkmalschutz.

Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

Kommentare

Vor Jahren hatte ich einmal die Idee, in der Rotunde ein Behandlungszentrum zu errichten. Lange her. Das Gebäude hat eine besondere Ausstrahlung. Es müsste doch möglich sein, eine geeignete Nutzungsmöglichkeit zu finden (Museum? Veranstaltungssaal?)

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