Es begann im Garten eines Wirtshauses

Der Städtische Kindergarten in Oberwart hat eine lange Geschichte. Viele Wanderjahre hat diese Einrichtung hinter sich, bis sie endlich in der Badgasse ein Zuhause fand.
Foto: Willi Hodits

Viele Ideen wurden schon in Gasthäusern geboren. Aber dass auch der Städtische Kindergarten Oberwarts in einem solchen quasi seinen Ursprung hatte, wissen die Wenigsten. Alten Dokumenten zufolge wurde der erste Kindergarten Oberwarts im ehemaligen Gastgarten des Gemeindewirtshauses (später Gasthaus Freislinger bzw. Seper) in der Evangelischen Kirchengasse im Jahr 1893 errichtet. Als dann für die Bürgerschule (Hauptschule) und die Handelsschule Räumlichkeiten gesucht wurden, bot es sich an, auf dem bestehenden Kindergarten ein Stockwerk zu errichten. Das war in den Jahren 1928/29.
Inzwischen aber platzte der Kindergarten selbst aus allen Nähten. Wo sich heute die Garagen der Diakonie (vormals Post) befinden, wurde um das Jahr 1930 das dortige Gebäude zu einem Kindergarten umfunktioniert. Diese Räumlichkeiten wurden zusätzlich bis 1941 genutzt.

Ein neuer Kindergarten

Der heutige Kindergarten in der Badgasse wurde in den Jahren 1939-41 errichtet und war Eigentum des Deutschen Reiches. Die erste Leiterin war Heidi Ochsenhofer, die mit ihren Helferinnen bis zum Jahr 1945 an die hundert Kinder, darunter auch Babys, betreute. Die Mütter waren zum Großteil gezwungen, bei der Errichtung von Schützengräben mitzuarbeiten und waren hier von frühmorgens bis abends schwer im Einsatz. Deshalb war der Kindergarten auch von 5 Uhr früh bis 20 Uhr abends geöffnet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude von den russischen Soldaten besetzt. Ein Raum wurde sogar als Kino umfunktioniert und im Garten wurde ein Getreidefeld angelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es keinen Kindergarten. Erst 1951 wurde in einer Wohnbaracke, die von der Deutschen Wehrmacht für den „Bund Deutscher Mädchen“ am ASKÖ-Sportplatz errichtet worden war, eine Kindergartenstätte eingerichtet. Doch nicht lange, denn im Jahr 1953 wurde abermals gesiedelt. Es waren richtige Wanderjahre, die der Kindergarten seit seiner Entstehung in Kauf nehmen musste. Aber endlich kam er nun wieder zurück in die Badgasse – wenn das Gebäude allerdings auch teilweise mit der Berufsschule, Bauernschule und Hauptschule geteilt werden musste. Außerdem wurde es für Wohnzwecke genutzt. So hatten beispielsweise einige Lehrerinnen der HBLA (damals Nähfachschule) Zimmer angemietet.

Weitere Meilensteine

1956 erwarb die Stadtgemeinde Oberwart von der Republik Österreich das Gebäude in der Badgasse 4. Von 1985 bis 2014 gab es eine Kleinkinderkrippe für Zwei- bis Dreijährige. 2014 wurde dann ein Neubau für die Kinderkrippe in der Badgasse 12 (also einige Meter weiter südlich) errichtet.

Um den wachsenden Erfordernissen gerecht zu werden, wurden im Städtischen Kindergarten immer wieder Umbauarbeiten durchgeführt. Betritt man den Garten des Kindergartens, fallen sofort die markanten runden Glaselemente ins Auge. Die beiden alten Weinreben, die heute unter den Glasrundbögen gedeihen, hätten 1995 dem Zubau eigentlich zum Opfer fallen sollen. Glücklicherweise ließen sich die Planer von der Besonderheit dieser Gewächse überzeugen und so wurde das moderne Glaskonstrukt angefertigt. Heute spenden die Reben im Sommer einen kühlen Schatten, im Herbst freuen sich die Kinder über die saftigen Weintrauben.
Insgesamt werden aktuell 200 Kinder von 19 Kindergartenpädagoginnen und 10 Helferinnen betreut. Neben dem Städtischen Kindergarten gibt es in Oberwart auch den Übungskindergarten sowie den Montessori Kindergarten.

 

Beitrag aus Ausgabe 06/2018


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