Geschichten vom Katholischen Friedhof

Ein Spaziergang führt Reiseleiter Willi Hodits diesmal zum Katholischen Friedhof in Oberwart. Ein Ort mit vielen besonderen Plätzen.
Ing. Wilhelm Hodits

Kleine Grabstätten ohne Einfassung am Fuß des Hanges

 

Sechs Friedhöfe hat Oberwart heute. Bis zum Jahr 1778 waren die Verstorbenen der Katholiken, der Reformierten und auch der Evangelischen auf einem Friedhof (heute nicht mehr vorhanden) um die alte Katholische Kirche begraben. Heute hat der Katholische Friedhof in Oberwart nicht nur eine interessante Historie, er spiegelt auch den Wandel unserer Zeit wider. Immer mehr Gräber wurden in den 1980-er Jahren mit Steinplatten zugedeckt. Viele Angehörige entschieden sich dafür, weil sie woanders lebten oder vom Alltag so beansprucht waren, dass kaum Zeit für eine intensive Pflege der Gräber blieb. So entstand eine Anhäufung von „Plattengräbern“ im oberen Teil des Friedhofes.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beschloss die Pfarrgemeinde Oberwart 1997 am Fuße des Hanges kleinere, würdevolle Grabstätten (Wiesengräber) zu errichten.
Ein Kreuz oder ein kleiner Grabstein sollen das Grab zieren. Eine Einfassung der Gräber gibt es nicht. Für die Pflege des Rasens sorgt die Pfarrgemeinde, wodurch die Angehörigen beruhigt sein können, dass die Grabstätten ihrer Verstorbenen auch regelmäßig gepflegt werden. Auf einer kleinen Fläche vor dem Grabstein besteht die Möglichkeit für Blumen und Kerzen. Doch so leicht war es nicht, dieses Vorhaben durchzusetzen. Zwei Jahre hat es gebraucht, bis diese kleineren Grabstätten akzeptiert wurden.
Heute finden sich in diesem Bereich auch die Urnengräber und immer mehr Angehörige entscheiden sich für eine Ruhestätte ihres Verstorbenen in diesem natürlich gehaltenen, aber sehr würdevollen und gepflegten Teil des Friedhofes.

Besondere Plätze
Wie jeder Friedhof hat auch dieser seine Besonderheiten. Die Totenhalle wurde bereits 1933 errichtet. War es damals noch üblich, die Verstorbenen daheim aufzubahren, bot die Pfarrgemeinde in Oberwart mit der Totenhalle die Möglichkeit, den Verstorbenen hier, vor seiner letzten Ruhestätte zu betrauern. Das lag vor allem daran, weil in vielen Wohnungen einfach kein Platz war für das Totenzeremoniell. Man berichtet heute noch von einem Musiker, der tagelang neben dem Leichnam seiner Gattin in der Halle musiziert haben soll.
Seit den 1970-er Jahren wird die Halle als Lagerraum verwendet. Ein Gebäude mit dieser Geschichte wäre jedoch sicherlich ein geeigneter Ort für eine Gedächtnisstätte der verstorbenen Priester- und Ordensleute Oberwarts.
Eine Grabstätte weist auf die Tätigkeit der Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul hin. Sie waren von 1911 bis 1978 als Pflegerinnen im Krankenhaus tätig. Alle Gräber der einstigen Schwestern wurden aufgelöst. Aber ein einzelnes eisernes schwarzes Kreuz erinnert an ihr Schaffen in Oberwart.

Wenige Schritte daneben steht man vor dem weißen Kreuz des Katholischen Friedhofes. Der Zentralpunkt, könnte man meinen. Ein gewisser Andreas Rába hat dieses Kreuz im Jahr 1884 gestiftet. Davor stand hier ein einfaches Holzkreuz.
Eine besondere Grabstätte muss der interessierte Besucher des Friedhofes unbedingt noch besichtigen. Es ist das Heldengrab von sechs Soldaten des Ersten Weltkrieges. Gleich daneben, in einem kleineren Grab, ist ein Leutnant begraben. Gepflegt werden diese Grabstätten vom Verein „Schwarzes Kreuz“. Diese Soldaten, die im Krankenhaus Oberwart verstarben, waren die letzten heimatlosen Soldaten, die am Katholischen Friedhof begraben wurden. Als in Oberwart der Gemeindefriedhof 1917 errichtet wurde, fanden ab diesen Zeitpunkt hier alle Namen- und Heimatlosen ihre letzte Ruhestätte.

Beitrag aus Ausgabe 10/2017


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

Einen Kommentar hinterlassen: