Gesundheitszentrum Oberwart

Ein Gesundheitszentrum direkt neben dem Krankenhaus - das macht Sinn. Doch eigentlich sollte das GHZ in Oberwart an einem ganz anderen Platz gebaut werden. So hatten es zumindest die „Gründungsväter“ geplant. Doch wie so oft kam dann doch alles anders.
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: Ing. Wilhelm Hodits

Das GHZ Oberwart ist seit 20 Jahren ein unersetzbarer Knotenpunkt für die medizinische Versorgung der ganzen Region. Ende der 1970-er Jahre entwarf Heinrich Gimbel ein Modell für ein Ärztezentrum in Oberwart. Erst 16 Jahre später entstand das Gesundheitszentrum.

 

Die große Eingangstür des Gesundheitszentrums in der Röntgengasse in Oberwart muss schon stabil gebaut sein, denn etliche hundert Besucher gehen hier täglich ein und aus und die großen Glasschiebetüren kommen dabei kaum zur Ruhe. Kein Wunder, denn zahlreiche medizinische Fachrichtungen (inkl. Physiotherapie und Massage) sind hier angesiedelt und umsorgen die Patienten in sämtlichen gesundheitlichen Belangen. In den letzten Jahren ist das GHZ auch um eine Steuerberatungskanzlei und um zwei Unternehmen aus der Medienbranche gewachsen.
Wie jedes Gebäude hat auch das GHZ in Oberwart seine eigene, interessante Geschichte, die in diesem Fall in den 1970-er Jahren begann.
Vier bekannte Oberwarter Fachärzte hatten damals die Idee, in Oberwart ein modernes Ärztezentrum zu errichten. Dahinter standen der Urologe Dr. Lutz Popper, der Orthopäde Dr. Roland Böbel, der Hautarzt Dr. Alfred Kapper und der Radiologe Dr. Mathäus Vitsich.
Ein passendes Grundstück zu finden, war aber gar nicht so einfach. Zuerst verhandelten die Ärzte mit der Katholischen Kirche und dann mit der Gemeinde Oberwart. In beiden Fällen verliefen die Gespräche ergebnislos. Erst im Zuge der ersten Grundzusammenlegung Mitte der 1970-er Jahre kam die Gemeinde in den Besitz eines Grundstückes in der Straße Linkes Pinkaufer, das dafür in Frage kam. In der umgangssprachlich bezeichneten „Diskostraße“, südlich des „Burgerbusses“ (zwischen den damaligen Diskotheken Decker und Hermann), war in den 1970-er Jahren also das Ärztezentrum vorgesehen. Der Oberwarter Architekt Heinrich Gimbel hatte bereits ein Modell für diesen Standort entworfen.

Der erste Anlauf
Das geplante Ärztezentrum wäre in den 1970-er Jahren absolut seiner Zeit voraus gewesen. Den Initiatoren schwebte vor, dass alle Oberwarter Ärzte sukzessive ihre Ordinationen in dem Ärztezentrum eröffnen sollten. Deshalb hätte das Gebäude auch beliebig erweitert werden können. Der Baukomplex hatte in der Mitte ein Empfangszentrum mit einem Wartebereich und einer Kinderspielecke vorgesehen. Auch ein Café und eine Dachterrasse waren geplant. An diesen zentralen Bereich waren die Behandlungsräume in Quaderform angeordnet. Geplant war, dass die Patienten im Empfangsbereich registriert und dann zur jeweiligen Fachordination weitergeleitet werden sollten. Auch eine Tagesklinik war in diesem Zentrum vorgesehen.
Der Bau sollte von der WBO (Wohnbaugenossenschaft Ost) errichtet werden. Doch Anfang der 80-er Jahre schlitterte die WBO, wie ja bekannt ist, in den Konkurs. Da das Grundstück bereits an die Baugenossenschaft übertragen war, musste die Gemeinde dieses aus der Konkursmasse zurückkaufen – und das dauerte. Der Plan eines Ärztezentrums landete also in der Schublade und es sollte 16 Jahre dauern, bis die Idee eines Gesundheitszentrums wieder aufgegriffen wurde.

Das Grundstück
Nach der Fertigstellung der Kaserne in Oberwart im Jahr 1932 wurde unter anderem auch auf dem heutigen GHZ-Areal in der Röntgengasse ein Truppenübungsplatz errichtet, der bis 1978 in Betrieb blieb.
Danach gab es viele Pläne für das Areal. Anfang der 80-er Jahre war eine Art Erholungsgebiet geplant – mit Park, Fitness-Parcours, Kinderspielplatz, Naturlehrpfad und dergleichen für die Bevölkerung, aber auch für die Patienten des Krankenhauses. Sogar ein Campingplatz war vorgesehen.
Jahre später war auch die Feuerwehrzentrale auf diesem Areal angedacht. Keines der Projekte wurde aber forciert.
Erst 1998 war die Zukunft des Areals dann besiegelt.

Das GHZ entsteht
Es war der 15. September 1998, als die „Bauherrengemeinschaft Gesundheitszentrum Oberwart, Errichtungs-OEG“ von der Gemeinde das Areal in der Röntgengasse erwarb. Ein Jahr später wurde der Baubescheid für den ersten Bauabschnitt des Gesundheitszentrums ausgestellt. Heute umfasst das GHZ Oberwart elf Ordinationen, eine Tierarztpraxis, fünf weitere Geschäftslokale und 23 Wohnungen.
2002 folgte der zweite Bauabschnitt (in Richtung des Friedhofs der Sowjetarmee) mit 28 Wohnungen.

Wollte man am GHZ etwas verändern, dann wäre es wohl die Parksituation. Das hohe medizinische Angebot führt täglich zu einer enormen Besucherfrequenz. Hinzu kommt, dass auch viele Besucher des Krankenhauses vor dem GHZ parken.
Das Gesundheitszentrum Oberwart ist in der medizinischen Versorgung des Südburgenlandes jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Durch die Wohnungen, die hier geschaffen wurden, ist es aber auch der Inbegriff für einen beliebten Lebensraum.

Beitrag aus Ausgabe 01/2018


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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