Legendäre Zeitungsgeschichte

Zeitungen sind meinungsbildend und Zeitzeugen der Geschichte. Oberwart hat im vorigen Jahrhundert mit der „Oberwarther Sonntags-Zeitung“, aus der später die legendäre OZ hervorging, nicht nur das Land mitgestaltet. Damit wurde auch Geschichte geschrieben.
Ing. Wilhelm HODITS / 29. November 2018
Foto: Prima!

Von 1880 bis 1947 erschien die Oberwarther Sonntags-Zeitung. Dannach wurde sie in die Oberwarter Zeitung umbenannt.

 

Der Oberwarter Ludwig Schodisch gründete die „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ im Jahr 1880 als „nichtpolitisches Wochenblatt“, das jeden Sonntag, großformatig in A3, erschien. Ludwig Schodisch hatte bereits im Jahr 1876 eine kleine Buchdruckerei in der heutigen Grazerstraße 49 geführt (im Nebengebäude war später die Fleischerei Benkö und danach die Bar von Otto Heigl und Alfons Pagany). Dass die Zeitung in deutscher Sprache erschien, war damals mehr als ungewöhnlich. Die Amtssprache war Ungarisch und die Regierung setzte alles daran, die Landessprache zu schützen. Ludwig Schodisch stellte deshalb gleich in der ersten Ausgabe im Vorwort klar, dass man sehr wohl die ungarische Landessprache schätze und ehre und das Vaterland liebe.

Es war aber eindeutig, dass die Zeitung gegen die Magyanisierung der deutschsprachigen Bevölkerung vorging. Doch die Redaktion der „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ positionierte sich offiziell als Blatt der verschiedensten Vereine, wogegen die Regierung nicht vorgehen konnte. Im Laufe der Jahre erschienen aber immer mehr Artikel über wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Vorkommnisse. Heute geben auch die Werbeeinschaltungen ein aufschlussreiches Zeugnis über die Geschäfte und Berufssparten der damaligen Zeit.

Goldene Zeiten

Die „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ wurde bis zum Jahr 1911 von Ludwig Schodisch geführt. In diesem Jahr kaufte der Oberwarter Friedrich Reiß die Zeitung und die Druckerei, baute ein eigenes Objekt in der damaligen Tempelgasse (heute Ambrosigasse 5) und übersiedelte die Redaktion und die Druckerei in das neue Gebäude, in dem er auch ein Bücher- und Papierwarengeschäft führte. Nach dem Ersten Weltkrieg verpachtete Friedrich Reiß die Druckerei an die Styria Graz. 1931 wurde der Standort Oberwart von dieser aber überraschend aufgelassen.

Doch die Druckmaschinen blieben nicht lange still, denn Alois Gräml kaufte die Druckerei samt der „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ und führte sie bis 1936. Als er verstarb, war sein Sohn Hugo noch zu klein, um das Erbe antreten zu können. Interimsmäßig sprang also dessen Tante, Käthe Pankowski-Fuith, ein, die das Blatt und die Druckerei bis zum Kriegsende 1945 leitete.

Aus „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ wird Oberwarter Zeitung

Nachdem Hugo Gräml 1946 aus der englischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, machte er mit dem angestellten Schriftsetzer Josef Fuith einen Gesellschaftsvertrag und so wurde die Firma auf den Namen „Gräml und Fuith“ geändert. Später übergab Hugo Gräml auch seine Anteile an Josef Fuith, der damit Alleineigentümer der „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ wurde. Zeitgleich wurde der Name auch auf „Oberwarter Zeitung“ geändert und der Erscheinungstag auf Freitag verlegt.

Über 20 Jahre lang war die „Oberwarter Zeitung“ ein fixer Bestandteil in den regionalen Haushalten. Als Josef Fuith dann Ende der 1960-er Jahre schwer erkrankte, übernahmen seine beiden Neffen kurzfristig die Leitung der Druckerei – bis diese im Jahr 1970 in den Konkurs schlitterte. Doch das sollte noch längst nicht das Ende des Blattes sein.

Die Ära Steflitsch

Der Oberwarter Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Steflitsch und seine Frau Gertrude übernahmen noch im Jahr 1970 die „Oberwarter Zeitung“ von Josef Fuith und damit begann die Ära der legendären OZ, die jeden Mittwoch über 25 Jahre lang erschien. Die Redaktion der OZ wurde in die Ganghofergasse 3 und die Druckerei in die Steinamangererstraße 57 (blaues Haus, das vor einigen Wochen abgetragen wurde) verlegt. Für die Gestaltung engagierte das Ehepaar Steflitsch den Oberwarter Grafiker Erwin Morawitz. Die OZ bezeichnete sich selbst als vollständig unabhängige Zeitung, die Redakteure und Mitarbeiter seien nur ihrem Gewissen verpflichtet.

Sie wurde auch in Eisenstadt spürbar wahrgenommen, denn es wird berichtet, dass bereits am Dienstag im Landhaus ängstlich spekuliert wurde, wer von Wolfgang Steflitsch ins Visier genommen wurde. Steflitsch war dafür bekannt, dass er sich kein Blatt vor den Mund nahm. Oftmals auch auf Kosten einer neutralen Berichterstattung, wie Kritiker behaupten.

Die legendäre Gautschfeier

Dem Ehepaar Steflitsch ist es zu verdanken, dass am 7. September 1996 ein letztes Mal der alte Buchdruckerbrauch des Gautschens am Hauptplatz in Oberwart durchgeführt wurde. 36 frisch gebackene Buchbinder, Drucker und Setzer wurden im Zuge einer feierlichen Zeremonie, bei der die Teilnehmer in mittelalterlichen Gewändern auftraten, unter dem Gelächter zahlreicher Zuschauer in einen Wasserbottich getaucht. Anschließend mussten sie aus einem Tonkrug ein Maß Bier trinken und es wurde ihnen der Gautschbrief vorgelesen. Auch der bekannte Oberwarter Unternehmer Thomas Barabas (Beschriftung Barabas) war unter den Gesellen.

Das Ehepaar Steflitsch führte die OZ noch weitere sechs Jahre, bis zum Jahr 2002. Mit der Pensionierung von Gertrude Steflitsch war dann das Ende der legendären OZ besiegelt.


Friedrich Reiss war 20 Jahre lang Herausgeber der Oberwarther Sonntags-Zeitung.

1970 begann unter Steflitsch die Ära der OZ.

Seinen Beweggrund zur Herausgabe der OZ lesen Sie in folgendem Statement (die 3 Bilder unterhalb):


Das Gautschfest

Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Buchdruckerbrauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht und/oder auf einen nassen Schwamm gesetzt wird.

In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der Begriff „Gautschen“ den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers, das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage. Dem Lehrling wird nicht mitgeteilt, wann genau er gegautscht wird. Gelingt es ihm nämlich, den Packern und somit dem Gautschen zu entfliehen, muss er das Gautschfest nicht selber bezahlen.

Auf den Ruf des Gautschmeisters „Packt an!“ wird der Jünger gefasst, in eine mit Wasser gefüllte Bütte oder, wenn die Beteiligten es weniger drastisch gestalten wollen, auf einen mit Wasser durchtränkten Schwamm gesetzt. Bei manchen Druckereien wird zur Taufe ein in der Nähe des Betriebes liegender Brunnen herangezogen. Jedenfalls muss zumindest dafür gesorgt werden, dass das Hinterteil gehörig angefeuchtet wird. Da aber der Jünger sich oft tapfer wehrt, um sich schlägt und beißt, gelingt das Anpacken oft nicht auf den ersten Angriff. Je mehr er sich wehrt, desto mehr wird er auch noch von oben herab begossen, sodass der Jünger am ganzen Körper pudelnass wird.

Während des Gautschens hält der Schwammhalter eine launige Ansprache an den Jünger und das umstehende Publikum.

Dazu der Text eines Gautschbriefes (hier als Beispiel von der VEB Graphischen Kunstanstalten in Leipzig vom 28. Juni 1952): „Von Gutenbergs Gnaden thun wir Jünger Gutenbergs zu Leipzig jedem unserer Kunstgenossen kund und zu wissen / dass der Jünger der wohledlen Buchdruckerkunst Eckert, Paul nach altem Brauch und Herkommen heut mit Zuziehung der Gesellen untbenamster Offizin die Wassertauf ad posteriora erhalten hat und damit in sämtliche uns von dem Kaiser Friedrich III. verliehenene Rechte und Privilegien eingeführet ist. Kraft derselben gebieten wir allen unseren Kunstgenossen obenbenamsten Jünger Gutenbergs als ehrbaren Schwartzkünstler und rechtmäßigen Gesellen anzuerkennen.“

In einem anderen Gautschbrief aus Bern um 1900 heißt es: „Den alten Kunstgebrauch zu ehren, Thät er sich weder sträuben noch wehren. Erhielt die üblichen drei Stöße auf den Arsch. Und zappelte dabei wie ein Barsch. Darauf bezahlte er blank und bar Das altbekannte Gautschhonorar.“

Den Gautschbrief, der seine Taufe als Jünger Gutenbergs bestätigt, erhält der Gäutschling erst am Gautschfest, zu dem er seine Betriebskollegen nach der Gautschete einzuladen hat.
Quelle: Wikipedia



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