Oberwart und die Apotheken

Oberwart im Jahr 1831. Sie würden die Stadt kaum wiedererkennen. In jedem Fall aber würden Sie sicher an der Apotheke vorbeilaufen, denn diese war an einem völlig anderen Standort, als sie es heute ist.
Ing. Willi Hodits / 30. Juli 2018
Foto: Alexander Mohat

Hauptstraße 116 lautete die Adresse der ersten Apotheke in Oberwart und heute findet man an dieser Stelle das Fahrradgeschäft „Radhaus“ in der Steinamangererstraße 19. Die Konzession wurde an Kasimir Balásovits vergeben, der somit als der erste Apotheker Oberwarts gilt. Laut einer Erhebung des Komitats Vás im Jahr 1842 wohnten damals 15.950 Menschen im Bezirk. In Oberwart waren drei Ärzte tätig und die nächsten Apotheken waren in Pinkafeld und in Stadtschlaining, was von Oberwart aus einen Fußmarsch von über zwei Stunden bedeutete. Es war also sehr beschwerlich für die Menschen damals, an Medikamente zu kommen und die Existenz einer Apotheke in Oberwart war durchaus gerechtfertigt. Von Beginn an hieß die Apotheke „Zur ungarischen Krone“ und die Krone hat sich die Apotheke bis heute in ihrem Namen behalten.

Im Jahr 1861 waren die Oberwarter und die Bewohner der angrenzenden Dörfer dann mehr als froh über ihre Apotheke, denn eine Typhusepidemie war ausgebrochen und nur durch die rasche Einnahme der notwendigen Medikamente konnte diese bekämpft werden.

Übersiedelung

Um 1894 wurde die Apotheke in das Haus Nummer 617 verlegt. Heute befindet sich hier das Büromaschinengeschäft Terpotiz in der Wiener Straße 12. Gebaut wurde das Haus vom damaligen Gastwirt Sándor Ulreich, der im gegenüberliegenden Gebäude sein Gasthaus führte. Diese Apotheke wurde von einem gewissen Geza Bardossy in Pacht übernommen. Lange führte dieser die Apotheke nicht. Am 12. Mai 1899 heiratete er im Alter von 45 Jahren und verstarb bereits zehn Tage später. In den folgenden Jahren waren es verschiedene Apotheker, die das Geschäft führten. Vor allem bis zu den Jahren des 2. Weltkrieges fand ein reger Wechsel statt. Im Jahr 1928 wurde die Apotheke in „Kronen-Apotheke“ umbenannt. Während der Kriegsjahre war sie im Besitz von Eugen Bakos, der kein Sympathisant der Nazis war und seine Apotheke deshalb beinahe verloren hätte. Nach dem Krieg war es schwierig, die von den Russen geplünderte Apotheke wieder in Betrieb zu nehmen. Lange fand sich dafür niemand. Erst im Feber 1946 eröffnete Alois Brinke das Geschäft. Sein Hund war stets an seiner Seite und dieser soll in Oberwart angeblich bekannter gewesen sein, als sein Herrl.

Eine neue Ära

1958 starb Alois Brinke unerwartet und sein Schwiegersohn Georg Glöckner übernahm die Leitung. 1962 übersiedelte er an den heutigen Standort in die Schulgasse und hat hier die Apotheke über viele Jahrzehnte geführt. Georg Glöckner war in Oberwart nicht nur als Apotheker bekannt. Er war auch ein exzellenter Sportler und nahm an zahreichen Wettkämpfen teil. 1995 ging er in Pension und Norbert Windisch übernahm die Kronen-Apotheke, die er bis heute führt.

Nach langen Verhandlungen mit der Behörde gibt es seit 1994 auch in der Linken Bachgasse eine Apotheke, die von Josef Gans aus Lutzmannsburg geführt wurde. Nach dessen Pensionierung 2008 wurde die Apotheke von Andrea Windisch, der Gattin von Norbert Windisch, erworben und ist unter dem  Namen Bach-Apotheke bekannt. Seit 2012 gibt es auch eine Krankenhausapotheke im LKH für Spitals-Patienten. Bis zu diesem Zeitpunkt war auch die Kronen-Apotheke dafür zuständig. Die beiden Stadt-Apotheken haben immer abwechselnd Bereitschaftsdienst.  

Quellennachweis: Bgl. Forschungen, Hgs.vom Bgld. Landesarchiv, Heft 68, Kurt Ryslavy, Seite 187-195

 

Beitrag aus Ausgabe 08/2018


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