Oberwart und seine Kinos

Das Gloria Kino in Oberwart war über Generationen ein wichtiger Treffpunkt, der das Leben der Menschen bereichert hat. Doch die Kinogeschichte der Stadt ist viel umfangreicher, als mancher meint.
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: Bgld. Landesarchiv Eisenstadt aus der Diplomarbeit von Mag. Julia Pinter

In der Diplomarbeit von Mag. Julia Pinter über die Kinogeschichte des Burgenlandes ist unter anderem auch das erste Kino in Oberwart – das Parkkino – erwähnt. In den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden hier samstags und sonntags Stummfilme vorgeführt. Später wurde auf diesem Standort das heutige Finanzamt errichtet.

 

Der 30. September 1933 – ein bedeutsamer Tag für das gesellschaftliche Leben Oberwarts. Das Gloria Tonkino feierte seine offizielle Eröffnung und in den kommenden Jahrzehnten entwickelte es sich zu einem bedeutenden Besuchermagnet. Die Geschichte des Kinos begann in Oberwart aber viel früher. Noch bevor es in Europa überhaupt zu ortsfesten Kinos kam, gab es sogenannte Wanderkinos und auch in Oberwart ist der Betrieb eines solchen vom 25. November bis 3. Dezember im Jahr 1911 belegt. Wer glaubt, dass das Gloria Kino das erste Kino in Oberwart war, der irrt.

Film statt Finanzamt
Das „Parkkino Felsöör“
Dort, wo heute das Finanzamt in Oberwart steht, war einst das erste ortsfeste Kino. Damals stand hier eine alte gemauerte Baracke aus dem 1. Weltkrieg, in der die Filmvorführungen stattfanden. Außen war die Bezeichnung „Parkkino Felsöör“ angebracht. Aufgrund dieser ungarischen Ortsbezeichnung liegt die Vermutung nahe, dass es bereits vor 1921 in Betrieb genommen wurde (siehe Foto). Dieses Kino hatte 181 Plätze. Jeden Samstag und Sonntag wurden Stummfilme vorgeführt. Ein gewisser Vojta begleitete diese mit einem Klavier vor Ort.
Der Besuch einer Filmvorführung war aber nur eines der Vergnügungen auf diesem Areal des Parkkinos. Gleich daneben gab es ein Ringelspiel eines gewissen Herrn Zeiser, das von einigen starken Männern angetrieben wurde. Auch Verkaufsstände muss es gegeben haben.
Nachdem das Parkkino wegen verschiedener Mängel 1930 geschlossen wurde, übertrug der „Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs“ im Jahr 1932 die freie Kinokonzession an Albert Gustav Müller um 2.800 Schilling auf die Dauer von sechs Jahren. Diese wurde bereits für das geplante Gloria Tonkino vergeben.
Die Geschichte des alten Parkkinos bekam noch eine grausige Wende. Während der Naziherrschaft wurde es als Gefängnis für Gegner des Nationalsozialismus benützt. Hier wurden die Gefangenen gedemütigt, gefoltert und auf besonders grausame Art behandelt.

Das Gloria Tonkino
Die Geschichte des bekannten Kinos beginnt im Jahr 1932, als die beiden Ingenieure Albert Gustav Müller, (der ja die Kinolizenz erworben hatte) und Alexander Nádai gemeinsam das Grundstück in Oberwart, in der heutigen Lisztgasse, kauften. Das Kino, das sie dort errichteten, entsprach damals dem modernsten Standard. Kein Wunder – Alexander Nádai war Techniker für Kinoangelegenheiten und ein Experte auf diesem Gebiet.
Bereits ein Jahr später, an besagtem 30. September 1933, wurde es eröffnet und hatte 314 Holzklappstühle und 12 Logenstühle. Die Filmvorführungen fanden dienstags, mittwochs, samstags und sonntags statt. Die Eintrittspreise reichten von 2 bis 8,50 Schilling.
Die Zusammenarbeit der beiden Kinobesitzer währte nur bis zum Jahr 1938. Als nach der Machtübernahme der Nazis bekannt wurde, dass Alexander Nàdai Jude war, musste er flüchten. Seine Nachkommen leben heute in den USA. Albert Gustav Müller wurde als NSDAP Mitglied alleiniger Eigentümer des Kinos. Von den Nazis wurde das Gloria Kino für Propagandazwecke missbraucht.

Das Ende der dunklen Jahre
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm das Gloria Kino am 9. Juni 1946 wieder seinen Betrieb auf. Inhaber war immer noch Albert Gustav Müller. Über eine Wiener Rechtsanwaltskanzlei strebte Alexander Nádai die Restituierung seines Besitzs an und gewann den Prozess auch. Er bekam die Anteile seines ehemaligen Partners zugesprochen und ging als Alleineigentümer des Gloria Tonkinos hervor – kam aber selbst nie wieder nach Oberwart. Im Jahr 1961 verkaufte Alexander Nádai das Kino schließlich an Eduard Gareis. Bereits im Jahr 1948 tauchte dieser im Zusammenhang mit dem Gloria Kino auf. Er war gelernter Elektriker und im Gloria Kino damals als Vorführer beschäftigt. Mit ihm erlebte das Tonkino in Oberwart seine Hochblüte.

Die goldenen Jahre
Mitte der 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts setzte ein wahrer Kinoboom ein.
Die Oberwarterin Ella Tischler erkannte den Geist der Zeit und errichtete im Jahr 1960 ein „neues“ Parkkino in der Bahnhofstraße, das 390 Sitzplätze hatte. Im oberen Stock war ein Cafe – das legendäre Parkcafe
Mit dem Parkkino selbst war es 1972 aber schließlich zu Ende. Heute befindet sich an dieser Stelle unter anderem ein Wettcafé.
Das Gloria Kino hingegen lebte richtig auf. Beliebt war auch die im oberen Stock gelegene Kantine. Von 1933 an wurde sie von einer gewissen Frau Gangoly geführt. 1974 wurde die Kantine zum Tanzcafe umgebaut, das vom Oberwarter Ehepaar Leeb bis 1986 betrieben wurde. Danach wurde daraus ein Billardcafe, bis es 1993 von Eduard Gareis zum zweiten Kinosaal ausgebaut wurde.
Das Ende des Gloria Kinos war eingeleitet, als im Jahr 2008 das Dieselkino in Oberwart eröffnet wurde, das dem modernen Zeitgeist entspricht.
Eduard Gareis verkaufte sein legendäres Tonkino schließlich am 18. Juli 2014 an die Freie Christengemeinde-Pfingstgemeinde Elim und an die rumänische Pfingstkirche Betel. Das Gloria Kino hat vielen Generationen unterhaltsame und wertvolle Momente beschert. Mit seiner Schließung ging eine besondere Ära in Oberwart zu Ende.

Beitrag aus Ausgabe 08/2017


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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