Verneigung vor einem Baukulturgut

„Ausgezeichnetes Arkadenhaus 1975“ - dieses Schild glänzt an der Fassade des Hauses von Gustav Brunner in der Oberwarter Raimundgasse - verliehen von der Stadtgemeinde. Grund genug, für einen Besuch.
Ing. Wilhelm HODITS / 02. Jänner 2019
Foto: Willi Hodits

Das Arkadenhaus in der Raimundgasse in Oberwart wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Von wem, ist leider unbekannt. Um das Jahr 1990 wurde das Arkadenhaus von Gustav Brunner generalsaniert. Auch die 200 Jahre alte Holzdecke im Wohnbereich ist im Originalzustand.

 

Über den Erbau dieses außergewöhnlichen Hauses ist nicht viel bekannt. Es dürfte wohl Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Die erste bekannte Eigentümerin war Maria Brunner, die Urgroßmutter des heutigen Besitzers Gustav. Das Arkadenhaus ist als Doppelhakenhof angelegt. Eine Bauform, die man heute selten zu Gesicht bekommt. Imposant ist das Eingangstor, das segmentbogenförmig auf der Straßenseite den Besucher empfängt.

Es erfordert schon ein wenig Kraft, dieses große Holztor zu öffnen – beinahe ein wenig Respekt einflößend wirkt es. Wer ein Auge für Architektur hat, dem wird die Decke der Einfahrt sofort auffallen, denn diese zeigt eine Gewölbekonstruktion, wie sie heute kaum mehr zu sehen ist.

Im Innenhof kommt der Doppelhakenbau voll zur Geltung. Auf der Südseite der Einfahrt befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Schusterwerkstätte von Ludwig Brunner, dem Onkel des heutigen Eigentümers Gustav Brunner. Dieser kann sich heute noch gut daran erinnern, welch Freude es ihm und seinen Schwestern Mitzi und Helga bereitete, Holznägel in die Schusterbank zu schlagen. Bis dem Onkel das Treiben zu bunt wurde und die Kinder aus der Werkstatt verbannt wurden. Heute wird dieser Trakt als Gästezimmer verwendet.

Das angebaute Waschkesselhaus wurde nicht nur zum Wäscheauskochen genützt. Angeblich spielte es auch eine zentrale Rolle, wenn es ums Schnapsbrennen ging. Aber darüber schweigt die Chronik wohlweislich.

Im rechten Trakt war der Wohnraum – und ist es heute noch. Wenn die gesamte Brunner-Familie zusammentraf, dann wurde der Schlafraum schon mal zum Wohn- und Speiseraum umfunktioniert und ordentlich gefeiert.

Wie es bei den Arkadenhäusern üblich ist, waren natürlich auch die obligate Tenne und landwirtschaftliche Lagerräume vorhanden. Schweine- und Hühnerstall gab es hier bis in die 70-er Jahre und natürlich einen großen Misthaufen. Das gibt es alles längst nicht mehr, doch worüber sich der Hausherr besonders freut, ist der Brunnen, der auch heute noch in Verwendung ist.

Das Wohngefühl in diesem Arkadenhaus ist einzigartig. 90 Zentimeter dicke Außenmauern und 60 Zentimeter dicke tragende Innenwände, die aus gebrannten Ziegeln hergestellt wurden, sorgen für ein unvergleichbares Raumklima.

Die Türrahmen sind übrigens im Originalzustand mit einer Höhe von 1,70 Metern erhalten. Beim Durchgehen, muss man somit immer den Oberkörper ein wenig bücken – als würde man sich verneigen. Dem Eigentümer gefällt dies, denn für ihn ist dies eine Art Ehrbekundung gegenüber dem Erbauer dieses besonderen Hauses.



Die Geschichte der Arkadenhäuser:

 

 

Quelle: Die Obere Wart. Festschrift zum Gedenken an die Wiedererrichtung der Oberen Wart im Jahre 1327 Triber, Ladislaus [Bearb.]. Stadtgemeinde Oberwart [Hrsg.]. – Oberwart (1977)


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