Von der Synagoge zur Musikschule

Die Musikschule Oberwart hat seit jeher großartige Musiker hervorgebracht und ist eine angesehene Vorbereitung auf ein Musikstudium. Die Geschichte des Gebäudes verdient jedoch einen kritischen Blick.
Ing. Willi Hodits
Foto: zVg

Die Musikschule vor 1945 mit dem Büro der Bezirkssteuerbehörde – und heute mit der ehemaligen Synagoge und dem Zubau

664 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Zentralmusikschule Oberwart. 30 Lehrer unterrichten hier und es gibt kaum ein Instrument, das man in dieser Einrichtung nicht erlernen kann. Würde Ernst Tölly heute diese Zahlen hören, er würde seinen Ohren nicht trauen.
Als die Volksmusikschule Oberwart 1947 eröffnet wurde, wurde er zum ersten Leiter bestellt. Davor gab es schon seit 1940 eine Kreismusikschule, die in der Hauptschule angesiedelt war und vom damaligen HS-Direktor Tobias Schuh (Großvater des Mediziners Klaus-Peter Schuh) mitbetreut wurde.
Mit 40 Schülern und drei Lehrkräften startete 1947 also die Volksmusikschule ihre Erfolgsgeschichte. Unterrichtet wurden anfangs nur Klavier und Gesang. Ein Jahr später, also 1948, kamen Violine, Akkordeon, einige Blasinstrumente und Zither dazu. Kalt soll es in den Klassenräumen immer gewesen sein. So kalt, dass die Finger der Schüler im Winter dermaßen steif wurden, dass das Spielen der Instrumente schwierig war.

Die Ära Messner
Mit der Übernahme der Schulleitung durch Karl Messner im Jahr 1956 wurde auch der lang ersehnte Standortwechsel durchgeführt. Die Musikschule Oberwart zog von der Hauptschule in die Evangelische Kirchengasse 3. In jenes Gebäude, in dem bis 1955 die russische Kommandatur ihren Sitz hatte. Davor, bis zum Jahr 1945, war hier das Büro der Bezirkssteuerbehörde. Natürlich freute man sich über ein eigenes Gebäude – aber ganz für sich hatte es die Musikschule dann doch nicht. Immerhin war hier auch das Wasserbaubezirksamt untergebracht und man musste zwei Räume für ungarische Flüchtlinge zur Verfügung stellen.
Unter Karl Messner begann der steile Aufstieg der Musikschule. 1960 wurde er auch Kapellmeister der Stadtkapelle Oberwart. 1976 wurde ihm der Titel „Professor“ verliehen. 32 Jahre dauerte seine Ära als Leiter der Musikschule Oberwart, bis er Ende des Schuljahres 1987/88 in Pension ging.
Als sein Nachfolger wurde Josef Baumgartner bestellt, der das Qualitätsniveau dieser musikalischen Bildungsstätte weiter ausbauen konnte. Unter seiner Führung wurde die Musikschule zur Zentralmusikschule des Bezirkes ernannt.

Verwischte Spuren
Die Platzprobleme wurden damit aber natürlich nicht geringer. Im Gegenteil. Die Gemeinde Oberwart fasste deshalb im Jahr 1996 den Beschluss, die ehemalige Synagoge – die bis zu diesem Zeitpunkt Zentrale der Feuerwehr war – zum neuen Standort der Musikschule um- und auszubauen. Mit der Adaptierung der Synagoge und dem Zubau für die Zentralmusikschule ging gleichzeitig ein wertvolles Monument jüdischer Geschichte Oberwarts verloren. Es hätte möglicherweise als jüdisches Museum oder Stadtmuseum eine würdige Bestimmung finden können. Wer heute im Carl Orff-Saal steht, möge den Blick nach oben richten und daran denken, dass unter dem Deckenanstrich eine Originalmalerei der Synagoge nur darauf wartet, wiedererweckt zu werden. Kritische Stimmen behaupten, dass die Synagoge in Oberwart zwar die Kristallnacht „überlebt“ hat, den Plänen der Gemeinde aber leider nicht standhalten konnte.

Die Entwicklung der Musikschule hatte aber auch mit dieser baulichen Maßnahme 1996 noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht. 2015 wurde das ehemalige Rabbinathaus von der Gemeinde an die Firma BPM GmbH verkauft. Das Gebäude wurde von dieser abgetragen und es wurde auf diesem Grundstück ein Neubau errichtet. Die Gemeinde hat hier eine Fläche von 300 m2 für die Musikschule angemietet. Dennoch soll die Geschichte des Gebäudes die Leistungen der Musikschule keinesfalls schmälern, denn sie gilt über die Grenzen als eine Kaderschmiede für hervorragende Musiker.


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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