Zwei Seelen für ein Haus

Warum das Arkadenhaus am Wehoferbach in Oberwart Generationen verbindet und wie es von zwei Frauen vor dem Abriss „gerettet“ wurde - Willi Hodits hat sich an den Schauplatz begeben.
Ing. Wilhelm Hodits
Foto: zVg

Das Arkadenhaus am Wehoferbach in Oberwart mit dem Altbestand und dem neuen Wohnhaus

 

Es sind die Menschen, die den Gebäuden Leben einhauchen. Häuser bekommen erst durch die Bewohner Charakter. Der alte Spruch „Am Nest erkennt man, um welchen Vogel es sich handelt“, hat schon seine Richtigkeit.
Das Arkadenhaus in der Linken Bachgasse in Oberwart hat eine besondere Verbindung zu seinen Besitzern. Eigentlich hat es sein Bestehen zwei Frauen zu verdanken. Aber dazu später.
Geht man also, von der Johann Strauß-Gasse kommend, die Bachgasse Richtung Norden zur Bachapotheke, kommt man direkt vorbei an diesem Arkadenhaus. Der alte Bestand wurde durch ein weiteres Wohnhaus ergänzt und symbolisiert die Verbindung der Generationen in diesem Haus.

Von anno dazumal bis heute
1883 wurde das Arkadenhaus von dem Ehepaar Sandor und Susana Miklos am Wehoferbach errichtet. Wie es auf alten Luftbildaufnahmen zu sehen ist, handelt es sich dabei um einen typischen Hakenhof – eine Bauweise, die in den eng verbauten Dorfanlagen in der Wart durchaus üblich war. Die Scheune ist quergestellt und schließt so den Hof an der Rückseite ab. Das Ehepaar Miklos betrieb eine kleine Landwirtschaft und gab diese samt Anwesen an seine Tochter Sofie weiter.
Sofie liebte das Haus und bewohnte es bis ins hohe Alter mit ihrem Mann Josef Zambo. Sie sollte später noch maßgeblich dafür Sorge tragen, dass das Arkadenhaus heute noch erhalten ist. Als ihr Sohn Josef Alexander schließlich ins Erwachsenenalter kam, wurde er Eigentümer des Hauses und ist es heute noch. Seine Eltern wohnten aber noch bis zu ihrem Tod darin.

Ein Haus mit Geschichte
Der Eingang ist seitlich angeordnet und führt direkt in den zentralen Raum des Hauses – in die Küche. Hier hat sich seit jeher das alltägliche Leben abgespielt. Der Eingang wird übrigens heute noch von Weinstöcken geziert. Der älteste ist stolze 130 Jahre alt und wird von Josef Alexander und seiner Familie gehegt und gepflegt. Die Reben sind nicht nur Zierde, sondern natürlich auch Traubenlieferant und Nistplatz für die verschiedensten Vögel, die in dem großen Garten ihre Freude haben.

Von der Küche kommt man in den Schlafraum, der anno dazumal auch als Wohnraum diente. Als „schöne Stube“ wurde er bezeichnet. Seitlich davon schließt ein kleines Zimmer an – das Kinderzimmer. Mehr Wohnräume hat das Arkadenhaus nicht, obwohl es von außen relativ groß wirkt. Aber wie es damals üblich war, rückten die Leute ja gerne zusammen und die Geselligkeit hatte damals noch einen anderen Stellenwert.
Rechts von der Küche war der obligate Futterlagerraum und anschließend der Rinder- und Pferdestall.
Direkt an den Viehstall angrenzend war in Hakenform angelegt die Tenne. Sie diente der Lagerung landwirtschaftlicher Geräte. Heute befindet sich hier eine Garage, die ein besonderes Juwel beherbergt – einen Traktor der Firma Porsche aus dem Jahr 1956, den besonders Josef Alexanders Sohn Raphael sehr wertschätzt. Zweimal im Jahr wird er gestartet, um ihn funktionsfähig zu erhalten. Die restliche Zeit scheint er zufrieden dahinzuschlummern. Aber er ist Teil der Geschichte dieses Hauses und wird von den Eigentümern gehegt und gepflegt.
In früheren Zeiten stand im großen Garten zusätzlich noch ein Hühner- und Schweinestall. Die Wasserversorgung wurde durch einen Brunnen sichergestellt.
Als Josef Alexander Zambo das Haus in den frühen 1980-er Jahren übernahm, war es schon sanierungsbedürftig. Ein befreundeter Architekt, der die Bausubstanz begutachtete, kam zur Erkenntnis, dass ein Neubau weitaus billiger käme und riet von einer Sanierung ab.
Seine Mutter Sofie aber liebte dieses Haus und ihr war seine Erhaltung enorm wichtig. Mit ziemlichem Nachdruck bat sie ihren Sohn, das Haus trotz finanziell hohem Aufwand zu sanieren.
Josef Alexander Zambo traf schließlich die Entscheidung, den Quertrakt des Arkadenhauses, also die Tenne, abzutragen und an dieser Stelle einen Neubau zu errichten. Es war quasi eine Kompromisslösung. Als der Neubau 1984 fertiggestellt wurde, weigerte sich Sofie Zambo ihr altes Arkadenhaus zu verlassen und in dieses neue Haus umzuziehen. Sie lebte bis zu ihrem Tod 2006 in ihrem geliebten Arkadenhaus.

Saniert für die nächste Generation
Sofie Zambo hatte dafür gesorgt, dass das Haus nicht abgerissen wurde. Ihre Enkelin Selina, Tochter von Josef Alexander, war dafür verantwortlich, dass es schließlich doch noch saniert wurde. Ihr wurde die Liebe zu dem Arkadenhaus von ihrer Großmutter scheinbar in die Wiege gelegt und sie wirkte auf ihren Vater ein, das Haus herzurichten.
Auch diesmal war Josef Alexander schier machtlos und Ende der 1990-er Jahre begannen die Renovierungen. Dach, Fenster, Fassade, Fußböden, Elektro-Installationen, Wasser- und Kanalanschlüsse – der Aufwand war enorm. Der Futterlagerraum wurde als Schlafraum und Badezimmer ausgebaut. Der Rinder- und Pferdestall mit der Gewölbedecke soll als letzter Schritt zu einem zusätzlichen Wohnraum umgebaut werden. Aber erst dann, wenn Selina das Haus selbst beziehen wird. Und sicherlich wird sie die Wertschätzung für dieses Haus auch an die nächste Generation weitergeben.

Beitrag aus Ausgabe 12/2017


Ing. Wilhelm Hodits
Wilhelm Hodits begibt sich für prima! zu bedeutenden und besonderen Plätzen in Oberwart und erzählt Geschichten, die keiner kennt.
Willi Hodits war Leiter der Tiefbauabteilung und des Bauhofes der Gemeinde Oberwart und kennt die Bezirkshauptstadt wie seine Westentasche. Als gewerblicher Reiseleiter macht er heute auch Stadtführungen durch Oberwart - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Rundfahrt mit dem Bus.
Nähere Informationen: Ing. Wilhelm Hodits, Telefonnummer: 0664/50 44 554

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