35 Länder auf 60m2

Genossenschaftswohnungen sprießen sprichwörtlich aus dem Boden. Die Auslastung ist groß, der Bedarf gegeben. Wer nun aber denkt, dass diese Art der Unterkunft der Individualität gezwungenermaßen Abbruch tut, hat weit gefehlt. Auch wenn die Schnitte der Wohnungen oft wenig Spielraum zulassen, ist das Interieur so individuell wie die Bewohner selbst. Mit etwas Kreativität kann man auch in einer Genossenschaftswohnung seine einzigartige Vision von Wohnraum umsetzen.
Im Zuge unserer „Planen-Bauen-Wohnen-Serie“ geben wir Einblicke, wie Menschen aus der Region wohnen und haben eine „bunte“ Homestory für Sie. Diesmal waren wir zu Besuch in der 60 m2 OSG-Wohnung einer Frau, die ihre Vielseitigkeit und ihre Verspieltheit mit ihrem Mobiliar unterstreicht.
Nora SCHLEICH / 1. Oktober 2018
Foto: Nora Schleich / Foto 2

„Ich liebe meine Wohnung und möchte zeigen, wie viel einem auch kleiner Besitz bedeuten kann.“ Klar, denn fast jedes Stück in dieser Wohnung in Riedlingsdorf hat eine besondere Geschichte und jedes Stück ist Teil von Vanessa Bruckners Geschichte.

Bereits der Eingangsbereich ist eine gelungene Mischung aus Retro-Design und modernen, persönlichen Elementen. Die Fotogalerie, die Vanessa aus Halterungen für Flyer gebastelt hat, zeigt Bilder von Menschen, die ihr wichtig sind. Der geschliffene, mit Klarlack präparierte und zu einem Schuhschrank umgestaltete Spind, stammt aus dem verlassenen Bahnhof in Oberschützen. Gleich neben diesem silbernen, industriell anmutenden Vintage-Stück platziert sie am Boden stehend die alte Pendeluhr ihrer Oma. (Foto [1])
Auch den Wohnraum dominiert der Shabby-Chic-Look – eine Mischung aus Flohmarktkäufen, Erbstücken und Möbel mit sichtbaren Gebrauchsspuren. Bunt könnte man das Konzept nennen, aber eben auch verspielt. Die Materialien: Holz, kombiniert mit weißen und schwarzen Dekoelementen. Auffällig ist der Teppich in floralem Design, der in reizvollem Kontrast zum schlichten Sofa steht. (Foto [2])
Der Arbeitsbereich ist hell und einfach gehalten und fügt sich in eine Nische direkt neben dem Schwedenofen. Der durchsichtige Sessel gibt der Nische die nötige Leichtigkeit. Grünpflanzen sorgen zusätzlich für ein angenehmes Wohnklima. (Foto [3])

„Ich bin schön veranlagt, aber nicht praktisch“, gesteht die Riedlingsdorferin lachend. Sie richtet fürs Auge ein, mit dem Ziel sich wohl zu fühlen. Ihr Gespür zeigt sich auch in der Küche. Der Fliesenspiegel wirkt edel und vergrößert den Raum optisch. Den Kelimteppich hat Vanessa Bruckner persönlich aus Marrakesch importiert. (Foto [4])

Und genau das macht diese Wohnung aus: die unzähligen Erinnerungen, die Vanessa von ihren Reisen mitgebracht hat. „Bei mir zuhause findet man aktuell 35 Stücke aus 35 Ländern.“ Das Bild zwischen Küche und Wohnzimmer zum Beispiel hat die Journalistin aus Bali mitgebracht, wo sie es einem Mutter-Tochter-Gespann mitten in den Reisfeldern Ubuds mit viel Überredungskunst abkaufte. (Foto [5])
In den großen Städten dieser Welt will sie übrigens nicht mehr wohnen. „Schicke Wohnungen kann man sich auch hier schaffen und gleichzeitig genieße ich die Vorteile des Landlebens!“ Ein Haus passt Vanessa Bruckner momentan auch nicht ins Konzept. „Mit einer Wohnung bin ich ungebundener und trotzdem hängt mein Herz daran.“

Die Journalistin hat sich vorgenommen, niemals mit dem Einrichten dieser Wohnung fertig zu werden. „Immer, wenn ich fertig war, bin ich ausgezogen. Hier bleibe ich“, verspricht sie sich selbst. Diese Wohnung wird sich laufend weiter verändern. Bei 35 Ländern wird es nämlich nicht bleiben, die nächste Reise ist gebucht. Vanessas Einrichtungsstil kann man als „Vintage“ bezeichnen. Einige tolle Stücke hat sie auf Flohmärkten in der Region erstanden.


Vanessa Bruckner
Vanessa Bruckner ist freie Journalistin und Texterin. Die 36-jährige Südburgenländerin hat Journalismus und PR-Management in Wien studiert und war unter anderem auch im Bereich Fotografie in Hamburg tätig. Heute lebt sie mit ihrer Katze Lotti in einer Single-Wohnung in ihrem Heimatort Riedlingsdorf.

Um den Vintage-Look in den eigenen vier Wänden herzustellen, sind Flohmarktkäufe wohl unerlässlich. Wo Sie in der Region die besten Schnäppchen ergattern können haben wir für Sie zusammengefasst:

Jeden ersten Samstag im Monat findet in Oberwart ein großer Flohmarkt statt und sonntags ein anderer beim Kreisverkehr in Kemeten. Natürlich sollte man möglichst früh dran sein, um ein wahres Schnäppchen zu ergattern. Und es gilt natürlich: Handeln, was die Stimmbänder hergeben.

Seit kurzem gibt es übrigens auch jeden Samstag- immer am Vormittag – einen Flohmarkt beim Stiborcenter in Hartberg. Sonntags ist der Flohmarkt gegenüber vom Oktoberfestgelände in St.Johann in der Haide einen Besuch wert. In Hartberg gibt es auch ein tolles Projekt von pro mente (www.promentesteiermark.at). Der Betrieb integriert Langzeitarbeitslose sowie Menschen mit psychischen Erkrankungen und psychosozialen Problemen wieder ins Berufsleben.

Wer alte, ausrangierte Möbel zu Hause hat, kann anrufen, dann werden die Möbel demontiert, abgeholt und von den Mitarbeitern wieder aufbereitet. Diese revitalisierten Schätze kann man dann beim Flohmarkt in der Ressavarstraße 64 in Hartberg günstig kaufen. Ebenfalls auf dem Radar haben sollte man natürlich auch die vielen Altwarenhändler in der Gegend. Die verkaufen neben echten Antiquitäten (Möbel meist vor 1920 produziert) auch Vintage-Möbel (Möbel zwischen 1920 und 1980 hergestellt). Unter Shabby-Chic versteht man übrigens neuere Möbel im „Used-Look“, also auf Alt getrimmt.


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