Der hauseigene Strom, das ist längst mehr als ein Geheimtipp

Häuslbauer haben immer Saison: DI Alexander Pongratz, Landesinnungsmeister der WK Steiermark, erzählt über die Trends für 2018. Fazit: Wer mitunter gleich mehr Geld in die Hand nimmt, wird Jahre später dafür belohnt.
Eric Sebach
Foto: Smileus/fotolia.com

Photovoltaikanlagen erzeugen den notwendigen Strom in Eigenregie und sind langfristig eine Geldersparnis.

 

Eigentlich ist der Jänner die stillste Zeit in der Baubranche, aber gleichzeitig brüten angehende Häuslbauer in diesen Tagen gerne über den Plänen für das neue Eigenheim. Natürlich gilt es dabei, den einen oder anderen Trend zu nützen und neue, moderne Technologien in die Überlegungen einzubeziehen.
Alexander Pongratz, Baumeister und Landesinnungsmeister der WK Steiermark für die Sparte Bauwesen, weiß einiges über diese Trends. „Grundlegend lässt sich auch für 2018 sagen, dass der Wunsch nach den eigenen vier Wänden sehr ausgeprägt ist. Am Wohnungssektor, ganz besonders aber nach wie vor in Sachen Einfamilienhaus.“ Stichwort: „My home is my castle“. Und für dieses „castle“ werden die Wünsche der Bauherren auch immer spezieller: „Schließlich bauen die meisten von uns einmal im Leben und außerdem bietet das World Wide Web mittlerweile soviel Basis-Info, dass der kundige Häuslbauer den Fachmann bereits mit ganz gezielten Fragen aufsucht.“

Höhere Räume, kein Keller
Im Detail? „Das beginnt schon bei der Frage der Raumhöhe“, betont Baumeister Pongratz, „der Trend geht mittlerweile in Richtung drei Meter im Erdgeschoß, im Minimum werden oft 2,70 Meter gewünscht. Während Aufenthaltsräume großzügig geplant werden, auch Wellness-Bereiche immer größer und komfortabler sein sollen, sind Schlafräume eher kompakter angelegt. Klar, es geht ja auch darum, aus Kostengründen die gesamte Wohnfläche im Auge zu behalten.“
Thema Kosten: Laut Pongratz werden Einfamilienhäuser immer öfter ohne Keller gebaut, dafür mit einer Art „Ersatzraum“ im Bereich der Garage oder des Carports. „Dadurch schließt man von vornherein möglichen Wassereintritt aus, braucht keine Angst vor feuchten Wänden zu haben und kann durch den Wegfall einer Kellererrichtung mit rund 50.000 Euro Ersparnis rechnen.“ Geld, das dafür in technische Feinheiten fließen kann – etwa in qualitativ hochwertige Holz-Alu-Fenster mit 3-Scheiben-Verglasung, die in puncto Wärmedämmung sehr empfehlenswert sind. Oder auch in eine hochmoderne Heizung.

Wohliges Raumklima ist der Hit
„Die Ölheizung hat aus allgemein bekannten Gründen so gut wie ausgedient“, betont Pongratz, „voll im Trend ist man mit einer Luftwärmepumpe und ergänzender Photovoltaik-Anlage, um den nötigen Strom gleich in Eigenregie zu erzeugen. Dabei darf man nicht nur mit einer recht günstigen Errichtung rechnen, sondern auf Sicht – dank der Stromgewinnung in Verbindung mit einem Speichersystem – auch mit Geldersparnis für Jahrzehnte.“ Konkret: „Entweder werden die Leitungen für die Photovoltaik-Anlage miteingezogen, um sie später zu nützen. Oder man investiert die 15.000 Euro für eine Anlage samt Stromspeichersystem sofort und darf damit rechnen, dass sich diese Investition binnen zehn Jahren amortisiert. Denn, wie heißt es so schön: Die Sonne schickt keine Rechnung.“

Absolute Dauerbrenner auch weiterhin: komfortable, schicke Wintergärten, um auch an eisigen Tagen seinen morgendlichen Kaffee quasi mit freiem Blick ins Grüne genießen zu können; natürlich der Outdoorpool, dessen Wasser mittels Luftwärmepumpe angenehm beheizt werden kann, damit lässt es sich von Mai bis Oktober im Freien schwimmen. Wer auch in Sachen Raumklima bereit ist, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, beschäftigt sich mit kontrollierter Wohnraumlüftung. „Damit kann man nicht nur Heizkosten sparen, sondern auch ohne regelmäßiges Lüften für permanente Frischluft im Wohnbereich sorgen“, so Pongratz. „Im Vergleich zur herkömmlichen Klimaanlage braucht man auch unangenehme Zugluft nicht zu fürchten.“

Noch ein Blick zur Außenansicht des Eigenheims: „Flach- und Pultdächer boomen auch weiterhin“, sagt der Experte, „denn mit einem Steildach hat man zwar die Option, später einmal das Dachgeschoß auszubauen, allerdings muss man dabei auch mit unterschiedlichen Raumhöhen vorlieb nehmen. Und das wollen viele nicht.“ Was die Wahl der Baumaterialien anlangt, hat Pongratz auch noch einen Tipp parat: „Ich kann anstelle der bisher oft verwendeten 25cm-Ziegel mit dem herkömmlichen Wärmedämmungsverbundsystem auf alle Fälle die 50er-Ziegel mit Wärmedämmputz empfehlen. Interessant sind auch Ziegel mit Steinwolle- oder Hanf-Füllung, weil man damit auf mineralischer Basis unterwegs ist. Das bedeutet, dass die Feuchtigkeit in der Wand aufgenommen und dann wieder abgegeben wird. Ein Vorteil ist auch, dass diese Materialien unbrennbar sind.“

Der letzte Schrei? Mikrohäuser!
Während das Einfamilienhaus für Haushalte mit vier Personen und mehr immer noch das „klassische Modell“ darstellt, bieten findige Köpfe nunmehr das „Mikrohaus“ für Singles, Studenten oder alleinstehende Pensionisten an. Dazu zählen auch die Zwillingsschwestern Simone Kamleitner und Petra Falch in Salzburg. Simone lebt seit zwei Jahren selbst auf 27(!) Quadratmetern und – vermisst rein gar nichts. „Es ist urgemütlich und für den Bedarfsfall hab ich sogar ein Gästebett“, macht die Firmenchefin neugierig. Für die beiden hat sich das Motto beim Hausbauen nach „noch mehr und noch größer“ längst überholt. „Im Sinne vieler Ein-Personen-Haushalte lässt es sich auch auf engerem Raum mit viel Design leben“, so Simone, „wir haben Kunden zwischen 18 und 80 Jahren.“ Hausmodelle mit 30, 40 oder 50 Quadratmetern Wohnfläche sind jederzeit individuell planbar, mit zirka 100.000 Euro Investition – ohne Grundstückskosten – darf man bereits vom eigenen Haus träumen.

Bericht aus Ausabe 01/2018
Fotos: © Smileus/fotolia.com, © hans/pixelio.de, © Klaus Doppler


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