„Die Arbeit mit Holz schafft ein besonderes Glücksgefühl“

Berufe rund um den Rohstoff Holz erfordern jede Menge Idealismus. Warum es sich dennoch auszahlt, hat prima! im Gespräch mit jenen herausgefunden, die für dieses Naturprodukt brennen.
Nicole Mühl
Foto: Mario Gimpel

Das Handwerk hat goldenen Boden, sagt man. Und an diesem feinsinnigen Sprücherl wird tagtäglich auch an der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft in Kirchberg am Walde getüftelt und gefeilt. „prima!“ holt dafür zwei aus dem honorigen Kreis der Fachlehrerschaft vor den Vorhang: Werner Fenz, der Landwirtschaftliches Bauen, Fachzeichnen, Mathematik und Holzbearbeitung unterrichtet; und Thomas Mandl, der die jungen Damen und Herren (meist zwischen 15 und 18 Jahren) vor allem mit Waldwirtschaft sowie Forst- und Arbeitstechnik vertraut macht.
Fenz, selbst passionierter Tischlermeister und Zimmerer, liegt die Arbeit mit dem Jahrhundert-Rohstoff Holz natürlich ganz besonders am Herzen. „Der Beruf des Tischlers ist vielseitig, erfordert Fertigkeit und Feingefühl und es macht mir als Lehrer auch Freude zu sehen, dass die Jungen am Ende der dreijährigen Ausbildung in jeder Hinsicht tüchtig Hand anlegen können. Das ist daheim bei Haus und Hof immer noch ein wichtiger Faktor.“ Dass gut 80 Prozent der Schulabgänger in Grafendorf noch eine Lehrausbildung anschließen, hält Fenz ebenso für erfreulich. „Viele von uns kennen Möbel und Holzgegenstände heutzutage vor allem aus großen Möbelhäusern. Maßanfertigung mit Holz ist zusehends in den Hintergrund getreten. Umso wichtiger ist es, dass sich die Jungen noch ans Tischler-Handwerk herantrauen und sich für die Herstellung besonderer Qualität interessieren. Maßanfertigung anstelle von computergesteuerter Massenware, sollte das Motto lauten.“

Individualist zu sein, zahlt sich noch aus
Ein Möbelstück anzufertigen, das ließe sich mit einem besonderen Glücksgefühl vergleichen. „Und darauf darf man auch nach Jahren stolz sein.“ Fenz möchte bei seinen Schülern aber auch das Gefühl erzeugen, dass sich Individualismus nach wie vor auszahlt. „Der Beruf gehört nicht zu den höchst dotierten, ich weiß. Aber wer sich intensiv mit diesem Handwerk beschäftigt, wird sehen, wie erfüllend die Aufgabe ist.“
Bis die Schüler in Kirchberg am Walde den Abschluss als „landwirtschaftlicher Facharbeiter“ absolvieren, gilt es viel zu tun. Auch im Bereich der Waldwirtschaft, die unter anderen von Diplom-Pädagoge Thomas Mandl unterrichtet wird. „Der Lehrstoff reicht bis zur Forstwirtschaftspraxis, die wichtig ist, weil viele Schüler im Elternhaus mit kleinen und größeren Waldflächen zu tun haben.“ In erster Linie ginge es, so Mandl, um die Erhaltung des Waldes. „Man kann aus dem Wald nur soviel entnehmen, wie er in der Lage ist zu liefern. Holz als Rohstoff ist im wahrsten Sinne des Wortes lebendig.“
Laut Mandl wachsen österreichweit pro Jahr etwa 30 Millionen Vorratsfestmeter Holz – zwei Drittel davon würden als Brennstoff bzw. als Rohstoff zur Weiterverarbeitung genützt. Tendenz steigend. „Die Waldwirtschaft gilt als Generationen-Wirtschaft. Vom Setzen einer Fichte bis zum Fällen bzw. Schlagen des Baumes vergehen rund 80 Jahre.“ Mandl möchte in seinem Bereich jedenfalls auch Mut machen. Mut, auch in schwierigen Zeiten den Beruf des Bauern in Vollzeit oder auch im Nebenerwerb auszuüben. „Allein, wer eigenes Holz besitzt, ist etwa beim Heizen unabhängig von Gas- und Ölpreis.“ Freilich, die Jungen für den Beruf des Bauern zu begeistern, da seien vor allem Initiativen in der Politik gefragt. „Idealismus ist notwendig, na klar. Aber man kann von jungen Leuten nicht erwarten, dass sie hauptberuflich arbeiten gehen und das hart verdiente Geld dann daheim am Hof investieren müssen.“

Bericht aus Ausgabe 10/2017


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