Ein Märchen von einem schwarzen Schloss

Eingebettet in die bezaubernde Hügellandschaft der Oststeiermark, liegt ein Schloss. Es ragt empor aus den winterlichen Nebelschwaden, die das Haus noch mystischer und imposanter wirken lassen, als es ohnehin schon anmutet. Erst auf den zweiten Blick sieht man den Kontrast aus urigen und modernen Details am alten Gemäuer. Das Verbindende: die künstlerischen Aspekte, die Schloss Aichberg und seinen Besitzer umgeben.
Der Held dieser Geschichte ist Cajetan Gril. Und der ist auf den ersten Blick genauso schwer einzuschätzen wie die Gemäuer, die ihn umgeben.
Nora SCHLEICH / 29. November 2018
Foto: LEXI

Im 12. Jahrhundert wurde Schloss Aichberg erbaut. Besonders in dieser Jahreszeit, wenn es von Nebelschwaden eingehüllt wird, zeigt es seinen besonderen Reiz.

 

17 Grad in der Bibliothek. Türen und der Fußboden knarren. „Ich will eigentlich nichts gefragt werden“, sagt Cajetan Gril. „Was wollen sie mir dann erzählen?“ „Nichts“, sagt der Schlossherr trocken, der keinesfalls Schlossherr genannt werden will, in einem Dialekt, der an vergangene Zeiten erinnert. Der Historiker mit „Hang zum Zweitbuch“, wie er es nennt, erzählt uns dann doch noch einiges über seine Residenz im steirischen Eichberg, die ja eigentlich gar nicht groß ist, wie er meint.

Die Geschichte des Schlosses ist jedenfalls beeindruckend. „Und diese Geschichte sammle und verdeutliche ich.“ Das alte Gemäuer wird so zum Mikrokosmos, der die größere Geschichte der Region aufnimmt und der gleichzeitig als Mahnmal auftritt. Immer wieder finden sich im Haus Hinweise auf weniger friedliche Zeiten, speziell den Zweiten Weltkrieg.

Das Schloss besteht heute aus einem öffentlichen Teil mit Museum, zwei Fremdenzimmern und einer Privatwohnung mit rund 70 m2. Cajetan Gril hat sich selbst nie in einem Haus gesehen. In einer Werkstatt, einem Turm oder einem Hammerwerk – dort wollte er leben, und nun nennt er ein Schloss sein Zuhause. „Dunkle Kräfte haben mich geleitet“, sagt er streng. Eine Tante seiner Mutter hatte als Nachkomme alter Herrschaften das Vorkaufsrecht, welches sie dem jetzigen Besitzer übertragen hat. Nun formt Cajetan Gril das Haus, wie es schon 53 Herrschaften vor ihm getan haben. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken: Kunst, Bilder, Bücher, Plakate, Kriegsutensilien, Statuen, skurrile Einrichtungsgegenstände und Deckenmalereien. (Foto 2, 3, 4)

Die Konzeptlosigkeit ist sein Konzept. Bei Cajetan Gril scheint sich alles zu ergeben. Er sammelt, kauft und verkauft. Geld braucht er nur, um dieses Haus, das ihm „zugefallen“ ist, wie er es nennt, ordentlich zu halten.
„Das Haus hat zu mir gesprochen. Nun verwirkliche ich Pläne.“ Wie zum Beispiel in seinem Lieblingsraum, der Bibliothek. Die ist nun architektonisch an die Bibliothek der Uni Dresden angelehnt, wo er 17 Jahre lang gelehrt hat. Was er sonst noch gearbeitet hat, das finden wir übrigens nur online oder gar nicht heraus und wie viele Bücher er gelesen hat, können wir nur erahnen.

Über Weihnachten spricht er hingegen gerne. „Weihnachten mögen wir, das werden wir ganz normal feiern.“ Mit kleinem Tannenbaum, später Mette und dann geht die Familie schlafen. „Normal“, das ist ihm wichtig, erwähnt er doch auch wiederholt, dass es sich hier um ein einfaches, normales Haus handle und auch er sei „einfach und normal“. Still und klein und privat. Darum schlussfolgert er auch: „Sicher harmoniere ich mit dieser Hütte.“

„Johanna, was denkst du, was ich will?“, fragt er seine Frau und lächelt. „Die Menschen sollen aufpassen auf das Haus und die Umgebung, denk ich, oder?“, sagt sie selbstverständlich. „Richtig. Die Leut‘ müssen ein Bewusstsein für Lebensraum bekommen. Das sind ideelle und ästhetische Werte. Ich spreche hier von Umwelt- und architektonischen Sünden. Das hängt zusammen“, seufzt er. „Ohne die Region gäbe es das Haus nicht und umgekehrt. Jeder gestaltet und verändert mit seinen Taten. Das Schloss befruchtet die Umgebung und umgekehrt.“ (Foto 5)

Das Anwesen steht im ehemaligen Grenzgebiet. „Grenzen trennen und verbinden gleichzeitig“, sagt Herr Gril. Das ist auch seine eigene Geschichte mit dem Schloss. Nicht immer empfindet er sich von der Umgebung verstanden und vice versa. „Der Gemeinsinn fehlt oft“, denkt er laut nach. Gleichzeitig hat er über das Gemäuer viele Freunde gefunden. Cajetan Gril ist besonders, seine vier Wände sind es ebenso. Ein Märchen von einem Schloss eben, Geheimgänge hinter Bücherregalen inklusive.

Cajetan Gril

Cajetan Gril wohnt mit seiner Frau Johanna im Schloss Aichberg im steirischen Eichberg bei Rohrbach an der Lafnitz. Der Historiker hat sich auch als Kunsthändler und Herausgeber einen Namen gemacht und kennt das Schloss seit seiner Kindheit. Seit vier Jahrzehnten bewohnt und renoviert er die alten Gemäuer.



SCHLOSS AICHBERG

Geschichte

Die Geschichte des Gebietes um Eichberg beginnt nicht erst im Zuge der Landnahme und Rodungstätigkeit durch bayrische und fränkische Kolonisten am Ende des 12. Jahrhunderts. Hier im Grenzbereich siedelten bereits in früherer Zeit Kelten, Römer, Slawen und Awaren.

Nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit Ungarn wurde um 1043 die Grenze zwischen dem Hl. Römischen Reich und Ungarn an der Lafnitz festgelegt. In diesem durch die Grenzsituation siedlungsarmen Gebiet wird zu Ende des 12. Jahrhunderts mit der Errichtung eines Burgengürtels gegen kriegerische Einfälle aus dem Osten begonnen. Ein landesfürstlicher Gefolgsmann übernimmt die bereits bestehende Siedlung mit Motte und baut diese aus.

1250 wird erstmals ein Aichberger urkundlich erwähnt: Konrad von Aichberg, der vermutlich auch Kleinschlag gegründet hat, das nach ihm benannt ist. (Khuenschlag = Schlag oder Rodung des Kuono/Konrad).

Die ritterliche Familie der Aichberger ist bis in das späte 14. Jahrhundert hier ansässig, unter Wulfing von Aichberg wird 1378 die Schlosskapelle aus Stein erbaut, die heutige Pfarrkirche. Anfang des 15. Jahrhunderts kommt Aichberg von der Tochter des letzten Aichberger in den Besitz der Welzer, die es 1412 an Seyfried Steinpeiß verkaufen. Im Jahr darauf kauft Steinpeiß auch noch die Zehente in Pinka, Friedberg, Dechantskirchen, Stegersbach, Kleinschlag, Limbach, Rohrbach und zwischen Lafnitz und Lungitz.

Für die nächsten 350 Jahre (bis 1772) sollte Aichberg Stammsitz der ritterlichen Familie der Steinpeiß sein. Diese Zeit ist geprägt durch:

 Teilnahme am Adelsaufstand 1469/70 an der Seite Andreas Baumkirchners Reformation und Gegenreformation: Bereits anlässlich der Visitation von 1528 wurde festgestellt, das Maximilian Steinpeiß von Aichberg zu denjenigen gehört, die der neuen Lehre Martin Luthers anhängen. Seine Sohn Christoph wurde 1603 – also nach dem Sieg der Gegenreformation – bestraft, da er sein Kind außerhalb des Landes protestantisch taufen ließ.

Mehrfache Einfälle der Türken (1529, 1532, 1669, 1683), Haiducken (1605, 1621), Kuruzzen (1704 – 1711). Dabei wurden immer wieder große Teile des Dorfes niedergebrannt, das Schloss, der Meierhof und die Kirche ausgeraubt und verwüstet, die Untertanen erschlagen oder verschleppt und die Tiere geraubt.
1715 Erweiterung der Anlage um das im April 1945 zerstörte Vorschloss.
Verschuldung der Herrschaft – durch Überfälle, Plünderungen und das Niederbrennen der Herrschaft verschuldete sich diese schwer und konnte sich nie mehr wirklich davon erholen.

 Nach dem Tod des letzten Steinpeiß 1772, Karl Joseph Graf von Steinpeiß, geht die Herrschaft per Testament an dessen Vetter, Maximilian Freiherrn von Waidmannsdorf.

Was folgt, ist ein rascher Besitzerwechsel und der Niedergang des Schlosses und der Herrschaft. Zuerst verkauft Maximilian Freiherr von Waidmannsdorf 1779 an den Gewerken Johann Edmund Edlen von Erko. Dieser wohnte nicht mehr in Aichberg.

Dessen Nachkommen verpachten 1806 die total verschuldete Herrschaft und müssen sie 1817 schließlich in einer Lotterie mit dem Loseinsatz von 15 Gulden (heute rund 300,– öS) ausspielen. Der Prager Papierhändler Donat Hartmann gewinnt und verkauft die Herrschaft gleich an den Rittmeister Ludwig Graf von Schönfeld um 200.000 Gulden (bei einem Schätzwert von 368.328 Gulden) weiter. Dieser Graf von Schönfeld erwirbt auch noch die Herrschaft Reitenau dazu, stirbt jedoch bald darauf bei einem Reitunfall 1828.

Drei Jahre danach wird die verschuldete Herrschaft versteigert, die der Staatrat Heinrich von Müller-Hörnstein, ein reich gewordener Armeelieferant als einziger Bieter für Aichberg und Reitenau ersteigert. Nach seinem Tod verkaufen die Erben 1843 an Marianne Freiin von Eskeles, Tochter des Bankiers Eskeles und spätere Frau des Franz Graf von Wimpffen. Damit kam die Herrschaft für die nächsten 100 Jahre in den Besitz der Grafen von Wimpffen.

Unter den Wimpfen kam es:

1844 zum Umbau der am 6. 1.1742 geweihten Lorettokapelle zu einer Gruftkapelle in neugotischen Stil.

1906 wegen Verschuldung zum Verkauf des landwirtschaftlichen Besitzes an den griechischen Fürsten Ypsilanti; ebenfalls verkauft wurde das Schloss Reitenau.
1911 zum Bau eines Schulgebäudes in Eichberg, wofür Fürst Ypsilanti ein Grundstück spendete. Bereits 1882 war durch Umbau des Wirtschaftsgebäudes aus der einklassigen Schule eine zweiklassige geworden.
Zwischen 1914 und 1918 zur Einquartierung galizischer Flüchtlinge, wobei das Vorschloss sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Holz vom Dachstuhl und Turm wurde als Brennholz benutzt.

1923 und 1929 zum Verkauf eines Großteils des Grundbesitzes.
Zum langsamen Verfall des Schlosses, das im 2. Weltkrieg u.a. Zufluchtsort der Zivilbevölkerung und Quartier der deutschen Wehrmacht war.

1953 kaufte die Gemeinde Kleinschlag den Rest der Herrschaft Eichberg (Burg und einige Gebäude). 1986 kommt das Haus an Cajetan Gril und wird renoviert.

http://www.schlossseiten.at/geschichte/schloss-aichberg/


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Märchenhafter Dezember

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