Ein Monument mit Aha-Erlebnissen

prima!-Lokalaugenschein als „Ausflug“ in die 1970er Jahre. Beim denkmalgeschützten Dellacher-Haus in Oberwart wirkt bei Gott nicht alles denkmal-verdächtig.
Eric Sebach
Foto: Marcela Moser_Fotostudio Muik

Er nennt es ein „Monument“, der stolze Besitzer Johannes Handler. Auch „Museum“. Oder schlicht „ein Projekt“. Was den passionierten Architekten mit Wurzeln in der Buckligen Welt so begeistert, ist das sogenannte Dellacher-Haus, das seit 2006 unter Denkmalschutz steht, seit Herbst 2015 ihm gehört und weit über die Grenzen des Standortes in Oberwart nahe der B50 bekannt geworden ist. Als Denkmal gilt „das Dellacher“, das nach Skizzen des angesehenen Architekten Raimund Abraham Ende der sechziger Jahre für dessen Jugendfreund Max Dellacher erbaut wurde, aufgrund seiner ungewöhnlichen und zugleich strukturierten Bauweise. Stichworte: Symmetrie. Zwillingstreppen. „Raimund Abraham hat bei seinen Ideen Anleihen aus der Griechischen Antike genauso genommen, wie aus dem Klassizismus. Um die architektonische Moderne hat er sich nur wenig gekümmert!“

Schön. Wie alles im Leben ist freilich auch die Bewertung dieser denkwürdigen Mauern eine Frage der Perspektive. Dem Verfasser dieser Zeilen erschließt sich der Charme des Hauses trotz prächtiger Herbstkulisse und malerischem Ambiente auf insgesamt zwei Hektar Grundfläche jedenfalls nur schleppend. Denkmäler müssen ja auch nicht zwingend Charme versprühen. Und doch: Irgendwie ist der Rundgang innerhalb der 270 Quadratmetern Wohnfläche mit Blick auf Pool und verwittertem Waschbeton dann doch wieder imposant.

Ausgefallene Details
Drei Schlafzimmer, Schrankraum sowie Wohn- bzw. Esszimmer vermitteln zwar nicht gerade Großzügigkeit. Der originale Spannteppich weckt dafür Erinnerungen an die glorreichen Siebziger und ist in ähnlich sensationellem Zustand wie die italienisch anmutenden Lichtschalter und die „amerikanischen“ Türknöpfe von anno dazumal. Ja, und der türkise Türstock im Schlafzimmer hat auch was. Die Idee zum Türkis basiert übrigens auf Familien-Fotos der Dellachers. Der eigenwillige Hausherr hatte neben dem schmucken Herrenzimmer mit Blick in den Garten eben auch Sinn für ein wenig Ausgefallenes. Das unterstreichen eine Wendeltreppe, aber auch Möbel aus Kirschholz oder die immer noch stattlichen Fenster aus Lärche. „Wir mussten sie beim Renovieren nur ein wenig schleifen lassen und einige morsche Rahmen tauschen, das Gros der Fenster war und ist in phantastischem Zustand“, betont Johannes Handler.

Regional verwurzelt
Dass nach Raimund Abrahams Übersiedlung in die USA eigentlich der weit weniger populäre Oberwarter Architekt Rudolf Schober das Dellacher-Haus in die Tat umsetzte, ist bis heute nur wenigen Insidern bekannt. „Und viele Einbaumöbel wurden damals nach Ideen von Max Dellacher selbst von zwei lokalen Tischlern hergestellt“, erläutert Johannes Handler. „Dellacher hatte eben viele Talente neben seiner Passion als Kunstfotograf und Maler.“
Jene Einbaumöbel hat Handler in keinster Weise verändert, ganz im Gegenteil. „Das teilweise introvertierte Interieur soll den hoffentlich vielen Besuchern dieses Hauses im Originalzustand erhalten bleiben, das ist mein Ziel.“

 

Stil und Integrität sollen so weit und so lange wie möglich weiterbestehen. Das gelte auch für die möglicherweise nicht mehr ganz rentable Ölheizung genauso wie für den weißen Kalkverputz oder die etwas profanen Lichtkuppeln aus Plexiglas. „Max Dellacher hat seinerzeit die Vorgaben von Raimund Abraham weitestgehend verfolgt und Wohnen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt gebracht“, so Handler. „Ich bin in diesem Haus ständig auf Entdeckungsreise, dabei kommt mir alles so fließend und logisch vor“, schwärmt der Hausherr. „Und grenzenlos zeitlos!“ Handler vergleicht dieses Anwesen gar mit einem „griechischen Tempel oder einer Pyramide“

Ein Denkmal für die Öffentlichkeit
Wie auch immer. Das Dellacher-Haus soll künftig für alle Interessierten zugänglich sein. In Form von Führungen für angehende Architekten – oder aber auch für „Laien“, die das eine oder andere „Aha“-Erlebnis mögen.
Auch Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte seien geplant. Und vielleicht kann ja der eine oder andere Häuslbauer auch Anregungen für sein ganz persönliches „Monument“ mitnehmen.
Infos: www.dasdellacher.at

Homestory aus Ausgabe 11/2017


Das Haus Dellacher
Das Haus Dellacher in Oberwart wurde 1969 nach den Ideen des Architekten Raimund Abraham erbaut. Seit 2015 ist es im Besitz des Architekten Johannes Handler. Interessant ist das Haus auch aufgrund seiner Symmetrie. Das Anwesen an der B50 erstreckt sich auf zwei Hektar Grund und 270 Quadratmetern Wohnfläche. Johannes Handler hat bei der Renovierung darauf geachtet, dass der Originalzustand erhalten blieb - auch die Fenster sind noch original.

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