Es duftet herrlich nach Geschichte

prima!-Lokalaugenschein in Altschlaining mit garantierter Entschleunigung. In der Mühle von Familie Sagmeister lassen sich die Räder der Zeit zurückdrehen. Sage und schreibe bis ins Jahr 1757.
Eric Sebach
Foto: Marcela Moser / Fotostudio Muik

Roland Sagmeister hilft seiner Tochter gerne im Betrieb.

 

Der Lichtstrom kommt von der eigenen 100 Jahre alten Turbine, die aufgrund des Bächleins hinterm Haus Tag und Nacht läuft – und wer die ehrwürdige Mühle in Altschlaining betritt, fühlt sich nicht nur dank des charmanten Lächelns von Inhaberin Astrid Sagmeister auf Anhieb wohl. Man atmet Geschichte, bestaunt die alten Maschinen aus den 1950er Jahren und ist beim Lesen einer Jahreszahl auf einem Holztram mitten im Erdgeschoß verblüfft. 1757 … „das ist quasi das Geburtsjahr dieser Mauern“, verrät Roland Sagmeister, Seniorchef, Müller mit Leidenschaft und mit 76 nach wie vor „gute Seele“ im Haus.
Ein Blick ins sogenannte Turbinenhaus – quasi in den „Untergrund“ des Gebäudes – lohnt sich. „Unvorstellbar, wie die früher gebaut haben“, lächelt Opa Sagmeister. „Diese mächtigen Mauern hat man direkt in die Erde gesetzt, ohne Unterkellerung, ohne Fundament, ohne irgendwelche Dämmungen, wie sie heutzutage schon lange selbstverständlich sind.“

1968 hat Roland Sagmeister dieses „Stück Geschichte“ erworben. Sage und schreibe bis 2003 hat der gebürtige Litzelsdorfer in Altschlaining vor Ort nach bestem Wissen und Gewissen auch selbst alle Sorten von Mehlen gemahlen. Walzenstühle, Siebmaschinen und ähnliche Geräte „erzählen“ beim Durchstöbern des Obergeschoßes aus einer offenbar doch ganz guten alten Zeit. Mit viel Freude und zahlreichen Anekdoten wird man von Roland Sagmeister auch durch die Mühle begleitet. Führungen ab fünf Personen sind auf Anfrage jederzeit möglich, denn die Sagmeisters wohnen immer noch direkt neben dem historischen Gebäude. Mittlerweile gibt es in Altschlaining Mehle von der benachbarten Mühle in Litzelsdorf (die von Astrids Cousin betrieben wird) – Weizen, Roggen, Dinkel, alles was das Herz begehrt. Naturrein und bio-zertifiziert.

Stammkunden der Sagmeisters schätzen seit Jahren aber auch den Naturkostladen mit allerhand Köstlichkeiten, von denen man sich auch beim „Kramuri“ am 30. 9. und 1. 10. auf Schloss Kohfidisch überzeugen kann. Von Vollwertmehlen über Natursäfte, Öle, Kekse und Co., alles Mögliche kann man das ganze Jahr über in Altschlaining erwerben und genießen. „Bei uns gibt es keine Backmischungen, alles wird frisch geliefert und abgepackt“, betont Astrid Sagmeister, die als ehemalige HAK-Absolventin vom Einkauf bis zur Buchhaltung alles in einem schupft. Und einen Trend nicht unerwähnt lassen möchte: nämlich das Brotbacken. „Es fällt auf, dass immer mehr junge Leute zum frischen Mehl aus der Region greifen. Auch wenn es ein paar Cent mehr kostet als im Supermarkt.“ Roggen- und Dinkelmehle sind fürs Brot- und Keksebacken in Eigenregie übrigens am häufigsten gefragt.

Homestory aus Ausgabe 10/2017
Fotos: © Marcela Moser / Fotostudio Muik


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