Es war einmal ein Bauernhaus

Stil ist eine Frage der Persönlichkeit. Das Interieur unterstreicht den Charakter des Erschaffers und spiegelt so nicht nur Geschmack, sondern auch seine Ansichten wider. Wir zeigen Domizile bekannter Persönlichkeiten aus der Region und geben so nicht nur Design-Impulse für die eigenen vier Wände, sondern rücken gleichzeitig die Bewohner in den Mittelpunkt. Diesmal waren wir in einem Haus zu Gast, das den Besucher mit Charme, Kunst und Geschichte in seinen Bann zieht.
Nora SCHLEICH / 31. Oktober 2018
Foto: Nora Schleich

Mag. Nikolaus Schermann ist Direktor der EMS Oberwart und leitet auch die Sonderschule Oberwart. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Julia und den Kindern Franziska, Samuel und Nikolaus lebt er in der rund 1200-Seelen-Gemeide Wiesfleck im Südburgenland. Nikolaus Schermann hat sich auch als Künstler einen Namen gemacht. Seine Leidenschaft für die Bildende Kunst lebt er in seinem Atelier aus.

 

Über zwei Jahrzehnte konnte dieses Gemäuer mit Klaus Schermann wachsen und so reflektiert es gleichzeitig seine Biographie. Bereits beim Betreten des Hauses ist klar: schließt man von diesem Gebäude auf den Künstler, liegt man nicht daneben. Vielseitig, künstlerisch und stark mutet bereits der Eingangsbereich an. (Foto 1)

Um 1820 erbaut, beherbergt das alte, renovierte und ausgebaute Gemäuer heute die Privaträume seiner Familie, in denen sich die Kunst des Besitzers natürlich einfügt. (Foto 2). Gleichzeitig unterstreichen öffentliche Räume, wie Atelier und Galerie, das einzigartige Flair des Hauses. (Foto 3)

Der für Bildnerische Erziehung geprüfte Maler hat sich mit dem Haus den Wunsch seiner frühesten Kindheit erfüllt – eine Werkstatt zu haben, in der er seine großzügigen Werke schaffen und gleichsam seinen Vorstellungen gemäß präsentieren kann. So ist auch die Galerie ein Paraderaum, der momentan die neueste Serie „#!?“ des Künstlers beherbergt.

„Mit Zufall hat das wenig zu tun“

Wärme und Stärke, die der Vierkanthof ausstrahlt, kommen nicht von ungefähr. Jeder Baustein erzählt eine Geschichte, jeder Raum hat eine Seele. Das Haus ist gut durchdacht. Den Plan hat Nikolaus Schermann selbst gezeichnet und ihn auch mit eigenen Händen verwirklicht. „Mit Freunden und Familie natürlich“, fügt er an. Seit etwa einem Vierteljahrhundert hat er genaue Vorstellungen was dieses Haus betrifft und setzt diese Ideen konsequent um.

Nachhaltig und qualitativ hochwertig muss es sein, aber nicht notgedrungen teuer. Ganz im Gegenteil – viel ist geschenkt, gesammelt oder gefunden. „Alten Stücken neuen Sinn und neues Leben geben, kombiniert mit moderner Technik – so leben wir. Das hat auch mit Wertschätzung zu tun.“ (Foto 4)

Diese Botschaft setzt sich auch im Außenbereich fort. „Die burgenländische Kultur und die alten Dorfbilder sollen erhalten bleiben. Das ist mir persönlich wichtig und mit Idealismus und Ideen durchaus umsetzbar.“

„Es muss alles Sinn haben“

Vor allem das Handwerk und Design zur Jahrhundertwende in Österreich schätzt Klaus Schermann. Die Kreativität der Handwerker dieser Zeit fühlt der Künstler ebenso wie die Liebe zum Detail, die Verspieltheit der Möbel und deren Funktionalität. „Mit den Kindern hat das Haus überhaupt einen neuen Sinn bekommen. Das Haus ist ein Abenteuerspielplatz.“ Ein eigenhändig abgerissener Dachstuhl zum Beispiel wurde nicht nur im aktuellen Dachstuhl wiederverarbeitet, auch Hochbeete oder eine Sandkiste sind daraus entstanden. „Im Inneren habe ich Zimmer geschaffen, wie ich sie als Kind selbst gerne gehabt hätte“, so der Familienmensch. (Foto 5)

Hell und dunkel, alt und neu, praktisch und ästhetisch, geschenkt und wertvoll. „Dialektik“ ist das Schlagwort. Gegensätze und Diskurs sind die Grundidee in diesem Haus, aber auch in der Malerei und im Leben des Künstlers. Er ist Schulleiter, kreativer Kopf, Familienmensch aber auch konsequenter Idealist. „Widerspruch ist das keiner, denn ich bin mitten im Leben und es macht Freude, alle Facetten durchzuspielen.“ Am wichtigsten ist ihm aber, seinen Kindern ein liebevolles Zuhause in den alten Gemäuern zu schaffen – auch baulich. „Und ich glaube nicht, dass das von der Stange geht.“


Dialektik ist ein uneinheitlich gebrauchter Ausdruck der westlichen Philosophie. Das Wort Dialektik ist abgeleitet von griechisch διαλεκτική (τέχνη), dialektiké (téchne) = ‚Kunst der Unterredung‘; gleichbedeutend mit lateinisch (ars) dialectica = ‚(Kunst der) Gesprächsführung‘ (vgl. auch Dialog). Seit dem 18. Jahrhundert setzte sich eine weitere Verwendung des Worts durch: Die Lehre von den Gegensätzen in den Dingen bzw. den Begriffen sowie die Auffindung und Aufhebung dieser Gegensätze. Rein schematisch kann Dialektik in diesem neueren Sinn vereinfachend als ein Diskurs beschrieben werden, in dem einer These als bestehende Auffassung oder Überlieferung ein Aufzeigen von Problemen und Widersprüchen als Antithese gegenübergestellt wird, woraus sich eine Lösung oder ein neues Verständnis als Synthese ergibt.

Dieses aus der Antike bekannte klassische Instrument der Rhetorik wird als Mittel zur methodischen Wahrheitsfindung benutzt, um Gegensätze zwischen Begriff und Gegenstand, Gegensätze zwischen den Diskussionsteilnehmern oder reale Gegensätze in der Natur oder der Gesellschaft zu analysieren und zu beschreiben. Eingesetzt wird dieses rhetorische methodische Stil- und Analysemittel vor allem in der Diskussion, in der philosophischen Schrift oder auch im kabarettistischen Monolog.

Bei Hegel ist die Dialektik die der Metaphysik entgegengesetzte Methode der Erkenntnis, zugleich die innere Gesetzmäßigkeit der Selbstbewegung des Denkens und der Selbstbewegung der Wirklichkeit.

Im Dialektischen Materialismus ist die Dialektik die Wissenschaft von den allgemeinsten Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Gesellschaft und des Denkens.



Einen Kommentar hinterlassen: