Geld ist hier unwichtig

Auf Kurzbesuch bei der Franziskus-Gemeinschaft am Pinkafelder Kalvarienberg, wo Luxus eine eigene Definition hat. Mit gemeinsamem Mittagessen, dreimal Beten am Tag und jeder Menge Second Hand-Kleidung.
Eric Sebach
Foto: Marcela Moser_Fotostudio Muik

Die Franziskus-Gemeinschaft am Kalvarienberg in Pinkafeld wurde 1981 von Fritz Giglinger gegründet. Heute umfasst die Gemeinschaft 15 Mitglieder. Täglich wird gemeinsam zu Mittag und zu Abend gegessen. Drei Mal am Tag wird in der hauseigenen Kapelle gebetet. Das erste Mal bereits um 6.00 Uhr früh. Täglich wird gemeinsam zu Mittag und zu Abend gegessen. Drei Mal am Tag wird in der hauseigenen Kapelle gebetet. Das erste Mal bereits um 6.00 Uhr früh. Vier Hektar Grund werden von der Gemeinschaft bewirtschaftet. Andrea, Franz und Susan aus Philadelphia (Foto Mitte) sind drei von 15 Mitglieder des Gemeinde.

 

Wer in Pinkafeld im Auto die schmale Straße zum Kalvarienberg nimmt, hat bald einmal den Alltag vergessen. Spätestens dann, wenn einem Susan, eine fünffache Mutter aus Philadelphia, die Haustür öffnet und man im großen Speisesaal die ersten Mitglieder der Franziskusgemeinschaft kennenlernt. Andrea (52), eine ehemalige Krankenschwester. Den 53-jährigen Bauern Franz. Oder Martin, einen 78-jährigen Priester, der seit Anfang Oktober 1988 hier zu Hause ist und dem man den Satz „Alles hier ist Luxus“ durchaus abnimmt.
Während Josef in der Küche das gemeinsame Abendessen vorbereitet, hat sich Susan Wer in Pinkafeld im Auto die schmale Straße zum Kalvarienberg nimmt, hat bald einmal den Alltag vergessen. Spätestens dann, wenn einem Susan, eine fünffache Mutter aus Philadelphia, die Haustür öffnet und man im großen Speisesaal die ersten Mitglieder der Franziskusgemeinschaft kennenlernt. Andrea (52), eine ehemalige Krankenschwester. Den 53-jährigen Bauern Franz. Oder Martin, einen 78-jährigen Priester, der seit Anfang Oktober 1988 hier zu Hause ist und dem man den Satz „Alles hier ist Luxus“ durchaus abnimmt.
Während Josef in der Küche das gemeinsame Abendessen vorbereitet, hat sich Susan zum Englischunterricht mit zwei externen Schülern verabschiedet. Susans Gatten, einen ehemals erfolgreichen Manager mit Aufenthalt in London oder Zürich, bekommt der prima!-Redakteur übrigens nicht zu Gesicht. Er ist gerade dabei, einen WC-Deckel zu montieren. Aber mit Martin gibt’s dafür prompt einen flotten Rundgang durch den Keller – zum Apfelmost, den Erdäpfeln, zum Brotbackofen, in die Eisenwerkstatt und zum Webstuhl. Zwischendurch läuft einem Deborah, eine junge Mutter aus Bayern, über den Weg. Sie trägt ihr Baby am Rücken und bastelt gerade emsig in der Tischler-Werkstatt. „Deborah, ihr Mann und ihr Sohn sind liebe Gäste, aber keine Mitglieder“, erklärt Martin, während wir an den beiden Waschmaschinen vorbeikommen. Alles hier ist Gemeinschaft. Gegründet von einem gewissen Fritz Giglinger am 21. August 1981 mit dem Vorsatz „die Welt zu verbessern“. Mit unbedingter Treue „zu den Idealen von Liebe und Mitmenschlichkeit“.

Dem Kloster ähnlich, aber ohne Chef
Anno 2017 leben mittlerweile 15 Mitglieder – vier Ehepaare sowie jeweils alleinstehend vier Frauen und drei Männer – auf rund 1.000 Quadratmetern Wohnfläche in sieben Häusern. Vier Hektar Grund und Boden werden nach bestem Wissen und Gewissen bewirtschaftet, alle haben praktisch dieselben Rechte und Pflichten. Ohne, dass einer anschaffen würde. „Es ist eine klosterähnliche Lebensform“, betont Martin, „aber ohne Chef“. Geld ist praktisch „unwichtig“, wie alle betonen. Es diene dazu, um die spärlichen Bedürfnisse des Alltags zu bedienen – vom WC-Papier für alle bis zum Benzin für den alten VW-Bus, der mehr als 350.000 Kilometer am Buckel hat. Wer in die Franziskus-Gemeinschaft eintritt, verkauft sein Hab und Gut und zahlt den Erlös auf das gemeinsame Konto ein. Pro Kopf und Nase gibt es maximal 90 Euro Taschengeld im Monat und der stattliche Rest am Konto wird zu einem Gutteil dazu verwendet, um am Jahresende Bedürftigen und Armen unter die Arme zu greifen. Etwa für ein Projekt im Kongo.

90 Euro Taschengeld… „man braucht doch nur ein paar Euro, um sich vielleicht einmal im Sommer ein Eis oder einen Kaffee zu gönnen oder im Winter in die Therme zu fahren“, gibt sich Franz selbstbewusst. „Immerhin sind wir Selbstversorger, haben unser eigenes Gemüse, unseren Käse und unser Fleisch. Und wenn eine Waschmaschine den Geist aufgibt, wird eben von der Gemeinschaftskassa eine neue gekauft.“
Jeden zweiten Mittwoch gibt es die große Gesprächsrunde der 15 und bis man Mitglied wird, dauert es eineinhalb Jahre. „Wer zu uns möchte, muss erst einmal eine Woche dableiben. Dann beginnt quasi das halbe Jahr Postulat und danach das einjährige Noviziat“, berichtet Franz. Am Ende entscheidet die Mehrheit, ob man als Mitglied aufgenommen wird. Schließlich, so Franz, der jetzt bald einmal zur Kuh in den Stall muss, sei nicht jeder dafür geschaffen, die ständige Anwesenheit der Gemeinschaft zu ertragen. Und jeden Einzelnen mit all seinen Schwächen so zu nehmen, wie er eben ist.
Ach ja, jeden Tag wird um 12.30 Uhr gemeinsam zu Mittag gegessen, um 18 Uhr zusammen das Abendbrot eingenommen. Und natürlich drei Mal am Tag in der hauseigenen Kapelle gebetet. Das erste Mal bereits morgens um sechs, vor dem Frühstück.

Handy, DVD-Player und Fernseher
Probiert haben es in der langen Zeit viele, geblieben sind wenige. Über mangelnde Kleidung brauchen sich die Mitglieder nicht zu beschweren – „wir bekommen von Bekannten oder Freunden so viel, dass keiner Kälte leider muss und würden wir nicht sagen, dass wir keinen Bedarf mehr haben, könnten wir wohl auch ein Geschäft damit eröffnen.“ Klarerweise arbeitet jeder, der körperlich dazu imstande ist. Ob am Kartoffelacker, in der Küche oder im Schweinestall. Nach dem Abendessen ist Freizeit angesagt. Zusammen im Garten. Oder allein am Computer. Ja, richtig gelesen. Man hat auch Handys, einen Fernseher, Radios und einen DVD-Player. „Wir wissen sehr gut, was ‚draußen‘ vorgeht“, stellt Franz unverblümt klar.

Gemeinschaftsgründer Fritz ist mit 82 Jahren der Älteste, Andrea mit 52 die Jüngste. Und Weihnachten hat für die illustre Runde natürlich auch eine ganz andere Bedeutung wie für den Großteil „draußen“. Es geht um das Fest, so Pfarrer Martin. „Die Geburt Jesu“. Ohne jeglichen Stress am dritten Advent-Samstag im Einkaufscenter. „Meine Frau und ich schenken uns nichts“, verrät Franz, „weil wir das für unnötig halten. Wir haben doch alles, was wir brauchen.“
Und doch findet am Heiligen Abend jeder der 15-köpfigen Gemeinschaft ein Päckchen unter dem Baum. „Weil wir wichteln“, schmunzelt Martin. „Jeder zieht einen Namen und möchte dem- oder derjenigen eine kleine Freude machen.“

Homestory aus Ausgabe 12/2017


Die Franziskus-Gemeinschaft
Die Franziskus-Gemeinschaft am Kalvarienberg in Pinkafeld wurde 1981 von Fritz Giglinger gegründet. Heute umfasst die Gemeinschaft 15 Mitglieder. Täglich wird gemeinsam zu Mittag und zu Abend gegessen. Drei Mal am Tag wird in der hauseigenen Kapelle gebetet. Das erste Mal bereits um 6.00 Uhr früh. Vier Hektar Grund werden von der Gemeinschaft bewirtschaftet. Andrea, Franz und Susan aus Philadelphia (Foto Mitte) sind drei von 15 Mitglieder des Gemeinde.

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