Kleines Haus ganz groß

Sie sind spektakulär – spektakulär klein: Minihäuser.
Sie sind preisgünstig, energieeffizient, unkompliziert zu bauen und zu erhalten. Kein Wunder also, dass dieser Trend nun auch in Europa und Österreich angekommen ist und sich mit der Devise zeigt: Weniger ist mehr.
Laura Weingrill
Foto: ArchiVIZ/shutterstock.com

Der Minihäuser mit einer Wohnfläche bis zu 30 m2 sind im Trend.

 

Das Bett wird über eine Leiter erklommen, die Küche hat in etwa eine Länge von zwei Metern und das Bad erinnert mehr an eine Flugzeugtoilette – zumindest wenn es um die Größe geht. Auf den ersten Blick hört es sich unmöglich an, auf so kleinem Raum zu leben. Wirft man jedoch einen zweiten Blick auf und in die winzigen Trendhäuser, fällt einem schnell auf, dass zwar wenig Platz besteht, jedoch genau so viel, wie man braucht. Nicht mehr und nicht weniger.
Ursprünglich liegen die Wurzeln dieses Wohntrends in der Immobilienkrise der USA. Mittlerweile hat die Idee, seinen Wohnraum auf ein Minimum zu reduzieren, auch in Europa viele Anhänger gefunden.

Viele Gründe für Minimalismus
Die Gründe, warum sich Menschen für diese freiwillige Einschränkung entscheiden, sind vielschichtig: Für viele spielt die Reduktion der Wohnkosten eine zentrale Rolle. Denn wer anstatt 100 Quadratmetern nur noch knapp 30 zu beheizen und zu beleuchten hat, spart Ressourcen. Für andere wiederum geht es um die Verkleinerung des ökologischen Fußabdruckes. Je nach Bauweise ist es nämlich möglich, völlig autark zu leben und durch Photovoltaik und Co. genau die Menge an Energie zu erzeugen, die man später verwendet.
So wie sich unsere Gesellschaft verändert, verändern sich damit auch unsere Wohnbedürfnisse. In Österreich wird laut Registerzählung der Statistik Austria bereits jeder dritte Privathaushalt von nur einer Person bewohnt. Immer mehr Menschen leben allein und können es sich aufgrund der steigenden Immobilienpreise einfach nicht mehr leisten, in großen Häusern oder Wohnungen zu leben. Das klassische Einfamilienhaus hat daher Konkurrenz im Kleinformat bekommen.

Grundsätzlich gilt: Im echten Singlehaus ist der Grundriss konsequent auf eine Person ausgerichtet, die Räume sind offen gestaltet, und es gibt nur wenig Trennwände. Selbst die Möbel sind oft speziell entworfen und angepasst – und ebenfalls auf Flexibilität und Platzersparnis getrimmt.

Wurden diese Häuser anfangs zumeist individuell geplant und umgesetzt, haben inzwischen auch Fertighausfirmen die neue Zielgruppe für sich entdeckt. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Modulsystemen, die sich später auch vergrößern und zusammenfügen lassen. So ist auch die Gründung einer Familie durch den kleineren Wohnplatz kein Problem mehr.

Dennoch sind die trendigen Minihäuser eine echte Herausforderung für kreative Bauplaner. Denn sie müssen nicht nur richtig gebaut werden, sondern insbesondere die Ausstattung ist eine echte Aufgabe, da sich besonders hier entscheidet, wie platzsparend und effizient der Raum nun tatsächlich ist. Ganz zur Freude unzähliger Singles, kinderloser Paare, flexibler Querdenker und der mobilen Generation gibt es immer mehr innovative Baukonzepte und Firmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, selbst auf kleinstem Raum ein behagliches Zuhause zu schaffen.
Inzwischen hat es das Minihaus geschafft, sich einen festen Platz in den Rängen der Immobilientrends zu verdienen und ist definitiv gekommen, um zu bleiben. So beweist es nicht nur, dass sich Single und Haus nicht automatisch ausschließen müssen, sondern präsentiert dabei auch noch eine ganz neue Art des Wohnens und Lebens.

Bericht aus Ausgabe 01/2018


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