Leben in einem Wirtshaus

Architektur als Spiegelbild der Persönlichkeit: Der Wohnstil sagt einiges über die Bewohner aus. Immerhin steckt oft viel Leidenschaft, Gespür und Geschmack in der Umsetzung des individuellen Wohntraums. Die Symbolik, mit der wir uns in unserem Zuhause umgeben, zeichnet mitunter ein Bild unserer Seele.
Oft erzählen einzelne Räume oder Gegenstände interessante Geschichten und wir lernen so die Bewohner noch besser kennen.
prima! Redakteurin Nora Schleich zeigt in den kommenden Ausgaben im Zuge unserer „Planen-Bauen-Wohnen-Serie“, wie bekannte Menschen aus der Region wohnen. Diesmal war sie zu Gast bei Regina Hinze und Bernhard Bergmann im steirischen Schildbach.
Nora SCHLEICH / 28. August 2018
Foto: Bernhard Bergmann / Foto 1

Das alte Gasthaus in Schildbach hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1774 wurde der älteste Teil erbaut. Seit damals wächst das Gemäuer im Wandel der Zeit. Vor 20 Jahren hat Regina Hinze begonnen, das alte Haus ihrer Großeltern zu renovieren. Etwa 10 Jahre später kam Bernhard Bergmann dazu und stieg in das Konzept ein: Originales möglichst belassen und wenn nötig restaurieren. Ergänzt wird das Bestehende im skandinavischen Stil. Helle Möbel, viele davon selbst gestaltet, gebaut und recycelt, finden sich hier wieder. Auch Flohmarktmöbel dürfen es sein. Wichtig ist die indirekte Beleuchtung, wie im privaten Wohnzimmer. (Foto 1)
Inspiriert hat die beiden der Gedanke, die alten Gemäuer wirtschaftlich, aber auch individuell, bestmöglich zu nutzen – mit Stil. „Farbe, Oberfläche und Materialien müssen harmonieren“, so die Besitzer.

Im Schlafzimmer, einem ehemaligen Fremdenzimmer, hat Bernhard Teile des Bettes aus alten Kastentüren selbst gefertigt und alte Kommoden restauriert und weiß gestrichen. (Foto 2)

Das Paar hat sich viel mit der Geschichte des Hauses beschäftigt und den Räumen so mehr Seele eingehaucht. Bereits der alte Holzdielenboden erzählt Bände. „Man spürt, dass hier gelacht, geweint, gerauft und getanzt wurde“, so Bernhard Bergmann.
Heute ist die ehemalige Gaststube zum Fotoatelier umfunktioniert. (Foto 3)

„Der größte Raum aber ist unser Innenhof“, so Bernhard. Viel Holz und Eisen wurde hier verarbeitet. „Upcycling“ ist das Stichwort. Vor allem altes Metall und Treibholz verwendet der Fotograf für seine Kunst und er macht damit auf die verschwenderische Kultur der heutigen Zeit aufmerksam. (Foto 4)

Symbolisches Herzstück des Hauses ist der alte „Kuchl-herd“. Er verkörpert die Geschichte des Hauses und ist ein Teil von Reginas Familiengeschichte.
Rundherum fügt sich die Einrichtung an das Bestehende. Auch hier dominieren individuelle und helle Möbel den Raum, welcher als ehemalige Wirtshausküche seit jeher als Kommunikationsraum genutzt wird. (Foto 5)


Skandinavischer Stil

Da es in skandinavischen Ländern im Winter nicht viel Licht und noch weniger Sonnenstunden gibt, setzt der skandinavische Stil auf helle Farben, viele weiße Möbelstücke und Cremetöne um Helligkeit und Lebensfreude in die eigenen vier Wände zu bekommen. Helles Holz, klare Formen und freundliche Farben machen den skandinavischen Einrichtungsstil so angenehm. Helle Hölzer und pastellige Töne schaffen Freundlichkeit im Zuhause. Leichtigkeit und schlichte Eleganz sind Stichwörter, die diesen Stil gut beschreiben.

Nicht viel Schnick-Schnack, keine unnötigen Verzierungen sind von Nöten. Auf Naturmaterialen wie Baumwolle, Leinen und Leder wird viel Wert gelegt. Auch Glas und Porzellan spielen eine Rolle. Geradlinig und klar ist der Stil. Die Skandinavier mögen auch funktionelle Möbel – praktisch muss es sein! Auch sind wenige dafür aber wohl platzierte Möbelstücke ein Zeichen dieses Stils. Schlichte Bilder in noch schlichteren Rahmen zieren die Wände.

 

 


Regina Hinze, BA ist selbstständig im Bereich Marketing und Kommunikation. Sie studierte berufsbegleitend Marketing und Management, danach Kulturanthropologie.

Mag. Bernhard Bergmann ist freier Fotograf, Texter und Filmemacher. Er hat in Wien Kommunikationswissenschaften, Theaterwissenschaften und Geschichte studiert.
Gemeinsam haben sie einen Sohn im Volksschulalter.

Kommentare

Wunderbarer Bericht über eine großartige Gestaltung von Wohnraum!!

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